Mobbing

20. April 2019 20:00; Akt: 20.04.2019 20:00 Print

Sind die Schüler grausamer geworden?

von B. Zanni - Drei bis fünf Prozent der Schüler sind von Mobbing betroffen. Vor dem Schikanieren gebe es kein Entrinnen mehr, sagt eine Fachperson.

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Schüler gründeten eine Facebookgruppe, die sich gezielt gegen Mitschüler L. K.* richtete. In einem anderen Fall brach eine Schülerin zusammen – Jungs aus der Klasse hatten ihr per SMS geraten, sich «besser umzubringen». Das sind keine Einzelfälle. Drei bis fünf Prozent der Oberstufenschüler sind laut Studien schweizweit von Mobbing betroffen, wie Otto Bandli sagt, Dozent und Berater für Gewalt und Mobbing an der Pädagogischen Hochschule (PH) Zürich.

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Wie gehen Sie vor, wenn Sie Mobbing beobachten?

Wie aus der James-Studie 2018 zudem hervorgeht, wurden 23 Prozent der Jugendlichen schon online fertiggemacht. 16 Prozent der Befragten verschickten beleidigende Texte oder Bilder mit dem Handy oder dem Computer.

«Gibt vor Mobbing kein Entrinnen mehr»

Schüler würden nicht häufiger, sondern stärker gemobbt, präzisiert Bandli. «Da sich das Mobbing von der Schule ins Netz verlagert hat, gibt es davor kein Entrinnen mehr.» Durch Plattformen wie Instagram, Snapchat oder Whatsapp hätten die Opfer nach der Schule keine Rückzugsmöglichkeiten mehr.

Die Hemmschwelle, jemanden zu beleidigen, sei gesunken. «Es ist einfacher, einen bösen Kommentar abzusetzen, als jemandem direkt zu drohen oder eine Beleidigung ins Gesicht zu sagen.» Eine häufige Form des Mobbings sei, Schüler in Gruppenchats auszuschliessen. «Die Chats haben dann auch Namen wie ‹Alle ohne Laura›.»

«Angst, als Petzer dazustehen»

Beliebt ist laut Bandli auch, über Social Media Gerüchte zu verbreiten oder diffamierende Fotos zu posten. «Für die Opfer sind solche Aktionen sehr traumatisch.» Es löse Trauer, Wut und Ohnmacht aus. «Für das Selbstwertgefühl der Opfer hat Mobbing wahnsinnige Folgen.»

Mobbing geschehe meistens verdeckt, beginne harmlos und schleichend und werde oft sehr spät bemerkt, hält Bandli fest. «Viele Menschen haben Angst, als Petzer dazustehen, wenn sie den Lehrer oder den Chef informieren.» Mobbing sei auch schwer zu eliminieren, weil sich die Mitschüler als Zuschauer zur Verfügung stellten. In der Schule zum Beispiel habe man festgestellt, dass dies bei 85 Prozent der Mitschüler der Fall sei.

Tipps für Opfer

Wichtig sei, den Opfern bewusst zu machen, dass prinzipiell jede Person Opfer von Mobbing werden könne, sagt Bandli. Opfern sollten mit einem Freund, einer Lehrperson oder einer Fachperson über das Problem sprechen.

Die PH Zürich rät Opfern, Folgendes zu unternehmen:

•Sag deutlich, was du willst. Sage klar und deutlich, dass das Gegenüber sein dich verletzendes Verhalten unterlassen soll, dass es dich stört, dass du das nicht willst.
•Denk daran, dass du keine Schuld an der Situation hast.
•Mach Dinge, die dir Spass machen, obwohl dich Mobbing traurig macht.
•Suche Verbündete in deiner Klasse, in der Gruppe oder in anderen Klassen oder Gruppen.
•Suche dir Freunde, pflege deine Freundschaften.

So sollen Schüler vorgehen, wenn sie Mobbing beobachten:

•Schau nicht einfach zu, wenn du merkst, dass jemand gemobbt wird, sondern hilf dem Opfer.
•Sage klar und deutlich, dass die anderen das unerwünschte verletzende Verhalten unterlassen sollen.
•Beobachtungen solltest du unbedingt der Lehrperson erzählen, es zu sagen, ist Zivilcourage und nicht Petzen.
•Sprich auch andere Schüler auf das Problem an.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • juloan am 20.04.2019 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    tut mir leid, aber bei der umfrage das 70% sich einsetzen würden, ist einfach nur gelogen

    einklappen einklappen
  • Robinson Crusoe am 20.04.2019 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    wie vor 30 Jahren

    nein nicht grausamer, sondern haben neue Mittel für die Zerstörung. Handys und Social Medien

    einklappen einklappen
  • Gorgio am 20.04.2019 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mobbing in der Schule

    Mein Sohn wurde mit 13 in der Schule gemobbt und leidet bis heute und er ist jetzt 17 .

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.S. am 22.04.2019 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Go

    Mobber sind im Grunde schwache Menschen, die mittels Mobbing ihre eigenen Defizite überdecken wollen. Als Eltern oder Lehrperson muss man rasch und gezielt durchgreifen und die Kinder insofern stärken, dass sie STOPP sagen, wenn jemand zu weit geht.

  • die Ritterin am 22.04.2019 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenzen

    Mobber werden von (einst) mobbenden Eltern erzogen (irgendwoher haben die das ja her) und sie sind renitent gegen Gespräche. Sie brauchen klare Ansagen, will heissen, Drohungen mit Polizei, oder dass man das selber in "die Hand" nimmt. Eltern von Mobbern haben vor nichts mehr Angst, als vor rechtlichen Kinsequenzen, oder dass man ihr "Goldstück" vorknöpfen könnte.

  • Ehemaliges Opfer am 22.04.2019 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schule Wädenswil

    Ich habe meiner früheren Schule auf Grund dieser Artikel einen Brief geschrieben. Mal sehen was sie antworten.

  • Riichä Richi am 22.04.2019 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie im Film

    Ich habe ja schon in einem vorigen Kommentar erzählt, dass ich in der Primarschule übelst gemobbt wurde. Aber eines Tages in der sechsten Klasse bekamen wir einen neuen Mitschüler. Dieser erkannte meine Notlage und stellte sich auf meine Seite. Als die anderen Mitschüler ihn in der Pause vermöbeln wollten, dachte ich er wäre Bruce Lee. Wir sind noch heute befreundet. :-)

  • phil. überleg mal am 22.04.2019 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    was bringt mobben?

    mobben ist nur solange interessant, wie die fachpersonen darauf herumreiten (psychologen, pädagogen, medien). sprich: was in mode ist, wird von geistig unterentwickelten leuten ohne nachzudenken übernommen. besser wäre wohl wenn die kinder lernen, was sinn macht im leben und was nicht. ich hatte immer erfolg, indem ich den kindern geistig etwas anderes anbgeboten habe, anstatt nonsens (verbote) und leerlauf (misstrauen). ein geist muss gefüllt und auf trab gehalten werden, besonders kindergeister.