Roaming bleibt teuer

19. März 2013 18:48; Akt: 19.03.2013 23:08 Print

«Was unsere Volksvertreter tun, ist ein Trauerspiel»

von J. Pfister - Hohe Roaminggebühren sind seit Jahren ein Ärgernis. Trotzdem verzichtet der Ständerat darauf, etwas dagegen zu unternehmen. Während sich Telekomfirmen freuen, übt der Konsumentenschutz harsche Kritik.

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Die Konsumentenschützerin Sara Stalder kritisiert den Entscheid des Ständerates scharf.

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Bis zu fünf Mal mehr zahlen Schweizer Mobilfunkkunden für das Surfen im Ausland wie Konsumenten in der EU. Daran wird sich kurzfristig nichts ändern. Der Ständerat hat gestern entschieden, den Telekomanbietern noch eine Chance zu geben und legte eine Motion, die eine Preisobergrenze fürs Roaming verlangte, vorerst auf Eis. «Wir gehen davon aus, dass die technische Entwicklung bald soweit ist, dass die Preisdifferenzen wegfallen», sagte CVP-Ständerat Peter Bieri.

Damit sprach er das «local breakout» an, welches per Juli 2014 in der EU eingeführt wird. Dass heisst: Die Mobilfunkanbieter müssen ihren Kunden im Ausland ermöglichen, Datenangebote von lokalen Anbietern zu nutzen. «Davon wird auch die Schweiz profitieren», zeigt sich Bieri überzeugt – und mit ihm die bürgerliche Mehrheit des Ständerats.

Selbst SVP-Mann This Jenny, der die heutigen Preise als «absolute Abzockerei» bezeichnet, kann mit diesem Entscheid leben. «Wir können die Motion jederzeit wieder aktivieren und haben damit ein gutes Druckmittel in der Hand.»

«Unter Druck von Lobbyisten eingebrochen»

Für Konsumentenschützerin Sara Stalder ein Affront. «Was unsere Volksvertreter hier abgezogen haben ist ein Trauerspiel.» Der Ständerat habe mit der Sistierung der Motion jeglichen Druck von den Anbietern weggenommen. «Ich vermute stark, dass der Ständerat unter dem Druck der Lobbyisten eingebrochen ist», sagt Stalder.

In den zuständigen Kommissionen seien ja auch nur die Anbieter angehört worden. «Vermutlich hat man dort wirtschaftliche Schreckensszenarien an die Wand gemalt, da Roaminggebühren eben eine erspriessliche Einnahmequelle sind», so die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Klar würden die technischen Entwicklungen Änderungen bringen, doch dies könne noch Jahre dauern. «Bis dahin müssen die Schweizer Konsumenten weiter unter hohen Preisen leiden.»

Der deutsche Telekom-Experte Scott Marcus zweifelt sogar daran, ob das «local breakout» wirklich auf die Preise drücken wird. Zudem würden dieses nur Daten betreffen, nicht aber SMS oder Telefongespräche.

«Problem wird sich von selbst lösen»

Während sich die einen ärgern, freuen sich die anderen.
Orange-Sprecherin Therese Wenger sagt: «Wir begrüssen den Entscheid des Ständerats, weil eine Preisregulierung kontraproduktiv gewesen wäre.» Erleichtert ist man auch bei der Swisscom und ergänzt: «Das Problem hoher Roaminggebühren wird sich aufgrund der technologischen Entwicklung in den kommenden Jahren von selbst lösen.»

Doch auch wenn sich die Telekomanbieter freuen - das Thema ist auch im Parlament noch nicht vom Tisch. Vor zwei Wochen hat der Nationalrat nämlich einen anderen, ähnlich lautenden Vorstoss angenommen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Wähler am 19.03.2013 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mehr Regierung fürs Volk!

    Habe Georges Theiler gewählt - jetzt ist Schluss! Die Regierung sollte etwas fürs Volk tun, nicht für Konzerne.. Klar schaffen diese Arbeitsplätze, weils ihnen so gut geht, dass sie überall so dämliche Shops eröffnen können... Unglaublich!

    einklappen einklappen
  • Thomas L. am 19.03.2013 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig traurig

    Interessanter Ansatz, dass unsere Parlamentarier, welche diesen Vorstoss abschmettern liessen, so viel und lange telefonieren und im Internet surfen können, wie sie wollen... Ihr Handy-Abo wird nämlich kommentarlos von der Swisscom "gesponsert". Dafür darf mann dann halt auch nicht gegen die hohen Preise etwas sagen...Wen kümmerts in Bundesbern? Wohl niemanden....

  • Frank Peters am 19.03.2013 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    Super, George

    Bravo George Theiler, freue mich schon auf die nächste Wahl. Dein Name wird nicht mehr drauf stehen. Ein ehemaliger luzerner liberaler.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 20.03.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Technische Lösung

    Wenn es keine politische Lösung für das Problem gibt, dann müssen das die Konsumenten halt selber erledigen. Wenn keiner mehr Roaming braucht, müssen sie die Preise senken. Man kann entweder im Ausland eine andere SIM-Karte kaufen oder, wenn man ein Smartphone hat, bei einem VOIP-Anbieter einen Account eröffnen und im Ausland überall, wo es WLAN hat, mit einer App für ein paar Rappen pro Minute telefonieren.

  • check am 20.03.2013 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    danke

    Ein grosses Danke an die bürgerlichen Parteien, welche wieder einmal nur die wirtschaft und nicht die Menschen berücksichtigen. Vielleicht wird es sich durch Technologie ändern, aber vielleicht erst in 5-10 Jahren. Bis dahin möchten die wohl noch in den verschiendenen VR absahnen.

  • Rene A am 20.03.2013 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    die Gier der Lobbyisten und Parlament

    Warum wohl sagen die Nein.einige von unseren Parlamentariern verdienen Ihr Geld in diesem Sektor und die Lobbyisten tun das gleiche. Lobbyisten und Parlament sind verstrickt und solange das so ist, ändert sich nie etwas.

  • Karl am 20.03.2013 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Initative gegen Lobbying

    Es wäre Zeit eine für eine Volksinitative gegen Lobbying. Was hier an Gesetzen im Interesse von Wenigen zum Schaden von Vielen beschlossen werden oder eben nicht, passt auf keine Kuhhaut.

  • Andy unabhängig neutral am 20.03.2013 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Volks(ver)treter

    Wer ist Eigentümer, sitzt in den Verwaltungsräten, Teppichetagen, oder sonst irgendwie beteiligt, der Firmen, Unternehmungen die an solchen Parlaments-Beschlüssen verdienen?!? Ja, die vom Volk gewählten (Ver)Treter. Wessen Interessen werden vertreten, wahrgenommen? Auf jeden Fall nicht die des gemeinen Volkes. Überlegt einmal: müssten solche Gremien nicht unabhängig, neutral sein?!? Meiner Meinung nach schon.