Erfahrungen von Leserinnen

20. Mai 2015 08:17; Akt: 20.05.2015 08:58 Print

«Wegen Chlamydien kann ich keine Kinder kriegen»

Bei vielen jungen Schweizern werden Chlamydien diagnostiziert. Leser erzählen von ihren Erfahrungen mit der tückischen Krankheit.

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Ungeschützter Geschlechtsverkehr führt immer häufiger zur Diagnose Chlamydien - auch hierzulande. In der Schweiz sind zwischen drei und zehn Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung betroffen; 70 Prozent davon sind Frauen. Und das obwohl Schweizer Schülerinnen und Schüler bereits in der 2. Sekundarstufe im Sexualkunde-Unterricht über mögliche Geschlechtskrankheiten aufgeklärt werden. Betroffen sind nicht nur die Eidgenossen. Chlamydien sind weltweit die am weitesten verbreitete sexuell übertragbare Krankheit. Auch in den USA steigen die Ansteckungen seit Jahren. Das Bundesamt für Gesundheit in Lincoln-Lancaster in Nebraska veröffentlichte nun neue Studienergebnisse zum Thema. Demnach stecken sich mehr Menschen mit Chlamydien an als mit allen andere Geschlechtskrankheiten zusammen. Werden Chlamydien diagnostiziert, folgt meistens eine Behandlung mit Antibiotika. Die Grafik zeigt: Die Zahl der Chlamydien-Diagnosen in der Schweiz nimmt seit Jahren zu. Gute Nachrichten gibt es dafür beim HIV: Die Zahl der Ansteckungen nahm 2014 im Vergleich zum Vorjahr ab. Dies Grafik zeigt, auf welchem Weg die HIV-Ansteckungen erfolgen. Die meisten positiven HIV-Tests gibt es in den städtischen Zentren Zürich, Basel und Genf. Die Grafik zeigt: HIV ist kein Problem der ganz Jungen. Heterosexuelle Männer stecken sich oft erst mit 35 Jahren an. Währendsich Männer am häufigsten bei Gelegenheitspartnern oder -partnerinnen anstecken, werden Frauen am ehesten von ihrem festen Partner infiziert. Auch bei Syphilis ist es zur Trendwende gekommen: Die Zahlen steigen nicht mehr. Auch bei der Gonorrhö gab es keine weitere Zunahme mehr.

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Chlamydien sind in der Schweiz auf dem Vormarsch: Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) wurden sie im letzten Jahr bei 9680 Personen diagnostiziert. Das sind zwölf Prozent mehr als noch im Vorjahr – die häufigste Geschlechtskrankheit in der Schweiz. «In Fachkreisen ist die Krankheit in aller Munde», so die Gynäkologin Francesca Navratil.

Dass die Infektion oft ohne Symptome verläuft und deshalb nicht erkannt wird, kann schwerwiegende Folgen haben – im schlimmsten Falle Unfruchtbarkeit. Laut Navratil müssen vor allem junge Frauen und Männern mit Chlamydien rechnen, da das Ansteckungsrisiko heutzutage hoch sei und Safer Sex auf der Strecke bleibe. Viele Leser bestätigen das und erzählen von ihren Erfahrungen.

«So verteilen sich die Dinger fröhlich in der Gegend»

Viviane ist 17 Jahre alt und hatte bereits zweimal Chlamydien: «Beim ersten Mal habe ich es durch Stechen und Ziehen im Unterleib bemerkt. Beim zweiten Mal flog es bei der jährlichen Standarduntersuchung auf.»

Ihr Freund sei am Anfang etwas schockiert gewesen: «Er hätte nie geahnt, dass er so etwas haben könnte.» Auch Sandra hat bereits Erfahrungen gemacht: «Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinen festen Freund, jedoch wiederholt ungeschützten Geschlechtsverkehr mit demselben Mann.» Julia (20) wiederum hat sich bei einem One-Night-Stand angesteckt, bei dem das Kondom gerissen war. «Gesagt habe ich es ihm per SMS. Er wurde dann beleidigend und wütend.»

Adrian hat nach einem Frauenarztbesuch seiner damaligen Partnerin erfahren, dass beide Chlamydien haben. Schuld war er selbst: «Leider habe ich die Krankheit bei einer anderen Frau aufgelesen. Sie können sich ja vorstellen, was für einen Streit das gegeben hat.»

Bei Jacqueline verlief es ähnlich. Ihr fiel lange nicht auf, dass sie Chlamydien hatte. «Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass mein Exmann mich immer wieder angesteckt hatte, weil er fremdgegangen war. Und so verteilen sich die Dinger fröhlich in der Gegend.»

Ich will nicht wissen, wie viele er angesteckt hat»

Da nur selten Beschwerden wie Zwischenblutungen oder Brennen beim Wasserlassen auftreten, merken die betroffenen Frauen oft nichts von der Krankheit. Nachgewiesen werden können Chlamydien bei Routineuntersuchungen beim Frauenarzt mittels Abstrich oder Urinprobe. «Es ist wichtig, dass bei einem positiven Befund auch der Partner in die Behandlung miteinbezogen wird», so Navratil. Meistens seien Chlamydien einfach mit Antibiotika behandelbar.

Dass die Krankheit jedoch nicht immer glimpflich verläuft, weiss
Milena (29): «Bei mir hat man es leider zu spät entdeckt und die Chlamydien hatten reichlich Zeit, sich auszubreiten. Meine Eileiter mussten amputiert werden.» Ihre Beziehung sei dadurch zu Bruch gegangen. «Ich habe meinem Exfreund damals noch die verschriebenen Antibiotika gegeben, doch er hat es nicht für nötig gehalten, diese zu nehmen. Ich will nicht wissen, wie viele Frauen er noch angesteckt hat.»

«Es ging alles sehr schnell»

Auch Nicole (33) wurde eine Chlamydien-Infektion zum Verhängnis. Heute kann sie keine Kinder mehr bekommen. «Die Chlamydien haben bei mir zu Gebärmutterkrebs geführt und die Gebärmutter musste entfernt werden.» Es sei alles sehr schnell gegangen. Wie sie sich angesteckt hat, wisse sie nicht. «Ich wollte immer Kinder. Nun ist der Zug für mich abgefahren.»

Nicole findet es wichtig, dass die Krankheit endlich thematisiert wird: «Eine Chlamydien-Infektion ist eine sehr ernste Erkrankung mit unter Umständen grossen und weitreichenden Folgen für die Betroffenen und deren Angehörige.» Sie rät allen jungen Frauen, bei Verdacht auf Chlamydien sofort zum Frauenarzt zu gehen und kein Geheimnis aus der Situation zu machen: «Habt keine Angst davor, eure Partner oder Partnerinnen anzusprechen!»

(ced)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Thomas,Eileiter wurden nicht entfernt bei meiner Tubensterilisation.Sie wurden durchtrennt und verödet. – Jasmin

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • baba am 20.05.2015 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortungslos

    traurig wie verantwortungslos manche sind. Wie kann man in der heutigen Zeit wo jeder von den vielen schlimmen Geschlechtskrankheiten weiss nur ungeschützen Sex haben? Klar wenn ich in einer langjähigen Beziehung bin ist das was anderes, aber bei Bekanntschaften? Achtet besser auf eure Gesundheit, das ist das einzige was ihr nicht kaufen oder reparieren könnt....

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  • Glückskind am 20.05.2015 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Untreue

    Ich finde es immer sehr schlimm, wenn man durch den/ die fremdgehende/n Partner/in angesteckt wird. Leider passiert das häufiger als man denkt. Wer den Kick sucht, kann das für sich selber entscheiden, aber bitte nicht auf kosten der Partner/in!

  • Ilona am 20.05.2015 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Routinekontrolle

    Wenn man doch zur jährlichen Routinekontrolle geht, dann wird eine Infektion doch frühzeitig erkannt oder nicht? Bin ich eine von wenigen die 1 x jährlich geht? Auch wenn ich mich schütze und nicht häufig wechselnde Sexualpartner habe.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mikeweisses am 21.05.2015 06:11 Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Männer

    Wenn ich Kommentare lese wie; Männer sind Träger; Mann hat mich angesteckt... Mannmannmann, liebe Frauen, irgendwoher hat der Mann es auch herbekommen, oder habt ihr das Gefühl dass wir Männer alle bisexuell sind? Beide Parteien müssen sich an der Nase nehmen!! Und ohne Gummi sind sich wohl beide das Risiko bewusst egal wer wen Ansteckt

  • Lilly am 20.05.2015 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naiv

    Bei mir wurde es auch bei der jährlichen Routineuntersuchung festgestellt. Da war ich gerade 1 Woche von meinem Ex getrennt und wusste, dass er mich während der Beziehung mehrmals betrogen hatte. Da meine Frauenärztin meine Situation verstand, kontaktierte Sie meinen Ex-Freund. Dieser wurde sauer und hat mich und meine Frauenärztin übelst beschimpft und hat mir immer wieder böse SMS gesendet und bei meinen Eltern abgerufen. Ich weiss bis heute nicht, ob er die Medis genommen hat. Für mich ist es gut ausgegangen, aber ich will gar nicht daran denken, wie viele Frauen er noch angesteckt hat.

  • Michael Palomino Ale am 20.05.2015 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist der Selbsttest?

    Die Medizin bekommt Arbeit. Am besten ein Selbsttest. Wo? - Die Impflobby wird sicher noch eine Impfung erfinden, die nichts nützt...

  • Nina am 20.05.2015 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Bin ich eigentlich die einzige (22J.) die das ganze rumgeb" langsam satt hat ? Wieso muss man ständig den Partner wechseln, Sex als Konsumgut sehen und sich dabei absolut nichts um die eigene Gesundheit kümmern ? Verstehe ich nicht, sorry.

  • Mami am 20.05.2015 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Schon mit 17 das ganze 2x durchlebt.... Peinlich und fraglich zugleich! Wiederspiegelt die heutige unerfahrene Jugend.