Fall David Goodall

08. Mai 2018 16:43; Akt: 08.05.2018 18:42 Print

Wird die Schweiz zum Sterbebett der Welt?

von Nikolai Thelitz - David Goodalls Reise zum Sterben in die Schweiz sorgt international für Schlagzeilen. Ein Image-Experte schätzt die Wirkung der liberalen Freitodbegleitung ein.

David Goodall erklärt, warum er in der Schweiz sterben will. (Video: Tamedia)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Renner, David Goodall ist ein berühmter Wissenschaftler, weltweit berichten Medien über seinen Wunsch, in der Schweiz zu sterben. Gibt es nun eine Welle von Australiern oder anderen Ausländern, die in der Schweiz ihr Lebensende suchen?
Das ist durchaus denkbar, denn Herr Goodall und seine Unterstützer haben ja erfolgreich für die entsprechende internationale Aufmerksamkeit und Medienpräsenz gesorgt, eine gezielte Kampagne. Ich bin bereits von Kollegen und Freunden aus Deutschland, den USA, Asien und Südafrika auf das Thema angesprochen worden. Dass die Medien und sozialen Netzwerke das so intensiv aufgreifen und die Themen aktive «Sterbehilfe» oder «Sterben in Würde» national und international so starken Widerhall finden, zeigt, wie sehr es die Menschen elektrisiert.

Umfrage
Was halten Sie von Sterbehilfe?

Was bedeutet so ein bekannter Fall für das Image der Schweiz? Werden wir zum Sterbebett der Welt?
Sterbebett der Welt ist mir zu negativ formuliert. Auch vor diesem spektakulären Fall war die Schweiz meiner Erfahrung nach schon bekannt für die liberale Haltung zur Sterbehilfe, diese kann man auch als einen Akt der Menschenwürde sehen. Die Schweiz ist meiner Beobachtung nach in vielen Bereichen deutlich weniger paternalistisch als andere Staaten, wie zum Beispiel Deutschland. Die Frage sollte erlaubt sein und diskutiert werden: Warum darf ich meinem Leben unter bestimmten Voraussetzungen kein Ende setzen, wenn ich es als nicht mehr lebenswert empfinde und damit auch niemand anderem Schaden zufüge? Die vergleichsweise liberale Handhabung des Themas in der Schweiz basiert ja nicht auf einem gezielten Marketing-Gag, um damit Aufmerksamkeit zu erregen, sondern auf der kollektiven Einstellung seiner Bürger gegenüber diesem Thema. Das finde ich sehr positiv und beispielgebend.

Wird die Schweiz dadurch also positiv oder negativ wahrgenommen?
Das dürfte sich in liberalen Gegenden der Welt vorwiegend positiv auswirken — auch wenn es für Strenggläubige aufgrund ihrer jeweiligen Religion durchaus negativ wirken kann. Die eidgenössischen Offiziellen wären sicherlich gut beraten, wenn sie die Sterbehilfe nicht aktiv «vermarkten», meines Wissens tun sie dies auch nicht. Das wäre sicherlich makaber. Dass aber einige Skrupellose im Sterbe-Tourismus ein Geschäftsmodell wittern, lässt sich sicherlich nicht ausschliessen. Wünschenswerter wäre es, wenn die Schweiz diesbezüglich Vorreiter für andere Länder sein könnte – und somit mittelfristig die Notwendigkeit zum «würdevollen Sterben im Ausland» gar nicht mehr besteht. Dann müsste auch Herr Goodall nicht um den Globus fliegen und könnte in seiner gewohnten Umgebung friedvoll Abschied nehmen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonne am 08.05.2018 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exit

    Wenn ein Tier krank oder unter starker Altersschwäche leider, wird es eingeschläfert. Der Mensch darf das in den meisten Länder nicht selbst entscheiden. ich verstehe seine Entscheidung.

    einklappen einklappen
  • drUwe am 08.05.2018 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich Gut

    Ich finde das viel besser als das man Selbstmord begehen muss!

    einklappen einklappen
  • Stardust am 08.05.2018 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat völlig Recht

    Es sollte jedem das Recht zugestanden werden auf eigenen Wunsch würdevoll aus dem Leben zu scheiden. Besonders bei gesundheitlichen Problemen und auch Lebenssatt oder Alter

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hoffnung am 08.05.2018 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würde Sinn Frieden

    Mein VATER ist STERBENSKRANK, hatnen wirklich schwierigen, herausfordernden Leidensweg zu bewältigen....! An seiner Seite, meine liebe, geduldig ertragende Mutter, welche es auch gar nicht einfach hat...! Er, hat vor mehr als 1 Jahr alle Therapien abgebrochen, wartend im Glauben, dass Gott weiss, WAS ER TUT+VORHAT. Er hat wiederkehrend unerträglich Schmerzen, wird inmobiler, doch Mitmenschen erleben ihn stets fröhlich, versucht sicher auch durch Gespräche/Gemeinschaft Ablenkung zu finden. Er BETET, vertraut+kennt seine ZUKUNFT+freut sich sehr darauf!! Wer Frieden hat, findet Trost im Leid.

  • Sergio Fasano am 08.05.2018 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Der Freidenker meint:

    Es gibt Situationen, da sind aus Vernunft und Emotionalität dem Leben fast keine positiven Werte mehr abzugewinnen. Mein Freund setzte seinem Leben mit Exit ein Ende, nachdem er am unheilbaren Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte und dieser in so fortgeschrittenem, schmerzhaften und entstellendem Stadium war, dass es für ihn unerträglich wurde, trotz allerstärksten Schmerzmitteln. Auf der ganzen Welt sollte jemand in solcher Situation seinem Leben ein würdiges Ende geben dürfen. Und zwar ohne den Segen von Vater Staat einholen zu müssen.

  • marko 33 am 08.05.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz Sterbebett

    Das hoffe ich nicht

  • Helftmir am 08.05.2018 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naund?

    Na und wo liegt das Problem? Seinen Tod selbst zu bestimmen muss doch legal sein. Der Selbstmörder wird auch nicht hinterfragt. Ausserdem hinterlassen SM oft schlimme Spuren, welche andere dann wegräumen müssen.

  • Morto am 08.05.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zombis

    Und was ist mit Personen, die eigentlich Tot sind und mit Maschinen am Leben erhalten werden, weil sich die Angehörigen weigern abstellen lassen?