Embrach ZH

31. März 2019 20:56; Akt: 31.03.2019 21:05 Print

«Wer Courage zeigt, wird spitalreif geprügelt»

Eine 38-Jährige wollte in Embrach randalierende Jugendliche aufhalten und kassierte Prügel. Anwohner sind schockiert.

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Eine Gruppe Jugendlicher prügelte am Samstagabend am Bahnhof Embrach ZH eine 38-jährige Frau spitalreif – weil sie die Gruppe daran hindern wollte, einen Selecta-Automaten zu beschädigen. Der Vorfall sorgt bei der Bevölkerung für Unverständnis.

«Unfassbar, dass eine Gruppe Jugendlicher wegen einer Lappalie so auf eine Frau losgeht. Eine absolute Respektlosigkeit», sagt ein Anwohner. Er könne sich vorstellen, dass Drogen oder Alkohol im Spiel gewesen seien – oder dass die Jugendlichen nicht aus Embrach selbst stammten. «Das alles senkt die Hemmschwelle, so auf jemanden loszugehen.»

Gemäss einer Frau aus dem engeren Bekanntenkreis des Opfers sollen während der Tat mehrere Passanten anwesend gewesen sein. Sie alle hätten jedoch nur zugeschaut, «niemand hat eingegriffen», empört sich die Frau.« Ich bin geschockt, dass so etwas in der Schweiz möglich ist. Dass man einem hilflosen Opfer nicht hilft», erzählt sie weiter. Das Opfer selbst sei gemäss Angaben aus dem engsten Familienkreis «schwer verletzt».

Jugendliche randalierten öfters am Bahnhof

«Es ist einfach unglaublich heutzutage. Da zeigt eine Frau Courage – und als Dank wird sie spitalreif geprügelt», so ein SBB-Mitarbeiter. Da wundere man sich nicht, wenn die Leute keinen Mut mehr hätten, Jugendliche zurechtzuweisen.

Reto Meier aus Embrach betont, es passiere öfter, dass Jugendliche hier am Bahnhof randalierten. «Es kam schon vor, dass sie eine Scheibe beim Selecta-Automat einschlugen oder Abfalleimer mit Füssen traten – wahrscheinlich aus Langeweile.»

Kantonspolizei rät davon ab, einzugreifen

«Wer Sachbeschädigungen beobachtet, sollte nicht eingreifen, sondern möglichst viele Informationen sammeln: Wie viele Personen sind beteiligt, welche Kleidung tragen sie, in welchen Zug sind sie gestiegen», sagt Ralph Hirt, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. Danach solle man umgehend die Polizei informieren.

Die Frau in Embrach habe es sicher gut gemeint, als sie interveniert habe. «Aber man muss sich in einer solchen Situation bewusst sein, dass man alleine gegen eine Gruppe von fünf Jugendlichen wenig ausrichten kann.»

Anders verhalte es sich, wenn Personen in Not sind, so Hirt. «Dann soll man unbedingt sofort den Notruf alarmieren und eingreifen, indem man den Tätern zuruft und sie blossstellt.»

(pam/rol/rab)