Gruselfigur

16. November 2018 05:42; Akt: 16.11.2018 05:50 Print

«Wer Momo weiterschickt, handelt fahrlässig»

Medienkompetenz-Experte Michael In Albon erklärt, warum die Gruselfigur Momo jüngere Schüler verstören kann.

Unter jungen Passanten ist die Gruselfigur Momo in aller Munde, wie eine Strassenumfrage zeigt. (Video: jk/bz)
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Die Gruselfigur Momo sorgt weltweit für Schlagzeilen – jetzt thematisieren sie schon Schweizer Schulen im Unterricht, weil Kinder verängstigt sind. Warum verbreitet Momo Angst und Schrecken?
Das Konzept ist sehr hinterlistig, es setzt auf Angst. Vom Schrecken geht eine Faszination, ein Kick aus. Eine wichtige Rolle spielen Youtuber, die auf den Momo-Zug aufspringen und die Geschichte inszenieren.

Warum sind Kinder so empfänglich für den Whatsapp-Hoax?
Jüngere Kinder sind gefährdeter, weil sie noch nicht so gut zwischen der Realität und Schwindel unterscheiden können. Auf einen 8-Jährigen können Horrorgeschichten, wie sie Momo transportiert, verstörend wirken. Kinder glauben auch an den Osterhasen; irgendwann fangen sie vielleicht mit Gleichaltrigen zu diskutieren an und merken, dass er nicht echt ist. Ist ein Kind hingegen allein mit dem Handy in der virtuellen Welt, ist es den teilweise sehr gut aufgemachten Geschichten ausgeliefert.

Wer steckt hinter den Kettenbriefen?
Über den Urheber lässt sich nur mutmassen. Eine Schlüsselrolle spielen aber jene, die gruselige Nachrichten weiterverbreiten, weil sie es lustig finden, andere zu erschrecken. So verbreiten sich diese viral. Man ist sich nicht bewusst, dass man fahrlässig handelt: Nur weil ich den Fake durchschaue, muss das bei einem anderen Empfänger nicht der Fall sein.

Für Schlagzeilen sorgt auch die sogenannte Momo-Challenge: Hier fordert die Figur Empfänger auf, gefährliche Dinge zu tun. Ein Jugendlicher in Frankreich soll sich darum das Leben genommen haben.
Solche Fälle zeigen, dass das Weiterleiten solcher Nachrichten enorm gefährlich sein kann.

Haben sich die Whatsapp-Hoaxes gehäuft?
Häufung? Nein, aber es kommt immer wieder vor.

Viele Leser wundern sich, dass schon Primarschüler Whatsapp verwenden, obwohl der Dienst erst ab 16 zugelassen ist.
Gemäss einer Studie der ZHAW hat jeder zweite Primarschüler ein Smartphone. Nur weil Whatsapp seine App ab 16 anbietet, heisst es nicht, dass es darunter nicht genutzt wird.

In einigen Schulen wandert das Handy ins Körbchen während des Unterrichts. Ist das eine gute Strategie?
Es ist ein Irrglaube zu meinen, man könne Kinder schützen, indem man sie von digitalen Medien fernhält. Eltern und die Schule sollen die Kinder bei der Mediennutzung begleiten. Schritt für Schritt sollen Kinder immer mehr Dinge machen dürfen. Smartphones soll man unbedingt in den Unterricht integrieren als Lehrmittel. Und: Werden Kinder mit einem Phänomen wie Momo konfrontiert, ist es wichtig, dass sie eine Vertrauensperson haben, mit der sie darüber reden können.

Eine Lehrerin hat Momo in der Schule thematisiert und die Eltern informiert. Ist das wirklich nötig?
Ja, sie hat fantastisch und vorbildlich reagiert. Die Schule ist wichtig, wenn es darum geht, Strategien zu erlernen, wie man Fake-Informationen erkennen kann. Wir machen hier bereits Projekte im Kindergarten, da heute schon 4- bis 5-Jährige Medien konsumieren und auf verstörende Inhalte stossen können.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tttk am 16.11.2018 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    8-jährige

    Wieso haben 8-jährige Smartphones und sind in Internet alleine unterwegs? Das ist sich das Problem.

    einklappen einklappen
  • James am 16.11.2018 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Wer einem Kind ein Smartphone gibt, DER handelt fahrlässig.

    einklappen einklappen
  • ppap am 16.11.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber Schuld

    wer nicht 16 Jahre alt ist, hat auf Whatsapp nichts zu suchen. Manchmal machen Altersbeschränkungen eben doch sinn...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 16.11.2018 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Der Angst muss man sich aussetzen...

    Fahrlässig?? Diese Angstgestörte-Political-Correctness Kultur ist fahrlässig... Angst ist normal. Aber Angst überwinden gehört zu dem was man als Kind lernen muss. Alles was sich im Leben lohnt, kriegt man nur indem man seine Angst überwindet. Das Ansprechen einer Frau, die Frage nach einer Lohnerhöhung, den Erfolg irgendeiner Sache startet immer indem man die Angst davor überwindet. Nein, Angst überwinden lernt man nur indem man sich ihr aussetzt... Es gibt nichts tragischeres als 40+ Angstmenschen die dann feststellen dass nie in ihrem leben mehr gemacht haben als daheim zu sitzen aus Angst.

  • DerAchtsame am 16.11.2018 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Ansicht

    Mein Gott, schon werden wieder Verbote gefordert. Meine Meinung: Man muss nicht jeden vor seiner eigenen Dummheit schützen. Ja die App ist ab 16, aber mal ehrlich wen interessierts? Ihr habt bestimmt jedesmal einen Stopp vollzogen, wenn stand: "Erst ab 18 Jahre". Nein auch wir haben mit 12 Computerspiele gespielt oder Filme geschaut, die ab 18 waren. Es bringt eueren Kindern gar nichts, wenn ihr sie in Watte einpackt, sie wissen mehr und sehen mehr, als ihr euch vorstellen könnt, mit Verboten macht ihr sie erst recht neugierig.

  • Samuel Mersch am 16.11.2018 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krasse Welt

    Es ist so dass ich mit ca. 9 Jahren ein Handy bekommen habe aber dass wahr ein altes Sony, Daurauf konnte mann SMS Verschiken Anrufen und fertig. Heute kann man viel mehr, es ist schlimm. Meine kleine Schwester (10) hat ein Tablet und hat ein Video über Momo gesehen und hatte mehr als 2 Wochen Albträume. Einfach nur Müll.

  • kletterpunk am 16.11.2018 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Gib Kinder erst mit 12 jahren ein händy

  • MoMo am 16.11.2018 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern in die Pflicht

    Wer Kindern ein Smart-/Iphone erlaubt, sollte sie auch entsprechend aufklären und beaufsichtigen.