Nachts am Handy

24. März 2016 09:53; Akt: 24.03.2016 10:43 Print

«Wer am meisten schläft, gilt als Schwächling»

von B. Zanni - Auch nachts lassen viele Jugendliche nicht die Finger vom Smartphone. Laut einem Schlafmediziner geht es ihnen vor allem um das Image.

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Einige Mädchen und Jungen stellen den Wecker, um nachts das Handy zu checken. (Bild: Keystone/leo Thal)

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Herr Neumann, nehmen Sie das Handy abends mit ins Bett?
Nein. Das Bett ist zum Schlafen da. Aus beruflichen Gründen muss ich aber manchmal mein Handy in der Nähe haben, damit mich der Nachtdienst im Schlaflabor erreichen kann.

Umfrage
Wie sieht Ihr Handy-Konsum nachts aus?
30 %
12 %
33 %
2 %
23 %
Insgesamt 3862 Teilnehmer

Wie sieht es bei den Schweizer Jugendlichen aus?
Ein Grossteil von ihnen nimmt das Handy mit ins Bett. Ich behandle zunehmend Jugendliche mit Schlafstörungen. Es gibt auch solche, die am Morgen nicht mehr aus dem Bett kommen, den Wecker einfach überhören und dann zu spät zur Schule oder zur Arbeit kommen. Andere sind übermüdet. Wer nachts nur drei, vier Stunden schläft, ist so leistungsfähig wie jemand, der 0,5 Promille Alkohol im Blut hat.

Warum kleben die Jungen denn bis spätabends am Handy?
Sie schauen auf dem Handy Youtube-Filme, chatten stundenlang auf Whatsapp mit Freunden, surfen im Internet und kommunizieren auf Facebook und Instagram. Für viele ist das Handy der wichtigste Teilnehmer ihres Lebens. Der Blick aufs Handy ist normal, wenn sie nachts kurz aufwachen. Es kommt aber vor, das Jugendliche danach beleidigt weiterschlafen.

Beleidigt weiterschlafen?
Ja. Es enttäuscht sie, wenn sie sehen, dass sie keine neue Nachricht erhalten haben. Ich behandle auch Mädchen und Jungen, die einen Wecker stellen, um sich nachts auf dem Laufenden halten zu können. Viele wollen 24 Stunden am Tag erreichbar sein.

Warum tun sich Jugendliche das an?
Sie können sich damit vor ihren Freunden beweisen. Wer am wenigsten schläft und am meisten erreichbar ist, gilt als leistungsfähig und gehört nicht zu den Schwächlingen.

Die Forscher einer neuen Studie empfehlen, Handys aus den Jugendschlafzimmern zu verbannen. Wäre das auch in Ihrem Sinne?
Nein. Das ist realitätsfremd. Das Handy im Schlafzimmer zu verbieten, macht nur bei unter 15-Jährigen Sinn. Für ältere Jugendliche wäre das ein starker Eingriff in die Privatsphäre. Mit dem Handy stehen sie im Kontakt zu ihren Freunden, was im Ablösungsprozess wichtig ist. Das Smartphone ist das Intimste, was sie haben. Es ist schon fast so etwas wie ein Tagebuch.

Was können Jugendliche vor dem Einschlafen auf dem Handy bedenkenlos machen – und was besser nicht?
Um gut schlafen zu können, sollte man sich aktiv auf den Schlaf vorbereiten. Das, was wir kurz vor dem Zubettgehen machen, begleitet uns in den Schlaf. Für einen erholsamen Schlaf eignen sich Entspannungs-Apps oder man kann auch Musik auf dem Handy hören. Nicht empfehlen würde ich, eine halbe Stunde vor dem Schlafen zu chatten, Filmchen zu schauen oder Newsportale zu konsultieren. Diese Aktivitäten kratzen oft auf.

Wo soll man das Handy hinlegen, wenn man sich schlafen legt?
Weit weg vom Bett. Liegt das Handy auf dem Nachttisch, ist es zu verlockend, so dass man wieder darauf schaut. Legt man es weiter weg, hat man sich auch klar zum Schlafen entschieden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • InvisiblePinkUnicorn am 24.03.2016 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alte Zeiten

    Mein kleiner Cousin hat mich neulich gefragt was für ein Handy ich hatte als ich klein war. ...Hab ihm ne Telefonzelle gezeigt.

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  • Stef am 24.03.2016 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem ist nicht...

    ... das Handy neben dem Bett, sondern das gestörte Selbstbild bzw. Selbstvertrauen vieler Jugendlichen. Ich kann mein Handy ohne Probleme auf dem Nachttisch liegen haben.

  • Schnabias am 24.03.2016 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlaf trotz Handy

    Da gibt es so eine Funktion, wenigstens bei meinem Koreaner, die heisst 'Nicht stören'. Da kommt nichts mehr durch, weder Anrufe noch Mitteilungen und ich schlafe durch bis morgen früh.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tatjana. am 24.03.2016 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Irgendwas hält einem immer wach, ob es nun das handy, der gameboy, die schularbeiten oder sonst was ist. Man findet immer was, um nicht zuschlafen. Viele junge mögen nicht früh ins bett gehen oder hassen schlafen allgemein, so wie ich früher. Nichts neues und auch nicht tragisch, ist hald das teenialter, geht wieder vorbei. Und sonst konfesziert man mal für einpaar nächte das handy und dann ists auch wieder für ne weile geregelt.

  • Christian Fitza am 24.03.2016 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Natel im Bett

    Das Natel hat im Bett nichts zu suchen ....es reicht schon das die Leute untereinander nicht mehr richtig kommunizieren....alles nur noch Facebook.SMS.whatsapp und co....

  • Terpentin1291 am 24.03.2016 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    90ger kind

    Früher wars der Gameboy, heute das Handy. Wiedermal viel Wind um nichts.

  • PDvO am 24.03.2016 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geistige Inkontinenz

    Wer sich das antut ist wirklich seiner Schuld. Nachts ist mein Smartphone auf dem Pult. Nur meine engsten Verwandte und Freunde können mich zwischen 22:00 und 05:00 Uhr erreichen. Die anderen sind stumm geschaltet, ink. Chef. Ich mute mir die Ausscheidungen meiner Freunde nachts nicht zu.

  • J.G. am 24.03.2016 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch mitm Handy auf dem Bett

    Bin bei der Feuerwehr und habe deswegen das Handy im Bett (und weils auch mein Schlafphasenwecker ist). Wenn 'nicht stören' um 22 Uhr automatisch einschaltet kriege ich nichts mehr mit ausser von einigen wenigen Favoriten (Feuerwehralarmnummer, Eltern, Schwester). Wenn ich nachts aufwache schaue ich höchstens aufs Handy um die Zeit zu checken, drehe mich um und zieh meine Verlobte näher.