Maurer provoziert

21. Juni 2012 12:19; Akt: 21.06.2012 13:18 Print

«Wer in die EU will, hat sie nicht alle»

In der Wochenzeitung «Die Zeit» schiesst Ueli Maurer gegen die EU und preist das Erfolgsmodell Schweiz. Zudem jammert er wieder einmal über die Bürde seines Amtes.

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Verteidigungsminister Ueli Maurer sieht die Schweiz bedroht - und gleichzeitig als Zukunftsmodell. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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So undiplomatisch äussert sich selten ein Bundesrat in der Öffentlichkeit: Ueli Maurer nimmt im Gespräch (online nicht verfügbar) mit dem «Zeit»-Journalisten Peer Teuwsen kein Blatt vor den Mund. Der Verteidigungsminister sieht die Schweiz wegen ihres Reichtums bedroht: «Man hat es auf unser Geld abgesehen.» Wer «man» genau ist, wird nicht klar. Dafür kritisiert Maurer, dass die Schweizer zu selbstzufrieden geworden seien – und verlernt hätten, für ihren Reichtum zu kämpfen. Wobei der Verlust des Wohlstands für ihn nicht mal das Schlimmste wäre: «Wohlstand kann man verlieren, aber auch wieder gewinnen. Die Freiheit verliert man nur einmal.»

Diese Freiheit der Schweiz sieht er durch die bundesrätliche Politik einer Anpassung an die EU gefährdet. Das lässt Maurer zwischen den Zeilen durchblicken – und verhehlt auch seinen Frust darüber nicht, dass er mit seiner öffnungskritischen Haltung im Siebnergremium dauernd unterliegt. Die bilateralen Verträge störten ihn dort, wo sie in die Autonomie eingriffen, sagt der SVP-Vertreter. Aber in der Schweizer Demokratie gebe es Mittel, das Schlimmste zu verhindern: «Und ich hoffe, es gibt auf diesem Weg nach Europa bald wieder einen Volksentscheid.»

Die «beste Volkswirtschaft der Welt»

Dass der Weg niemals in die EU führen darf, ist für Maurer klar: «Heute will ja niemand mehr, der noch alle Tassen im Schrank hat, in die EU.» Das Staatenbündnis habe stark an Glaubwürdigkeit verloren, Europa seinen Höhepunkt überschritten. Der Kontinent sei in einem so schlechten Zustand, weil «man meinte, die Verantwortung nach oben abgeben zu können». Dann sei am Schluss niemand mehr verantwortlich. Diesem Scheitern stellt Maurer das Erfolgsmodell Schweiz gegenüber: Die Mitverantwortung des Volks – das sei die Zukunft. «Wir sind die beste Volkswirtschaft der Welt. Die Leute bewundern unsere Demokratie, wir sind ein Land mit vielen Tugenden.»

Im Interview, das nur in der Schweizer Ausgabe der «Zeit» erschienen ist, spricht Maurer auch offen über sein Amt. Ähnlich wie Christoph Blocher zu dessen Bundesratszeiten gibt er den Leidenden, der sich für das Wohl der Allgemeinheit und den Erhalt der Freiheit opfert: «Bundesrat zu sein ist mehr Bürde als Würde.» Auch wenn er das Amt als solches gerne mache, ersticke er fast an gewissen Fomalitäten. Viel lieber würde er am Stammtisch politisieren, als stundenlang an steifen Apéros in Fünfsterne-Hotels herumzustehen. «Das ist eine Einschränkung meiner persönlichen Freiheit.»

(hhs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mathias am 21.06.2012 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    @Gspunne: Die Sache mit den Steuern in D

    Wenn der Deutsche sagt, er liefere 43% seines Einkommens an den Staat ab, dann muss man als Schweizer berücksichtigen, dass nach der deutschen Lesart alle Arten Zwangsabgaben wie Krankenversicherungsprämien, Rundfunkgebühren, Infrastruktur wie Strom, Wasser etc. miteingezählt sind. In der Schweiz wird das ja alles ausgeklammert, und zwar aus gutem Grund: Würde man diese versteckten Steuern mitzählen, wäre die Schweiz im internationalen Vergleich zumindest für Normalverdiener und Mittelstand eine reine Steuerhölle.

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  • Pfadi am 22.06.2012 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wo er recht hat hat er recht

    Eigentlich ist es doch so. Welche Vorteile hat die Schweiz wenn sie in der EU ist? Vielleicht 2-3 Vorteile von 100 Nachteilen. Wer das möchte, der möchte die Schweiz zerstören. Das kann ja nicht "normal" sein.

  • Lora Leman am 21.06.2012 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Magere Leistung

    Was hat denn BR Maurer schon geleistet ???

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Die neusten Leser-Kommentare

  • CaMau am 22.06.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    EU Nein Danke!

    Er hat Recht! Jeder sieht in was für einem Schlamassel die EU ist und dennoch gibt es solche die dem Verein beitreten wollen?? Die Schweiz würde gemolken werden wie eine Wollmilchsau und bald ginge es uns sehr schlecht und unsere direkte Demokratie wäre im Eimer, weil wir uns von Brüssel vorschreiben lassen müssen was wir zu tun hätten, nicht nur im grossen, auch im kleinen! Die Schweiz gehört NICHT in die EU wer das noch nicht kapiert hat hat sie wirklich nicht mehr alle!

  • hangsh mut am 22.06.2012 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was???

    wo ist dragovic wenn man ihn braucht??

  • Pfadi am 22.06.2012 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wo er recht hat hat er recht

    Eigentlich ist es doch so. Welche Vorteile hat die Schweiz wenn sie in der EU ist? Vielleicht 2-3 Vorteile von 100 Nachteilen. Wer das möchte, der möchte die Schweiz zerstören. Das kann ja nicht "normal" sein.

  • Bruder am 21.06.2012 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    EU -->> NEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEIN!!!

    Da wandere ich vorher noch aus als Teil dieser EU Diktatur zu sein. Wir sind das freieste Volk in Europa. In dre EU darf niemand abstimmen oder wählen. Was gewählt wird hat soviel Gewicht wie eine Fliegenschiss gegen einen A380. Ich bin Schweizer und für die Schweiz. Alles andere sind... ihr wisst was ich meine.

  • egal am 21.06.2012 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker

    Die Menschen mögen es zwar wenn mal was "abgeht" und mögen auch direkte Politiker aber mit dieser Aussage vertritt er ein ganzes Land..