Schleichwerbung?

24. Juni 2019 22:10; Akt: 25.06.2019 09:26 Print

«Busse für Influencer hätte Signalwirkung»

Konsumentenschützer bezichtigen Roger Federer oder Xenia Tchoumi der Schleichwerbung. Ein Experte erklärt die Regeln und warum es einen «Warnschuss» braucht.

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@zekisworld / @swissmeme «Ich kennzeichne meine Werbeposts, aber natürlich kann es manchmal passieren, dass marken ersichtlich sind, mit denen ich keine Kooperationen habe.» Strengere Gesetze seien ihm eigentlich egal, da er persönlich soweit alles klar deklariere, sagt Zeki. @andreamonicahug «Ich markiere grundsätzlich alle gesponserten Posts, also Posts, für die ich finanziell entschädigt wurde, mit der Kennzeichnung WERBUNG oder markiere den Geschäftspartner wann immer möglich im Content Tool von Instagram. «Ich gehe sehr bewusst und ehrlich mit bezahlten Beiträgen um, da ich nichts zu verbergen habe», sagt Hug. Transparenz fördere die Glaubwürdigkeit, und die stehe bei ihr ganz weit oben. Losgetreten haben die Debatte um die Kennzeichnung Promis wie Xenia Tchoumi. Oder Roger Federer. Die Stiftung Konsumentenschutz wirft Ihnen vor, auf Social Media Schleichwerbung zu betreiben. @janoschnietlispach «Ich kennzeichne Werbeposts immer, indem ich #ad dazu schreibe oder die Marken tagge. Ich glaube auch, dass die Follower mittlerweile sehr gut verstehen, wenn ein Post Werbung ist.» «So wie es in Deutschland gehandhabt wird, find ich es übertrieben», sagt Nietlispach. Da müsse ja sogar jede Markierung eines Freundes als Werbung deklariert werden. «Wenn das bei uns so eingeführt würde, wäre mir das zu viel. Dann müsste ich mir überlegen, ob ich das weitermachen will.» @anjazeidler «Beim Thema Werbedeklaration ist uns unser Nachbarland Deutschland deutlich voraus. Ich kennzeichne alle meine Kooperationen und bin transparent. Meine Community soll wissen, mit welchen Firmen ich zusammenarbeite.» «Jedoch finde ich zu penible Kennzeichnungen, wie zum Beispiel die Kennzeichnung eines selbst gekauften Produktes, überflüssig. Auch dies muss in Deutschland tatsächlich als Werbung gekennzeichnet werden.» «Ich wünsche mir in der Schweiz eine klare Regelung, hoffe jedoch auf eine nicht so penible wie Deutschland sie hat. Und: Ein Brand Ambassador wie Roger Federer macht sicher nicht bewusst Schleichwerbung!»

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Herr Koss, die Lauterkeitskommission untersucht mögliche Schleichwerbung von Schweizer Influencern, darunter Roger Federer oder Xenia Tchoumi. Welche Regeln gelten dazu überhaupt in der Schweiz?
Es gibt das Transparenzgebot in der Werbung. Es handelt sich jedoch um eine Abmachung der Branche, Gerichtsurteile gibt es kaum. Jene Influencer, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, kennzeichnen aber jeden Post. Auch wir als Agentur schalten nur Werbung, die als solche gekennzeichnet ist, etwa direkt in einem YouTube Video oder auf Instagram mit dem Hashtag #werbung und der Verlinkung des Kunden. Zudem schreiben auch die Plattformen vor, dass Werbung zwingend gekennzeichnet werden muss.

Aber offenbar ist diese Branchen-Abmachung der Branche bei Roger Feder nicht angekommen.
Tatsächlich wissen grosse Promis wie Federer hier oft nicht Bescheid. Social Media gehört nicht zu ihrem Kerngeschäft. Oft ist der Umgang mit Social Media im Werbevertrag nicht explizit geregelt. Da braucht es möglicherweise mal eine Abmahnung als Warnschuss. Eine Busse von ein paar Tausend Franken hätte sicher eine Signalwirkung.

In Deutschland kam es zu einer Abmahnungswelle gegen Influencer, die Schleichwerbung betrieben hatten. Darauf kam die Pflicht, alle Werbeinhalte zu kennzeichnen. Was hatte das für Auswirkungen auf die Branche?

Das war extrem kontraproduktiv. Dahinter stand die TV-Industrie, die ihr Werbegeschäft in Gefahr sah. Die Influencer reagierten, indem sie die Pflicht auf die Spitze trieben und aus Angst jeden Post vorsorglich mit allen möglichen Hinweisen versahen. Die Follower konnten so nicht mehr unterscheiden, was nun Werbung war und was nicht. Auch private Nutzer machten das System lächerlich, indem sie jedes Familienbild, auf dem eine Colaflasche prominent vorkam, als Werbung verlinkten.

Es ist aber offensichtlich, dass es Regeln, die durchgesetzt werden können, braucht.
Absolut. Das ist wichtig für die Glaubwürdigkeit des ganzen Geschäfts. Die Regeln sollten aber nur für jene gelten, die kommerzielle Werbedeals haben. Es werden ja auch nicht alle Produkte, die in einer TV-Serie zufällig vorkommen, im Abspann explizit als Werbung gekennzeichnet.

Wie ist es überhaupt möglich, die Einhaltung von Werbekennzeichnung zu kontrollieren?
Es ist kein grosser Aufwand. Plattformen wie Facebook oder Instagram stellen Tools bereit, um Werbekunden in den Posts klar zu kennzeichnen. Wir als Agentur prüfen jeden Beitrag unserer Influencer manuell. Da wir aber nur Kampagnen im «Makro»-Bereich, also mit wenigen, dafür einflussreichen Influencern machen, ist die Kontrolle nicht sehr aufwändig.

*Daniel Koss ist Geschäftsführer der Influencer-Agentur Yxterix.

Wie Schweizer Influencer Ihre Werbe-Beiträge kennzeichnen, sehen Sie in der Bildstrecke.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Schnitzler am 24.06.2019 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört doch auf,

    Irgendwann ist einfach gut. Ich kauf es nicht mehr oder weniger, wenn es als Werbung deklariert ist oder nicht. Diese "Schützer" werden alle von unserem Steuergeld finanziert. Einfach eine unnötige Ausgabe, das Geld kann besser eingesetzt werden.

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  • Der Sonnenkönig am 24.06.2019 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Influencer/Schleichwerbung

    Hat die Schweiz wirklich keine anderen Probleme???

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  • Lukas T am 24.06.2019 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsumentenschutz a gogo

    Wir sind ja nicht doof und merken schon was Werbung ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der SeheR am 25.06.2019 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der grösste RF Fan damals

    Ich war auch mal ein grosser Fedi Fan. Über 10 Jahre lang. Aber solche Habgier kann man ab einem IQ von über 50 nicht mehr unterstützen. Späte Einsicht, zugegeben...

    • Schweizer am 25.06.2019 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der SeheR

      Nicht so kleinlich bitte, jeder will Geld verdienen.

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  • Jangdebang am 25.06.2019 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei Federer verwundert nichts mehr.

    Dass es jetzt sogar Federli National nötig hat, mittels Influencing Schleichwerbung zu betreiben, verwundert kaum jemanden mehr. Seine Geld- und Raffgier sind sprichwörtlich und kaum mehr zu überbieten. Und das soll ein Idol sein und von einem Vorbild ganz zu schweigen.

    • Burgin Thomas am 25.06.2019 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jangdebang

      Genau meine Meinung! Fedi darf aber alles, so sind wir alle gleich...

    • Koch am 25.06.2019 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jangdebang

      Ach, mein Lieber. In der restlichen Welt ist Federer ein Vorbild, ein Idol, ein Star. Und er hat viele Fans. Das ist für euch kleine Hater hier nur schwer zu ertragen. Ich amüsiere mich....

    • Patrick am 25.06.2019 23:50 Report Diesen Beitrag melden

      Federer spielt Tennis, gut Tennis

      Federer ist Experte für Tennis und Tennismaterial. Wieso er auch was von Kaffeemaschinen oder Telefonie verstehen soll ist mir ein Rätsel. Ich denke jede Krankenschwester mit Nachtschicht versteht mehr vom Kaffee, jeder Aussendienstmitarbeiter mehr von Telefonie als er. Ist also so oder so nicht glaubwürdig, für ein paar Dollar würde der sogar einen Trabi als Rennwagen anpreisen.

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  • Reto am 25.06.2019 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pics fürs Schlafzimmer

    Ich liebe solche Federli Titelbilder.

  • August Keller am 25.06.2019 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Populisten

    Die Konsumentenschützer hätten besseres zu tun. z. B. Alle die Lügen in der Werbung.

  • Urs Y. am 25.06.2019 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer eine neue Gängelung

    Toll, wieder ein neues Gesetz kreieren, wie wäre es, zuerst mal die richtig durchzusetzen, welche schon vorhanden sind. Aber lieber den Beamtenstab weiter aufblähen, es könnte ja etwas für einem selbst abfallen.