Wegen Klimawandel

21. November 2013 08:55; Akt: 21.11.2013 11:33 Print

«Wetter wird extremer» – «Das ist Spekulation»

von Hannes von Wyl - Für Umweltnaturwissenschaftler Alexander Hauri führt der Klimawandel zu mehr Katastrophen wie jetzt auf den Philippinen. Klima-Skeptiker Benny Peiser sieht dafür keinen Beweis.

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Vor wenigen Tagen sorgte der Taifun Hayan auf den Philippinen für grosse Zerstörung und kostete Tausende Menschenleben. Momentan wird Sardinien von einem schweren Unwetter mit starken Regenfällen heimgesucht. Ist der Klimawandel für solche Wetterextreme verantwortlich?
Hauri: Der Klimawandel kann nicht für einzelne extreme Wetterereignisse verantwortlich gemacht werden. Es besteht aber eindeutig ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit solcher Katastrophen und dem Klimawandel.
Peiser: Das ist nicht wahr. Wenn es diesen Zusammenhang gäbe, dann hätte die Häufigkeit von extremen Wetterereignissen in den letzten hundert Jahren zunehmen müssen, da die globale Durchschnittstemperatur ja angestiegen ist.

Umfrage
Werden Wetterextreme durch die Klimaerwärmung zunehmen?
46 %
20 %
34 %
Insgesamt 2419 Teilnehmer

Die Anzahl von Dürren, Überschwemmungen und starken Stürmen hat also nicht zugenommen?
Peiser: Nein. Im kürzlich veröffentlichten Bericht des Weltklimarats wurde kein Anstieg von extremen Wetterereignissen in den letzten hundert Jahren festgestellt.
Hauri: Die Kosten, die durch Naturkatastrophen verursacht wurden, haben sich seit 1980 auf 200 Milliarden Dollar jährlich vervierfacht, wie ein am letzten Montag von der Weltbank veröffentlichter Bericht zeigt. Das ist ein klarer Indikator für eine Zunahme.
Peiser: Das stimmt so nicht. Derselbe Bericht sagt klar, dass der Kostenanstieg auf das Bevölkerungswachstum und den zunehmenden materiellen Wohlstand zurückzuführen ist.

Dann müssen wir in Zukunft auch nicht mit mehr extremen Wetterereignissen rechnen?
Peiser: Die meisten Modelle gehen davon aus, dass sich extreme Wetterereignisse häufen können, wenn die globale Erwärmung weiter voranschreitet. Das ist aber Spekulation.
Hauri: Das sind nicht Spekulationen, sondern die Aussage wissenschaftlicher Modelle, die von einem weltweiten Gremium von führenden Klimaforschern entwickelt wurde. Der erhöhte Anteil von Treibhausgasen führt zu weiterer Erwärmung der Atmosphäre und der Meere. Diese Zunahme an Wärmeenergie in unserem Ökosystem führt zu den Ausprägungen des Klimawandels wie Meeresspiegelanstieg, schmelzende Eisschilder, Dürren und Überschwemmungen.
Peiser: Diese Position wird von vielen Wissenschaftlern vertreten. Bisherige Daten lassen aber den Schluss nicht zu, dass aufgrund einer Erwärmung – wenn sie denn stattfindet – automatisch häufiger extreme Wetterereignisse auftreten. Das Klimasystem ist unglaublich komplex und entwickelt sich chaotisch, was Voraussagen notwendigerweise ungenau macht.

Ist es denn überhaupt möglich, rechtzeitig vor Wetterkatastrophen zu warnen?
Peiser: Die Anzahl der Todesopfer bei Naturkatastrophen hat in den letzten 100 Jahren um 90 Prozent abgenommen, weil die Bevölkerung aufgrund präziser und leistungsfähiger Frühwarnsysteme immer häufiger rechtzeitig evakuiert werden kann.
Hauri: Um auch ärmeren Ländern präzise Frühwarnsysteme zu ermöglichen, sind aber Gelder notwendig. Leider fehlt aber bisher die Bereitschaft, den Klimafonds mit genügend finanziellen Mitteln auszustatten.

Im Moment findet in Warschau die 19. UN-Klimakonferenz statt. Entwicklungsländer wie China und Brasilien wollen ihren historischen CO2-Ausstoss den Industrieländern anlasten, die Verhandlungen stocken. Bleibt es auch dieses Mal bei unverbindlichen Absichtserklärungen?
Hauri: 194 Länder auf ein globales Klimaregime einzuschwören, ist ein extrem schwieriges Unterfangen. Das ist die schwierigste Aufgabe, der die Menschheit in den letzten zwei Jahrzehnten gegenüberstand, und sie ist dringend.
Peiser: Ich bin überzeugt, dass die Chancen auf eine verbindliche Erklärung gleich null sind. Das hat in den letzten Jahren nicht geklappt und wird auch in Zukunft nicht möglich sein.
Die Annahme, dass durch einen geringeren CO2-Ausstoss Naturkatastrophen verschwinden werden, ist ohnehin eine naive Illusion. Die Menschheit muss weiterhin mit extremen Wetterereignissen rechnen. Die Internationale Gemeinschaft sollte sich überlegen, ob die Investitionen in erneuerbare Energien nicht lieber in die Adaption an Naturkatastrophen stecken würden.
Hauri: Es ist falsch und unmoralisch, im Bereich der Massnahmen eine Entweder-oder-Diskussion zu führen. Die Reduktion des Treibhausgasausstosses und die Adaption an veränderte Klimabedingungen schliessen sich nicht aus, im Gegenteil. Der Klimawandel kostet je länger je mehr Menschenleben und Geld. Ein Abwarten kann sich die Menschheit daher nicht leisten. Die Internationale Gemeinschaft muss sofort handeln.

Auch das Wetter in der Schweiz spielte in den letzten Jahren verrückt. Im Hitzesommer 2003 wurden erstmals seit Messbeginn Temperaturen über 40 Grad gemessen, der Februar 2012 brachte eine extreme Kälteperiode mit Temperaturen von Minus 20 Grad im Mittelland. Muss auch die Schweiz vermehrt mit Wetterextremen rechnen?
Hauri: Ich bin überzeugt, dass der Klimawandel auch in der Schweiz Auswirkungen haben wird. Sichtbarstes Beispiel sind die schmelzenden Gletscher in den Alpen. Das bestätigt auch eine kürzlich veröffentlichte ETH-Studie. Demnach ist 2080 die Wahrscheinlichkeit gross, dass jeder zweite Sommer in der Schweiz dem Hitzesommer 2003 gleicht, der europaweit ungefähr 70'000 Menschenleben gefordert hat.
Peiser: Ich kenne die klimatischen Bedingungen in der Schweiz nicht sehr gut. Vor zehn Jahren wurden in Grossbritannien aber trockenere Sommer und niederschlagsreichere Winter prognostiziert. Bisher ist jedoch das Gegenteil eingetroffen.

Das Streitgespräch wurde schriftlich geführt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jessica Sánchez am 21.11.2013 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wiedersprüchliche Klimalügner

    Der Präsident der Maledieven behauptet dass die Inseln bald durch den ansteigenden Meeresspiegel verschwinden werden. Gleichzeitig lässt er aber neue Hotels erbauen?! Al-Gore, der Klimawandel-Guru, behauptet ebenfalls dass der Meeresspiegel ansteigen wird. Auch er lässt sich gleichzeitig seine Villa direkt an der Meeresküste erbauen! Das ist wiedersprüchlich! Die glauben nicht mal selbst daran, es geht blos darum noch mehr Geld durch Klima Steuern zu generieren, ganz einfach!

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  • Bruno S. am 21.11.2013 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    IPPC Bericht

    Die IPPC musste neulich erst in ihrem Bericht zugeben, das Klima hat sich weltweit seit 20 Jahren praktisch nicht erwärmt, ihre Computermodelle sind völlig falsch und ihre Vorhersagen auch. Der Bericht korrigiert die totale Fehleinschätzung der Vergangenheit und sagt, das Klima erwärmt sich seit 1951 nur um 0,12 Grad pro Jahrzehnt, eine Rate die weit unter den niedrigsten Computer-Vorhersagen liegt.

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  • Natur am 21.11.2013 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange ist die letzte Eiszeit her?

    Seit der letzten Eiszeit erwärmt sich die Erde. Das muss man nicht einmal mit Messgeräten belegen. Doch wo ist das Problem? Früher störte sich niemand daran, denn wer möchte auf einer Eisscholle leben? Wie sich die Natur verändert erleben wir Tag für Tag. Die Natur weiss jedoch ganz genau was sie macht. Im Gegensatz zu unseren Wissenschaftler. Wer sagt das wir nicht vor einer neuen Eiszeit stehen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Läublin am 22.11.2013 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende wissenschaftliche Grundbildung

    Diese Ansammlung unwissenschaftlichen Gedankengutes finde ich wirklich besorgniserregend. Oder liegt das bloss daran, dass die, aus Mangel eines besseren Wortes, Leugner hier einfach mehr engagieren? Als Person mit wissenschaftlicher Bildung, die sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat, ist es für mich offensichtlich, dass sich die "Leugner" mit der Thematik nicht richtig auskennen und dass sie nicht einmal korrektes Grundwissen zum Thema besitzen. Es ist offensichtlich, dass sie die wissenschaftlichen Erklärungen nicht einmal kennen und trotzdem entscheiden sie zu bestreiten.

  • Cristobal am 22.11.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit

    Ich hab die ganze Diskussion hier intensiv verfolgt, und bin geschockt wie wenig die Leute wissen... schaut mal "und " an. Ist extra NICHT vom IPCC, da viele an deren Daten zweifeln. Man sieht klar den Trend und den Zusammenhang mit dem CO2-pegel, auch wie in den letzten ca. 15 Jahren die Temperatur stagnierte. Die Wissenschaft weiss nicht sicher was daraus die Folgen sein werden. Aber dass sie ungemütlich werden, ist sicher

  • Janine Wyss am 22.11.2013 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    jeder Sturm wird heutzutage kommuniziert

    ja ja, und wenn ich Furze fliegt wegen mir ein Schmetterling in China gegen einen Baum.

  • Stefan C am 22.11.2013 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klare Daten und Fakten

    Alles was man zu dieser Diskussion wissen muss steht auf Wikipedia im Artikel "Kontroverse um die globale Erwärmung" Wer ist IPCC? Wer sind die 97% Wissenschaftler, die den menschgemachten Klimawandel für unbestritten halten? Wer die 3% Skeptiker? Wie viel Geld investieren die Öl und Kohlemultis um in solchen Diskussionen Verwirrung und Falschinformation zu verbreiten? Also bitte erst informieren und dann schreiben

  • Peter Gestin am 22.11.2013 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit

    das problem ist nicht der klimawandel, sondern die geschwindigkeit in der dies passiert. es gab immer wechsel zw eiszeit und hitzezeit jedoch passiert das heute innerhalb 100 jahren, früher innerhalb 10 000 !! dies ist auf die veränderung der luft zurückzuführen (mehr co2, o3, fluorkohlenwasserstoffe, methan etc.)... zu jetzigem stand stieg die jahresmitteltemperatur um ca. 1-2°C an in den letzten 100 jahren, ihr denkt vielleicht das ist wenig, doch bei der letzten Eiszeit war der wert nur 4 grad weniger als normal... -> d.h wir steuern auf hitzeperiode zu und das sehr schnell