BDP-Präsident

10. August 2015 11:38; Akt: 20.08.2015 10:11 Print

«Widmer-Schlumpf ist voller Tatendrang»

Laut BDP-Chef Martin Landolt kann die CVP gar nicht anders, als Eveline Widmer-Schlumpf noch einmal zu wählen. Ob diese noch einmal antritt, weiss er aber nicht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Landolt, CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi sägt am Stuhl von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Er bezeichnet die Abwahl Blochers als Fehler – und fordert zwei Bundesratssitze für die SVP (siehe Box). Sind Sie überrascht?
Martin Landolt: Offenbar ist ihm die Hitzephase so schlecht bekommen, dass er sein Amt als Fraktionschef vergessen hat. Denn mit diesen Aussagen schadet er vor allem seiner eigenen Partei. Immerhin war es die CVP, die Eveline Widmer-Schlumpf 2007 zur Wahl verhalf und sie vier Jahre später im Amt bestätigte. Lombardi wollte mit seiner Einzelaktion wohl beim Tessiner Wahlvolk punkten.

Laut der «Schweiz am Sonntag» will gut ein Drittel der CVP-Fraktion Widmer-Schlumpf im Dezember nicht mehr wählen.
Ich habe keinerlei Indizien, dass sich die Stimmung grundlegend geändert haben soll. Dass es eine kleinere Gruppe gibt, die gegen unsere Bundesrätin opponiert, ist nicht neu. Dafür wird sie von einer Minderheit aus der FDP unterstützt. Vergessen wir nicht: Müsste die CVP die Verantwortung für eine Abwahl Widmer-Schlumpfs übernehmen, würde sie das lange verfolgen. Selbst wenn man kein Fan von ihr ist, bräuchte man zunächst einen Gegenkandidaten, der ähnlich grosse Qualitäten hat – und ihre Fähigkeiten bestreitet nicht einmal die SVP. Ausserdem wären Projekte der Mitte wie die Energiewende, übrigens ein Dossier von CVP-Bundesrätin Leuthard, akut gefährdet.

Die Mitte zerfleischt sich selbst, statt vereint gegen links und rechts ins Feld zu ziehen. Ist das eine Folge der gescheiterten Union von BDP und CVP?
Dass eine gewisse Enttäuschung bei der CVP vorhanden ist, kann ich nachvollziehen. Unsere Basis hat sich aber gegen eine vertiefte Zusammenarbeit ausgesprochen. Trotzdem sollte die Mitte die gemeinsamen politischen Ziele nicht aus den Augen verlieren. Die zahlreichen Listenverbindungen, die sich in den Kantonen abzeichnen, zeigen, dass man sich immer noch nahe steht.

Lombardi sagt, die Blocher-Abwahl habe zu einer politischen Krise geführt. Teilen Sie seine Meinung?
Es stimmt, das politische Klima ist vergiftet. Bundesräte werden als «Landesverräter» bezeichnet oder es wird im Asylbereich zu aktivem Widerstand aufgerufen. Dies auf die Abwahl Blochers vor acht Jahren zurückzuführen, greift aber zu kurz. Die SVP ist immer noch eine Regierungspartei. Dass sie anders auftreten würde, hätte es die Abwahl vor bald acht Jahren nicht gegeben, lässt sich nicht sagen.

Die SVP bringt in der «SonntagsZeitung» schon einmal ihren Fraktionschef Adrian Amstutz als Asylminister ins Spiel.
Das sind Schattengefechte im Sommerloch. Die SVP weiss genau, dass man Bundesräte wählt und nicht Departementsvorsteher. Abgesehen davon hat Adrian Amstutz x-fach betont, dass er nicht Bundesrat werden will. Und ein dritter Berner im Bundesrat wäre dann doch einer zu viel.

Wäre Amstutz für Sie denn grundsätzlich wählbar?
Die Frage stellt sich nicht, da meine Stimme für Eveline Widmer-Schlumpf reserviert ist.

Sie tritt also wieder an?
Das weiss ich noch nicht, und ich frage auch nicht jede Woche bei ihr nach, wie der Stand ist. Ich glaube nicht, dass sie selbst schon einen Entscheid gefällt hat. Dass unsere Bundesrätin zuerst die Wahlen abwarten will, ein Signal des Volkes, dass man sie weiterarbeiten sehen möchte, ist legitim. Ich bin zuversichtlich, dass sie auch im neuen Parlament die Mehrheiten bekommen wird, die sie für eine Wahl braucht. Und sie ist weiterhin voller Tatendrang.

Frau Widmer-Schlumpf ist aber kaum in den Wahlkampf eingebunden. Dies deutet auf einen Rücktritt Ihres Zugpferds hin.
Keineswegs. Das war ein bewusster Entscheid. Weder wir noch sie wollten einen Personenkult. Wir möchten nicht nur als Widmer-Schlumpf-Fanclub wahrgenommen werden, sondern im Wahlkampf auf Themen setzen.

Also doch schon eine Vorbereitung auf die Ära nach Widmer-Schlumpf?
Irgendwann kommt der Tag, an dem sie zurücktreten wird – und mit der BDP wird es trotzdem weitergehen. Weil wir mehr sind als die Widmer-Schlumpf-Partei. Aber selbstverständlich sind wir das auch. Und wir sind extrem stolz auf unsere Bundesrätin.

(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.D. am 10.08.2015 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die BDP...

    soll sich damit abfinden, dass sie keinen Anspruch hat und diesen auch nicht legitimieren kann. 5% der Bevölkerung sollen gleich grossen Einfluss haben wie 26%? Da geht die Rechnung nicht auf.

    einklappen einklappen
  • Peter Franz am 10.08.2015 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Realitätsfremd

    Ich kenne Martin Landolt schon seit einigen Jahren, aber so realitätsfremd habe ich ihn selten gesehen. Bei ca. 5 Prozent von einer Basis zu sprechen, ist doch sehr zweckoptimistisch, das würde ich eher Sandhaufen nennen.

  • Politologe Robert am 10.08.2015 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Widmer-Schlumpf muss raus!

    Widmer-Schlumpf muss unbedingt abgewählt werden. Sie ist nicht nur im Fach zu wenig auf dee Höhe, nein, ebenfalls ist sie keine Persönlichkeit. Das zeigt das Annehmen der Wahl von 2007...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • hajos am 11.08.2015 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lassen wir es doch wie es ist

    Tatsache ist, Frau ES wurde als SVP Mitglied gewählt, aber nicht überall wo SVP drauf steht scheint SVP drinn zu sein, so jedenfalls die Auslegung der SVP Parteispitze. Wenn es zwingend ist, den Kandidaten zu wählen der von der Partei vorgeschlagen wird, könen wir die Wahlen vergessen und wechseln auf ein Delegiertensystem, dabei möchte die SVP die Wahl des BR durch das Volk. Ob da allerdings zwei SVPler das Rennen machen würden bei 27% Wähleranteil ist zu bezweifeln, hoffentlich erhalten sie den zweiten Sitz mit dem traditionellen System.

  • H.B. am 11.08.2015 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Spiel

    Gerne spielt man mit Parteistärken-% en. Wichtiger scheint mir, das intelligente und integre Personen in die oberste Regierung unseres Landes gehören. Aber eben, das spielt den Lobbyisten keine Rolle.

    • Paul Meier am 11.08.2015 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      Spielregeln

      Dann ändern Sie unser Regierungssystem. Das basiert nämlich auf den 4 wählerstärksten Parteien. Was ist bei der Neubesetzung eines Bundesratssitzes 1. Kriterium? Richtig, die Parteizugehörigkeit. Versuchen Sie mal einen abtretenden SP Bundesrat mit einem FDPler zu ersetzen nur weil der intelligent oder integer ist.

    • Dr. Unwichtig am 11.08.2015 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Paul Meier

      Ihre Aussage könnte falscher gar nicht sein. Das System sieht vor, dass jeder Stimmberechtigte der Schweiz von der vereinigten Bundesversammlung zum BR gewählt werden kann. Nicht einmal eine offizielle Kandidatur ist nötig. Die sogenannte "Zauberformel" basierte auf einer Absprache unter den Parteien und ist in keiner Weise systemgetrieben. Jeder aus Politkreisen, der in diesem Zusamnenhang von einem wie-auch-immer gearteten "demokratischen Anspruch" faselt, betreibt Augenwischerei in Reinkultur...

    • Paul Meier am 11.08.2015 13:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. Unwichtig

      In der Theorie haben Sie recht. Sie wissen aber haargenau dass ein wilder Kandidat ohne Parteiunterstützung nicht die geringste Chance hat gewählt zu werden. Ich kenne das Beispiel von Peter Nägeli der vor Jahren gegen Leuenberger sang und klanglos untergegangen ist. Und wenn man die von Ihnen erwähnte Absprache für die SVP aushebelt sich aber bei den anderen Parteien darauf beruft finde ich das ein äusserst gefährliches Spiel.

    • Dr. Unwichtig am 11.08.2015 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Paul Meier

      Wo genau wurde eine Absprache mit der SVP "ausgehebelt"? Ein SVPler wurde durch eine SVPlerin ersetzt. Wenn schon, fand der "Sündenfall" in der Folgewahl statt. Gleichzeitig war dies wohl die erste Wahl seit Generationen, bei der tatsächlich die Person und nicht die Parteizugehörigkeit im Vordergrund stand. Also eine Wahl ganz im Sinne der ursprünglichen Systemvorgabe.

    einklappen einklappen
  • Heinrich am 11.08.2015 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre zu begrüssen

    Ich würde es sehr begrüssen, wenn EWS möglichst bald von der Bildfläche verschwinden würde. Stören würde mich dabei höchstens die von mir auch zu finanzierende üppige Rente, aber diese wird ja auch nicht auf ewige Zeiten ausbezahlt.

    • Heinz am 11.08.2015 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      Es wäre absolut schade, wenn...

      @Heinrich,einem SVP- Nachfolger wünsche ich ohnehin viel Erfolg. Er darf das aufräumen was seine Partei angerichtet hat. Er muss das schaffen, sonst zählt er wieder nur als "Halber". Plauderi gab es aber schon immer.

    einklappen einklappen
  • Bürger am 11.08.2015 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Evelyne

    Die beste Bundesrätin, die wir je hatten. Ein richtiger Charakter-Bündner- Gring :) Sie kroch nicht vor Blocher im Staub wie viele Schweizer es tun.

    • Theo Weber am 11.08.2015 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      Hast Recht

      Das finde ich auch. Wenn es für die SVP-Firmenbosse von Vorteil ist, machen die "Patrioten" auch vor dem vielgeschmähten Ausland zu gerne den Bückling.

    • Wilhelm Staub am 11.08.2015 12:16 Report Diesen Beitrag melden

      Aber so!

      Wenn dieser Datendrang auch einmal für die Schweizer wäre hätte ich nichts dagegen!

    • René Spring am 11.08.2015 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Goht's no?

      Falsch, die beste Bundesrätin war Elisabet Kopp, und das mit Abstand! Auch mit ihrer Bündnerbrille können sie sie nicht besser machen als sie ist. Eine Portion Falschheit, und das Vertrauen ist weg!

    • Paul Meier am 11.08.2015 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Es reicht Evelyne

      Aber sie kriecht vor den Amis und der EU und erfüllt ihnen jeden Wunsch im Voraus. Den Charaktergring hat sie nur vor 8 Jahren verwendet um mit ihrem Bündner Kumpan Andrea Hämmerli die hinterhältigste BR-Wahl aller Zeiten zu inszenieren. Alles im TV dokumentiert - von SRF notabene.

    • Nemo am 31.08.2015 22:23 Report Diesen Beitrag melden

      Ja Paul Meier

      Eigentlich ist sie ein eins zu eins - Ersatz für Calmi-Rey. Sie knüpfte nahtlos an deren Verhalten an ( nur dass sie nicht so seltsam grinst ).

    einklappen einklappen
  • Jolanda am 11.08.2015 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    ich FRAGE ja nur

    Ich FRAGE ja nur, Warum braucht die SVP einen Sitz oder gar zwei???? könnte es nicht zutreffen, dass die SVP ohne Sitz sich noch mehr stärken kann???? Warum nicht auf den EINEN Sitz verzichten???

    • pro Zauberformel am 11.08.2015 09:28 Report Diesen Beitrag melden

      Gute Frage... wird der SVP wieder

      kein zweiter BR. Sitz zugesprochen,wäre es sicher clever ihren BR. abzuziehen um dann mit Volksinitiativen totale Oppositionspolitik zu betreiben...

    • roger am 11.08.2015 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      Totale Opposition

      hiesse in der Konsequenz...raus aus den Komissionen (und das wollen sie sicher nicht). Und im übrigen hätte die SVP "ihren" 2. Sitz vor 4 Jahren erhalten, wenn sie gegen die FDP angetreten wäre - wollte sie aber nicht.

    • Paul Meier am 11.08.2015 13:15 Report Diesen Beitrag melden

      Unser Regierungssystem

      Weil unsere Regierung aus den 4 wählerstärksten Parteien zusammengesetzt ist. Die dreis grossen bekommen 2 Sitze und die kleine 1 Sitz. So war das bis vor 8 Jahren. Jetzt kann man das System natürlich ändern. Man kann die 7 Intelligentesten, die 7 Reichsten oder sonst ein Kriterium nehmen. Nur muss man das vor den Wahlen bekanntmachen und es muss für alle gelten. Dann soll die Partei die es schafft über Koalitionen die Mehrheit im Parlament zu bekommen die Regierung bilden und die anderen Parteien sind in der Opposition.

    • Jacky M. am 11.08.2015 13:21 Report Diesen Beitrag melden

      @ roger

      Natürlich nicht, die FDP hat ja gemäss ihrer Wählerstärke 2 BR-Sitze - und die SVP hat ja nichts gegen die Konkordanz und Zauberformel.

    einklappen einklappen