Verdacht auf Scheinehe

23. Januar 2018 12:13; Akt: 23.01.2018 12:13 Print

«Wie oft haben Sie Sex? Wann das letzte Mal?»

von Qendresa Llugiqi - Um eine Scheinehe aufzudecken, hat der Staat verschiedene Methoden. Eine davon ist die Befragung der Eheleute. Wie diese abläuft, weiss Reporterin Qendresa Llugiqi aus eigener Erfahrung.

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Den wahren Grund, warum wir befragt worden sind, kennen wir beide bis heute nicht. War unsere Wohnung zu klein für zwei Personen? Lag es daran, dass mein Mann (27) bereits verheiratet war und wir noch während dem Scheidungsprozess zusammenkamen? Hat sich jemand bei der Behörde gemeldet, der uns nicht zusammen sehen wollte oder sonst aus irgendwelchen Gründen unsere Beziehung anzweifelte?

Solche Fragen kamen auf, als die Einladung der Polizei nach unserer Eheschliessung ins Haus flatterte. Schon beim Durchlesen zog sich mein Magen zusammen. Obwohl man weiss, dass man sich aufrichtig liebt, jahrelang befreundet war, bevor man eine Beziehung einging, und zusammen durch gute und schlechte Zeiten gegangen ist, fühlt man sich durch den Unterton des Briefes in eine Ecke gedrängt – zusammen mit wahren Verbrechern.

Etwas Gutes hatte der Brief dennoch: Wir wussten endlich, warum die Aufenthaltsbewilligung meines Mannes nicht so rasch erneuert wurde wie sonst.

Tausend Gedanken

Die Befragung fand kurze Zeit später statt. Eine junge Polizistin führte sie durch. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie uns schon vom Moment der Begrüssung an genau unter die Lupe nahm. Mein Partner wurde als Erster zur Befragung gebeten.

Allein zurückgelassen, dachte ich an all die Dinge, die er und ich zusammen bis dahin erlebt hatten. Augenblicke des grossen Glücks, Momente der tiefen Trauer. Wir haben alles zusammen überstanden. Und obwohl ich wusste, dass unsere Liebe echt ist, hatte ich Angst. Immer wieder ging mir durch den Kopf: «Eine Einzelperson wird über unser Schicksal entscheiden. Was, wenn sie uns nicht richtig einschätzen kann?»

Fragen über Fragen

Dreieinhalb Stunden musste ich mit all meinen Gedanken draussen allein zurechtkommen. Als mein Mann dann endlich heraustrat, wirkte er müde. Als er mich erblickte, strahlte er. Doch irgendwie lenkte die Polizistin, die ihm auf Schritt und Tritt folgte, meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich hatte das Gefühl, dass sie nur zwischen uns stehen blieb, damit wir uns nicht austauschen konnten.

Dann war ich dran. Ich durfte gegenüber der Polizistin Platz nehmen, und während sie etwas auf ihrem Laptop vorbereitete, erklärte sie mir, dass das Migrationsamt des Kanton St. Gallen sie beauftragt habe, uns zu überprüfen. Dafür musste sie mir einige Fragen stellen. Ich mag mich nicht an alle erinnern, aber ich weiss noch, dass es rund 130 Fragen waren (eine Auswahl ist in der Bildstrecke festgehalten) und ich vier Stunden lang mit ihr zusammen sass. Von kleinen Details bis zu höchst intimen Informationen: Ich musste alles mit ihr teilen.

Eine Wildfremde erfährt alles über mich

Einige Fragen hatten es in sich: «Wie oft haben Sie Sex? Wann das letzte Mal?» oder «Wie schlafen Sie / Wie schläft Ihr Ehepartner?» Meine Freunde wissen, dass ich ein ziemlich offener Mensch bin. Mit ihnen spreche ich über alles – auch über Sex. Aber einer Wildfremden solche Details verraten? Ein seltsames Gefühl. Ich fühlte, wie meine Backen heiss wurden. Auch die Frage, wie ich schlafe, liess mich rot werden. Denn ich konnte mir vorstellen, was mein Mann geantwortet hat. Peinlich, peinlich.

Irgendwie überlebte ich die Befragung. Zum Schluss durfte ich mir alle Dokumente noch einmal anschauen und musste sie unterschreiben. Die Beamtin meinte noch: «Viele Fragen hätte ich selbst nicht beantworten können. Ich glaube nicht, dass Sie und Ihr Partner sich Sorgen machen müssen, denn Sie haben ziemlich ähnlich geantwortet.» Als ich rauslief, wollte ich nur noch in die Arme meines Mannes genommen werden und nie wieder eine Menschenseele sehen, so erledigt war ich.

Mein Mann und ich haben nie wieder etwas von der Polizei gehört. Nach dem Gespräch wurde seine Aufenthaltsbewilligung rasch erneuert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simba74 am 23.01.2018 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unschön für die Richtigen

    ...aber leider notwendig wenn ich die Missbräuche sehe.

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  • gunalo am 23.01.2018 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Applaus!

    Und desshalb muss man sich an die Medien wenden? Damit die nächsten dank Ihren Fragen wissen was sie erwartet und sich absprechen können..?

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  • rogerb am 23.01.2018 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn ich die Fragen lese...

    dan führe ich wohl auch eine scheinehe :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank am 23.01.2018 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Altersunterschied

    Wer schreibt vor wie alt man sein darf um zusammen zu leben? Meine Freundin ist 17 Jahre älter als ich, na und? Wir sind seit über 6 Jahren sehr glücklich zusammen!!! Ich bin 46 und sie 63. Kein Problem. Es ist eine Frechheit darüber zu urteilen. Kommt das jetzt ins Gesetzt wie weit das alter unterschiedlich sein darf?

  • Bob am 23.01.2018 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wann? 1945

    schon lange her! Wiso es ist doch erst 2015 Uhr

  • Mina_J am 23.01.2018 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zahnbürste

    Also bei der frage; welche Farbe hat die Zahnbürste.. musste ich gleich mal kurz ins Bad :) darauf achte ich mich halt nicht unbedingt

  • Seconda am 23.01.2018 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Niederlassungsbewillung erst nach 10 Jahren

    Man sollte die Niederlassungsbewillung erst nach 10 statt 5 Ehejahren erhalten dürfen, denn kaum jemand kann sich während 10 Jahren verstellen.

  • Miri am 23.01.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sex für Alle

    Wenn Sex das wichtigste in einer Ehe sein soll??... dann kommt mir einfach die ...hoch. Bravo Bravo...habt Sex und bleibt scheinehelich glücklich