Coronavirus in der Schweiz

28. Februar 2020 07:24; Akt: 28.02.2020 09:46 Print

«Die Veranstalter könnten Geld verlieren»

Das Coronavirus breitet sich in der Schweiz weiter aus. Erste Veranstaltungen wurden gekippt, andere hingegen sollen voraussichtlich planmässig stattfinden.

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Die Ausbreitung des Coronavirus in der Schweiz stellt auch Ticketvermarkter vor Herausforderungen. So erhält Ticketcorner auch Anfragen zu den beiden Eishockeyspielen im Tessin, die ohne Publikum stattfinden werden. «Die Besucher fragen, wie es nun weitergehe. Die Antwort: Die Behörden entscheiden», sagt Sprecher Stefan Epli. «Es gibt aber auch vereinzelte Anfragen von Kunden, die sich danach erkundigen, ob bevorstehende Veranstaltungen gefährdet seien.» Entscheide ein Besucher aus Angst, der Veranstaltung fernzubleiben, riskiere er, keine Rückerstattung zu erhalten. «Die Entscheidung liegt immer im Ermessen des Veranstalters», erklärt Epli.

Veranstalter hätten Events, die über Ticketcorner vertrieben werden, bisher nicht abgesagt. Doch: «Die Entscheidung, ob Veranstaltungen abgesagt werden, liegt in der aktuellen Situation in der Hoheit der Kantone. Ob Kunden nach abgesagten Veranstaltungen ihr Geld zurückbekommen, liegt im Ermessen der Veranstalter.» Ticketcorner führe auf Anweisung des Veranstalters beziehungsweise des Vereins Aktionen wie Geldrücküberweisung oder etwa die Kommunikation durch.

Laut Epli hat Ticketcorner eine interne Taskforce eingesetzt und ist auf allfällige kurzfristige Verschiebungen oder Absagen von Veranstaltungen vorbereitet. Weiter hat das Unternehmen eine Coronavirus-Infopage aufgeschaltet, wo sich Kunden über Verschiebungen und Absagen informieren können.

Kein Anspruch auf Rückerstattung

Auch beim Ticketvermarkter See Tickets (ehemals Starticket) ist das Coronavirus ein Thema. «Wir bereiten uns darauf vor, dass die Behörden Events untersagen, wie zum Beispiel heute den Engadiner Skimarathon. See Tickets hätte dadurch viel Mehrarbeit im Kundendienst und unsere Kunden – die Veranstalter – könnten schlimmstenfalls viel Geld verlieren», sagt CEO Christof Zogg.

«Auch sehr negativ für die Event-Branche wäre, wenn Besucher aus Angst vor Absagen oder Ansteckung weniger Tickets kaufen oder trotz gekauften Tickets zu Hause bleiben.» Wer von sich aus zu Hause bleibe, habe natürlich keinen Anspruch auf Rückerstattung.

«Veranstalter zeigen sich kulant»

Ähnlich sei aber auch, wenn äussere Umstände die Teilnahme verhindern würden, sagt Zogg. «Wir hatten einen Kunden, der nicht an einem Konzert im Tessin teilnehmen konnte, weil er sich in Italien in einem Quarantänegebiet mit Ausgangssperre befand. Auch er hat offiziell keinen Anspruch auf Rückerstattung, weil es sich beim Verhinderungsgrund um höhere Gewalt handelt. Aber natürlich zeigen sich Veranstalter in solchen Härtefällen nach Möglichkeit kulant.»

Würde ein Event hingegen von Veranstalterseite oder Behördenseite abgesagt werden, müssten Kunden schauen, was in den AGBs des Veranstalter bezüglich Rückzahlungen stehe, so Zogg. «In den meisten Fällen ist es so, dass die Veranstalter ein Jahr Zeit haben, um einen Ersatztermin zu finden. Ist dies nicht möglich, müssen sie je nach AGBs keine Rückerstattungen vornehmen.» Einbussen bei den Tickets habe See Tickets bisher keine verzeichnet. Zogg: «Wir hoffen, dass das weiterhin so bleibt. Es ist aber klar, dass wenn die Panik steigt, die Live-Entertainment-Branche besonders stark betroffen ist.»

YB-Fans wollen wissen, ob das Spiel stattfindet

Auch Kinos und Sportveranstaltungen verzeichnen noch keinen Besucherrückgang. Jedoch wurden auch dort Massnahmen getroffen: Sowohl die Kinos von Kitag als auch diejenigen von Pathé haben die Mitarbeiter an die Hygienemassnahmen erinnert. Der Schweizer Fussballverband hat auf Anfragen von Clubs reagiert und bekannt gegeben, dass es wegen des Coronavirus keine Einschränkungen auf den Spielbetrieb gibt. Auf Anfrage heisst es bei den Vereinen, dass bisher alle Fussballspiele stattfinden und auch die Ticketkäufe stabil sind.

Dass das Virus auch Fans beschäftigt, zeigt sich etwa bei YB. Dort sind laut Sprecher Albert Staudenmann vereinzelt Anfragen eingegangen. Fans wollten wissen, ob das Spiel gegen den FC Zürich diesen Samstag wie geplant ausgetragen werde. «Wir halten uns an das BAG. Stand jetzt wird wie geplant gespielt.»

(qll)