Bodybuilder-WM in Los Angeles

13. September 2018 21:32; Akt: 13.09.2018 21:32 Print

«Wir brauchen 11'000 Franken für die Reise»

Die beiden Brüder Valentin und Majkell Marjakaj wollen unbedingt an der Men's-Physique-WM in Los Angeles teilnehmen. Das Geld für die Reise wollen sie per Crowdfunding reinholen.

Valentin Marjakaj und ein Freund präsentieren ihre durchtrainierten Bodys.
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11'000 Franken – so viel Geld brauchen die Brüder Valentin (24) und Majkell (26) Marjakaj aus Uznach SG nach eigenen Angaben, um die Reise an die Natural-Bodybuilding-Weltmeisterschaft in Los Angeles zu finanzieren. Das Geld wollen sie mit dem Projekt «Adoniss» über Funders.ch reinholen.

«In diesem Bereich gibt es kaum Sponsoring, weshalb wir relativ viel aus der eigenen Tasche in unsere Perfektion investieren», erklärt Valentin. «Das Geld brauchen wir nun für die Reise an die WM in Los Angeles, also für Flüge, Hotels und die WM-Anmeldung für drei Personen für rund zehn Tage, weil wir auch einen Freund mitnehmen, der für Fotos und Videos zuständig sein wird. Wir hoffen nun, dass unsere Fans und Freunde an uns glauben und uns helfen, unseren Kindheitstraum zu erfüllen.»

Wer beispielsweise 100 Franken spendet, kriegt als Gegenleistung eine Karte aus Los Angeles, bei 150 Franken einen Proteinriegel mit Shaker. Bei einer Spende von 750 Franken gibt es schon ein Personal-Training inklusive Ernährungs- und Trainingsplan. Diese können aber auch über die Adoniss-Homepage der beiden Jungs bestellt werden. «Wir machen Men's Physique seit rund 12 Jahren. Dieses Wissen wollen wir anderen weitergeben.»

«Wir brauchen 11'000 Franken für die Reise» So nahmen die Brüder Marjakaj an der Schweizermeisterschaft 2017 teil.

«Man wird zur Zicke»

Wie man sich einen gut proportionierten Body antrainiert, scheinen die beiden Brüder tatsächlich zu wissen: «Wir haben letztes Jahr die Plätze eins und zwei an der Schweizermeisterschaft belegt. Weil Majkell beruflich viel zu tun hatte, bin ich dann an die WM nach Boston gereist. Dort wurde ich Zweiter», sagt Valentin. «Für solche Resultate nehmen wir auch einiges in Kauf.»

Sein muskulöser Körper sei das Resultat eines drei- bis viermonatigen Intensiv-Trainings. Der Speck muss weg. «In der Regel habe ich einen Körperfettanteil von 10 Prozent, für die Meisterschaften versuche ich, auf 6 Prozent zu kommen», sagt Valentin.

In der Vorbereitungsphase bedeute das, auch einmal «zur Zicke» zu werden: «In dieser Zeit trainieren wir fünfmal die Woche je zweieinhalb Stunden und essen sehr monoton. Auch versuchen wir, viel zu schlafen und nehmen keine Süssgetränke zu uns. Das nagt mit der Zeit an den Nerven.»

«Wir werden keine groben Muskelprotze»

Auch auf sozialer Ebene müssten sie einstecken: «Die Vorbereitungszeit ist eine sehr einsame Zeit», erklärt Valentin. «Mit Freunden etwas unternehmen, liegt oft nicht drin, weil sie meistens etwas essen oder trinken wollen.»

Auch sorge ihre strenge Diät hin und wieder für Auseinandersetzungen am Familien-Esstisch: «Wenn du dasitzt mit deinem Reis und Hühnchen, während die anderen etwas Schmackhafteres auf dem Teller haben und genüsslich schmatzen, nervt das schon. Oder wenn deine Mutter kommt und ständig meint, dass du ja nichts gegessen hast, drehst du schon einmal kurz durch, weil deine Psyche das Hungern satt hat. Deshalb esse ich oftmals allein und koche für mich.» Alle drei Stunden nehme er etwas zu sich.

Trotz intensiver Vorbereitungszeit werden die beiden aber kaum «grobe Muskelprotze», so Valentin. «Wir betreiben Natural Bodybuilding, Doping ist tabu. Zwar hat diese Art von Bodybuilding seine Grenzen, doch wenigstens ist bei uns jede Muskelfaser hart verdient.» Um diese harte Arbeit präsentieren zu können, sei es ihnen auch egal, ob das Geld per Crowdfunding reinkommt oder nicht: «Schlussendlich reisen wir mit unserem eigenen Geld.»

Wie es nach dem Wettkampf weitergeht, wissen die beiden Brüder auch schon: «Nach so einer intensiven Hungerzeit lassen wir unseren Heisshungerattacken freien Lauf. Dann heisst es Burger, Kaffee und Snickers, bis wir wieder in die Vorbereitungsphase kommen.»

(qll)