Hitler-Tweet

17. Juli 2018 14:08; Akt: 17.07.2018 14:09 Print

«Wir erwarten gesunden Menschenverstand»

BDP-Chef Martin Landolt erklärt, warum der Hitler-Twitterer Thomas Keller die Partei verlassen muss.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Landolt, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie den Tweet Ihres Parteikollegen Thomas Keller gesehen haben?
Ich habe den Tweet erst heute Morgen gesehen – und war völlig perplex. Der Tweet ist ein absolutes No-go: Sowohl der Gedankengang als solcher als auch dessen Publikation auf einem sozialen Netzwerk sind jenseits von Gut und Böse.

Kennen Sie Herrn Keller?
Wir kennen uns nicht näher. Wir sind uns vielleicht zwei- bis dreimal begegnet.

Sie selbst haben einst im «Blick» gesagt, die Radikalisierung und der Kommunikationsstil der SVP wiesen «erschreckende Ähnlichkeiten mit dem Deutschland der Dreissigerjahre auf». Müssten Sie zuerst vor der eigenen Türe kehren?
Nein. Die Partei ist nicht verantwortlich dafür, was einzelne Mitglieder privat twittern. Ich habe auch die SVP nie kritisiert, wenn nur ein einfaches Mitglied sich danebenbenommen hatte. Zudem ist es ein fundamentaler Unterschied, ob man mit entsprechenden Vergleichen vor solchen Tendenzen warnt oder ob jemand diese verherrlicht.

Werden Sie den Hitler-Twitterer jetzt ausschliessen?
Die BDP Schweiz hat gemäss Statuten keine Möglichkeit dazu. Wir haben aber die Kantonalpartei gebeten, ein Ausschlussverfahren einzuleiten. Unsere Erwartungshaltung ist klar und wir werden sicherlich auf offene Ohren stossen. Ein ordentliches Verfahren braucht aber Zeit.

Thomas Keller will nicht zurücktreten. Er sagt, er wolle einfach in jedem Menschen etwas Gutes sehen. Das sei ein urchristlicher Reflex. Auch sei die Geschichtsschreibung im Umgang mit Hitler zu wenig differenziert.
Das sind für mich keine Argumente, die einen solchen Tweet erklären, geschweige denn rechtfertigen. Weil der Tweet mit der Partei in Verbindung gebracht wurde, hat er der BDP geschadet.

Schulen Sie Ihre Mitglieder eigentlich im Umgang mit Social Media?
Das Thema wird periodisch thematisiert in unseren Vorstandssitzungen. Jedes Mitglied zu schulen, übersteigt aber unsere Möglichkeiten und unsere Zuständigkeiten. Wir erwarten einfach gesunden Menschenverstand.

(daw)