Bündner Baumeister demütig

04. Mai 2018 16:07; Akt: 04.05.2018 16:30 Print

«Wir haben Fehler gemacht»

Die Bündner Baumeister zeigen Demut hinsichtlich der illegalen Preisabsprachen im Unterengadin. Nun soll Aufklärung geleistet werden.

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Nach einer aufwühlenden Woche haben sich die Bündner Baumeister am Freitag zur Generalversammlung getroffen. Viel Reue wurde an den Tag gelegt, und ein Regierungsrat versprach volle Aufklärung in Sachen illegaler Preisabsprachen.

«Heute ist Demut angezeigt», erklärte Markus Derungs, Präsident des Graubündnerischen Baumeisterverbandes (GBV), am Freitag zur Begrüssung der Branchenvertreter an der Generalversammlung in Laax. Es herrschen windige Zeiten für die Branche.

Vergangene Woche hatte die Wettbewerbskommission (Weko) Bussen von total 7,5 Millionen Franken für sieben Unterengadiner Baufirmen kommuniziert. Die Unternehmer hatten die Verteilung von Aufträgen und Preise abgesprochen.

«Wir haben Fehler gemacht»

Der GBV sei nicht verurteilt worden, betonte Präsident Derungs. Um gleich einzuräumen: «Wir haben nicht alles richtig gemacht, wir haben Fehler gemacht.» Der Fehler sei gewesen, dass «wir selber nicht vor Ort waren, um einzugreifen, wo hätte eingegriffen werden müssen». Dafür entschuldige sich der Verband: «Das tut uns leid.»

Derungs versprach verbandsinterne Klärung. Alle Abläufe über die Einhaltung der Regeln würden von einem externen Spezialisten überprüft. «Preis- und Gebietsabsprachen sind kein Kavaliersdelikt», sagte der Chef-Baumeister.

GBV-Geschäftsführer Andreas Felix, der stets betonte, von den Absprachen nichts gewusst zu haben, jedoch seine Kandidatur für einen Regierungssitz aufgab, wurde der Rücken gestärkt. Der Vorstand sprach ihm letzten Dienstag das Vertrauen ausgesprochen. Felix selber sagte, die letzten Tage hätten vor allem sein Umfeld belastet.

Alle im Dienste der Bevölkerung

Regierungsrat Mario Cavigelli sprach in seinem Grusswort von «bewegten Tagen für die Baumeister, aber auch für uns vom Kanton». Der Gastreferent wurde auch deutlich: «mutmasslich erhebliche Schäden für den Kanton, Gemeinden und Private» seien entstanden, durch Absprachen, die sich immerhin über sieben Jahre dahingezogen hätten.

Die Dinge müssten aufgearbeitet und Massnahmen ergriffen werden: «Wir stehen alle im Dienste der Bündner Bevölkerung», rief Cavigelli in den Saal.

Zugegen in Laax war auch Gian-Luca Lardi, Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV). «Wir müssen uns von der Vergangenheit lösen, indem wir einen Kulturwandel bei allen Beteiligten herbeiführen», sagte er.

Blick nach vorne

Zur Rente ab 60 auf dem Bau, die in Gefahr sein soll, erklärte Lardi, der SBV habe diese Rente zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt. Es gehe aber nicht an, dass die Pension zwischen 60 und 65 Jahren höher sei als jene ab 65.

Gleiche Leistungen, das sei die Stossrichtung des Verbandes.
Diskutiert wurden die Preisabsprachen in der Versammlung nicht. Lediglich ein Baumeister meldete sich zu Wort. Er sagte: «Ich wünsche mir, dass wir alles aufarbeiten, aber auch, dass wir den Blick nach vorne richten.»

(kaf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anton Müller am 04.05.2018 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    talks is cheap

    Wenn Ihr wirklich Demut habt, macht einen Fonds für den Whistle Blower auf

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  • kein Bündner am 04.05.2018 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Im Name der Bündner Bevölkerung

    AHA, die Baumeister stehen alle im Dienste der Bündner Bevölkerung. Also war das Abzocken im Namen und für die Bündner Bevölkerung? Jetzt zeigen die Baumeister Reue. Aber was ist mit dem so ergaunerten Vermögen? Da sie es nicht für sich gemacht haben gehe ich doch recht in der Annahme, dass dieses Geld nun an die Bündner Bevölkerung geht? Bitte aber nicht an die Verwalungen!

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  • Raffael am 04.05.2018 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Filz

    Der Kanton Graubünden ist bevölkerungsmässig sehr klein. Jeder kennt jeden. Der Filz reicht bis weit nach oben in der Verwaltung. Man kennt sich halt, ist in der gleichen Partei, will Freunden nicht auf die Füsse treten. Im Ausland nennen sie es Korruption, in der Schweiz Beziehungen oder Lobbysmus. Ich rede aus Erfahrung in unserer Gemeinde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • H. Lange am 06.05.2018 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie weiter...

    Man kommt aus dem Schlamassel nur heraus, wenn der ganze Filz ausgetauscht wird. Egal an welchem Platz der Hirachie. Hoffe, dass ist allen klar. Auch den Mitwissern! Das dürfte aber wohl kaum möglich sein, da es nicht nur um Unternehmen geht, sondern auch die Politik betrifft.

  • Steffi am 06.05.2018 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seit froh

    Seit froh, dass sich Eure Baumeister in GR absprechen. Hier in Basel funktioniert das nicht mehr, "dank" der WEKO. Nur der billigste bekommt den Auftrag, murxt etwas hin und für den 10fachen Betrag wird danach Instand gestellt..... Da bekommen Firmen neue Grossaufträge, die bei anderen Bauten finanzielle und terminliche Fiaskos sondergleichen verursacht haben. Das immer noch billiger kostet uns Steuerzahler einige 100 Mio. mehr, als die paar Franken der Bündner Baumeister durch ihre Absprachen. Geiz ist nicht nur Geil sondern kostet wahnsinnig viel Geld.... und Nerven.

  • Peter von Allmen am 06.05.2018 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchler

    Eine billige, aber gängige Taktik in Politik und Wirtschaft: so soll das ganze möglichst schnell wieder in Vergessenheit geraten und alles bleibt beim alten.

  • Insider am 06.05.2018 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH-Tiefbau Sumpf

    Glaubt noch irgendwer, dass das eine Ausnahme war? Der gesamte CH-Tiefbau ist ein Riesensumpf mit Termin- und Kostenabsprachen. Das hier war nur die winzige Spitze eines riesigen Schweizer Eisberges! Wir bezahlen Millionen um Millionen zuviel und es wäre höchste Zeit, da mal endlich aufzuräumen.

  • Martial2 am 05.05.2018 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Möchte nie Bauunternehmer sein...

    Auf diesem Gebiet herrscht ein harter Kampf, das nimmt schon teilweise Mafia-Allüren!