Baby auf Zugsitz gewickelt

19. August 2019 16:30; Akt: 19.08.2019 16:30 Print

«Wir haben alle mal in die Windeln gemacht»

Bloggerin Tanja Suppiger wendet sich auf Facebook in einem offenen Brief an die Mutter, die ihr Kind auf dem Zugsitz wickelte. Ihr Beitrag wird von Tausenden gefeiert und geteilt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Dieser Post ist ein offener Brief an die mutige Mama, die im Intercity von Bern nach Zürich im öffentlichen Abteil ihr Baby gewickelt hat und dabei fotografiert wurde. Du lebst in einem Land, das die vollgekackten Windeln deines Kindes zu einem (fast) nationalen Thema machen kann. Ich kann mich gerade extrem gut in dich hineinfühlen» – mit diesen Worten fängt der offene Brief von Bloggerin Tanja Suppiger (40) aus dem Luzerner Seetal an. Darin spricht sie den Vorfall von letzter Woche an, als eine Mutter ihr Kind im Zug wickelte. Laut einem Leser-Reporter, der die Mutter fotografierte, suchten darauf mehrere Pendler das Weite, weil es im Abteil so gestunken habe.

«Für Mamis sind solche Situationen nicht einfach», sagt Suppiger zu 20 Minuten, die in ihrem HerzBauchWerk Potenzialentfaltung für feinfühlige Menschen anbietet. «Man sitzt da, steht unter Druck und geht alle Möglichkeiten durch, die man hat. Vermutlich werden sich nach dem Beitrag nun noch mehr Mütter überlegen, was sie machen sollen. Was schade ist, denn ein Kind zu wickeln, ist doch das Normalste auf der Welt.» Sie selbst finde die Entscheidung der Mutter, das Kind im Abteil zu wickeln, am sinnvollsten: «Für mich wäre es ein No-Go, wenn sie dem Kind die Windeln gar nicht oder in einem dreckigen Zug-WC beziehungsweise auf dem Zugboden wechseln würde.»



Beitrag kommt gut an

Auch sie habe ihr Kind schon an öffentlichen Orten wickeln oder stillen müssen. «Etwa im Einkaufszentrum oder auf dem Zahnarztstuhl. Es steht niemandem zu, jemanden zu verurteilen, der das macht. Vor allem finde ich es frech, wenn man dabei fotografiert wird.» In ihrem Beitrag wendet sich Suppiger auch an die Personen, die kein Verständnis für die Mutter haben, und fragt diese, was sie wohl gemacht hätten. «Hättest du genug Arsch in der Hose, für das Bedürfnis deines Kindes einzustehen, oder hättest du dir selber in die Hosen gekackt?», fragt die Bloggerin.

Andere Frauen feiern den offenen Brief von Suppiger. Dieser wurde bereits über 4800-mal gelikt und über 720-mal kommentiert. Viele geben an, dass auch sie ihr Kind bereits im Zugabteil gewickelt hätten. So schreibt Userin D. K. etwa: «Ich war beim ersten Kind am SBB-Schalter und fragte, wie das Problem zu lösen sei. Genau so, wie es die Mama in deinem Text gemacht hat, ist es richtig: im Zugabteil. Seither machen wir das so, egal wer was denkt.»

Userin E. S. doppelt nach: «Genau so erging es mir vor kurzem auch. Ich habe die Zugbegleiter gefragt, ob es irgendwo im Zug einen Wickeltisch oder Ähnliches gebe, wo ich meine Kleine wickeln könne. Die Antwort war nein.» Daraufhin habe sie ihr Kind im Zugabteil gewickelt. «Ich bin froh, dass nicht alle Menschen so bünzlig auf unsere kleinsten Mitmenschen reagieren. Haben wir doch alle mal in die Windeln gekackt! Ein bisschen Toleranz im Leben tut allen gut!»

(qll)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flöhchen am 19.08.2019 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Apropos No go

    Wenn wir gerade von no go reden (welch blöder Ausdruck) - ich finde es absolut daneben, immer und überall zu föteln und dann diese auch noch ohne Erlaubnis zu verwenden. Geschweige denn, es auch noch in einen Beitrag zu verpacken.

    einklappen einklappen
  • Yvonne W. am 19.08.2019 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Hier meldet sich die Mutter die ihr Kind wickelte!

    Hier nun meine Geschichte: mein Kind ist mit einer seltenen Krankheit geboren, deshalb hatte ich eine ganztägige Untersuchung im Kinderspital Bern. Als wir endlich die fast 3 stündige Heimfahrt antreten könnten, musste ich erst im Gang stehen, weil der Zug so voll war. Eine Frau bot mir den Sitzplatz an. Bald darauf wurde mein Kind unruhig und ich sah, dass es die Hosen total voll hatte. Ich habe bis Zürich Hauptbahnhof gewartet bis die Leute ausgestiegen sind und habe mein Kind von den vollen Windeln befreit. Niemand musste auf einen Sitzplatz verzichten! Danke vielmals fürs Verständnis!!!!

  • Stefan am 19.08.2019 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung?

    Wie denn? Warten bis der Zug hält und so auch das ganze Abteil mit dem Geschmack erfüllen? Ihre und andere Mütter wickelten ihre Kinder gar noch auf dem offenen Feld. Kein Mensch hats gestört! Früher war nicht alles besser nur die Menschen hatten andere Probleme als sich wegen solchen Sachen aufzuregen. Im Zug wickeln? Oh Schreck. Oh mein Gott was für Wohlstandsprobleme!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martina B. am 19.08.2019 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Rücksicht eben...

    Ich habe ein seltenes Exemplar von Kind: Seine volle Windel hat ihn jeweils nicht im Geringsten gestört. Somit hätte ich problemlos 2h so zugfahren können. Allerdings hätte ich ihn aus RÜCKSICHT auf die Mitreisenden selbstverständlich schnellstens im Zug gewickelt. Dabei wäre mir wohl nicht im Traum eingefallen, dies könnte als "NoGo" betitelt werden und die Mitreisenden hätten es vorgezogen, 2h mit einem stinkenden Baby im Abteil zu sitzen!

  • Joge Li am 19.08.2019 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenhänge

    Ich kann ihre angebrachten Zusammenhänge nicht nachvollziehen (oder hat das Baby beim Wickeln keine Cervelat essen wollen?)

  • LUMA am 19.08.2019 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    Falsches vorgehen!

    Was die Mutter gemacht hat ist Respektlos und Unanständig gegenüber den mitreisenden. Die Mutter hätte wirklich auf die Toilette gehen können mit ihrem Baby und ihn dann dort Wickeln. Wer jetzt sagt die Toiletten sein nicht Sauber dem sei gesagt der irrt sich gewaltig den Toiletten werden vom Personal regelmässig gründlich gereinigt. Ich finde die Mutter sollte sich öffentlich bei den Pendlern Entschuldigen für die Unannehmlichkeiten die dadurch entstanden sind und das am besten über ein Leserbrief. Sowas zu machen ist einfach unappetitlich und nicht korrekt.

  • Pete am 19.08.2019 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    selbst Papi

    Warum müssen wir uns immer rechtfertigen/entschuldigen oder sogar zur blösse stellen?? Nichts auf der Welt ist das normalste der Welt wenn kleine Kinder in die Windeln machen. Schliesslich müssen wir ja auch den gresslichen Canabis-Geruch uns gefallen lassen, und dabei akzeptieren dass dies ja ganz normal sei in der heutigen Zeit. Ganz normal ist, jeder tut's., das grosse Geschäft.Nur Kinder können leider noch nicht selbst alles erledigen. Wäre besser wenn Mami Abteil wechselt, und dabei Ausgeraubt wird.....????? habt ihr keine Anderen Probleme??? Putzt vor eurer Türe.......

  • Tom - Bern am 19.08.2019 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht?

    Ich finde es in Ordnung, dass die Mutter die Windel gewechselt hat. Von uns war wohl kaum jemand dabei, daher kann man die Situation nicht richtig einordnen. Doch wenn ich daran denke, wie häufig in den Zügen die WCs nicht benutzbar sind, kann ich der Mutter nur sagen"alles richtig gemacht"