Aktivisten-Aktion

02. Dezember 2016 10:49; Akt: 02.12.2016 10:49 Print

«Wir haben die Rütliwiese entführt»

von R. Neumann - Eine «Guerillagruppe 0» hat ein Stück Rütliwiese «entführt». Ihr Ziel ist etwas diffus.

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Wer die Schweiz bis in ihr Mark erschüttern will, wer will, dass es jedem braven Schweizer kalt den Rücken hinunterläuft, der vergreife sich an der Rütliwiese. An jenem unschuldigen grünen Fleck am Vierwaldstättersee, wo die Wiege der Eidgenossenschaft liegen soll. Wer also Aufmerksamkeit will, der verhalte sich an jenem Ort ungebührlich.

Und das kommt immer wieder vor: Rechtsextreme benutzten die schöne Wiese, um auf ihr mittels schief ausgestrecktem Arm einem deutschen Massenmörder zu huldigen. Andere benutzten die Wiese, um dort Feuerwerkskörper in die Luft zu jagen und als «Rütli-Bomber» Schlagzeilen zu machen.

Bekennerschreiben verschickt

Und nun das: Ein grosses Stück Wiese wurde herausgeschnitten und entfernt. Wo frisches Grün die wackeren Eidgenossen (und Touristen) trug, klafft nun eine braune Wunde. Wer tut so was? Die «Guerillagruppe 0» offenbar. «Wir haben die Rütliwiese entführt», schreiben sie in einem Bekennerbrief an 20 Minuten. Es gehe der Wiese jedoch den Umständen entsprechend gut.

Was stark zu bezweifeln ist: Immerhin schicken die Wiesenmörder in einem Cellophan-Säckchen sterbliche Überreste des Rütli: Herausgerissene Halme und Dreck. Und 20 Minuten ist nicht der einzige Empfänger. Auch andere Medien, alle grossen Parteien, Bundespräsident Johann Schneider-Ammann und andere hätten dieselbe Sendung erhalten, schreiben sie.

«Alle Symbole sollen fallen»

Das Ziel der Guerillagruppe? Der Sprecher der Gruppe, Beni von Wyl, sagt: «Wir sind eine Selbsthilfegruppe, die vorgefertigte Weltbilder abzutragen versucht.» Sie seien auf der Suche nach der Welt hinter den Symbolen. Die Einteilung der Welt in Kategorien geschehe heute viel zu schnell.

Ist diese Erklärung für den Normalbürger nicht viel zu abstrakt? Von Wyl entgegnet: «Damit das nicht zu abstrakt ist, haben wir mit der Wiese ein praktisches Beispiel gewählt. Dass dies vielleicht nicht alle gut finden, nehmen wir hin.»

«Ihre Gefühle interessieren mich»

Die Gruppe betreibt eine Webseite, auf der den Besucher eine wirre Collage von GIFs empfängt – und eine Telefonnummer. Wer diese wählt, hört eine Männerstimme ab Band: «Weshalb haben Sie angerufen? Ihre Gefühle interessieren mich. Der Ursprung Ihrer Gefühle interessiert mich. Meine Gefühle habe ich in einer Geschichte vermauert. Ich werde mich bei Ihnen melden und Ihnen meine Geschichte erzählen.»

Aber niemand meldet sich.

Und nach so viel Gefühlsduselei können wackere Eidgenossen (und Touristen) nur hoffen, dass bald Gras über die Sache wächst.

Die Betreiberin der Rütliwiese, die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft, ist über die Aktion überhaupt nicht erfreut. Geschäftsführer Lukas Niederberger sagt: «Das geht natürlich nicht. Die Gruppe hätte vorher mit uns reden sollen, dann hätten wir eine Lösung gefunden.» Für den materiellen Schaden werde die Gruppe aufkommen müssen. «Nun suchen wir erst mal das Gespräch mit den Verantwortlichen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David Kuhn am 01.12.2016 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    David

    Wieso geben die Medien diesen Kindsköpfen noch eine Plattform und berichten darüber, sogar auf den Frontseiten? Das verstehe ich nicht.

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  • Roman am 01.12.2016 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Auf keinen Fall

    Ich bin täglich aufs Neue überrascht, was die sogenannte Krone der Schöpfung so alles für Ideen hat. Unsere Spezies darf nicht überleben...

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  • Beno am 01.12.2016 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sendung geht an:

    - Globi Verlag :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Secondo Jubilare am 02.12.2016 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Applaus

    Nun, denn. Erst, erst wollt' ich nicht. Jetzt, jetzt doch ich muss! Wohl dem, der kann! Dies Fest der unsrer Kraft! Ein Zeungnis von Grösse, ja sogar ... Unendlichkeit? Ich, ich danke voller freud, wenn doch auch, betrübt - Bleibt solch ein Feuerwerk der Menschlichkeit dem ein, dem and'ren, doch stets verwehrt.

  • linguisto am 02.12.2016 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    paradox

    schon lustig.. die gruppe ist gegen symbole bzw deren übermässige Bedeutung, gibt sich selbst aber ein zeichen als namen; gemäss signatur ein: Ø wasser predigen aber wein saufen... gratuliere

  • Reto am 02.12.2016 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Aktion gelungen

    Ich amüsiere mich herrlich bei den Antworten und der künstlichen Aufregeung. Leute, es ist nur ein Stück Rasen? Die Bedeutung dahinter (die Symbolik) gibt jeder von euch selber. Aufgrund dessen empört es viele Leute :)

  • Der Entführer am 02.12.2016 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bald

    Entführe ich das Matterhorn... Bin schon am Gipfel abtragen, aber das dauert...

  • Ruedi am 02.12.2016 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    das passiert eben...

    wenn man einen völlig ausufernden Sozialstaat hat. Anstatt arbeiten zu gehen habe diese Leute Zeit für einen solchen Quatsch....

    • Gwen am 02.12.2016 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      Arbeit

      Wer sagt denn, dass dies während der Arbeitszeit passiert ist? ;)

    • Klarsicht am 02.12.2016 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ruedi

      Immer nur "nicht arbeiten", ich wette Sie finden keine einzige andere Argumentation in Ihrem fest nach dem System geplanten Lebenszyklus...

    • phillgas am 02.12.2016 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ruedi

      Genau wegen solchen banalen Argumentationen wie die von Ihnen, gibt es solche Aktionen! Denken Sie mal darüber nach.

    • Dr. Gabber am 03.12.2016 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ruedi

      Was machen Sie, falls Sie mal keine Stelle mehr finden? legen Sie sich direkt in den Sarg, wandern Sie aus oder gehen Sie aufs Sozialamt? Wäre interessant zu wissen, wenn man schon derart fluchen kann.

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