«Love Life»-Models

28. Juli 2014 16:12; Akt: 28.07.2014 16:12 Print

«Wir hatten viel Zeit, in Stimmung zu kommen»

von Tanja Bircher - Die «Love Life»-Plakate hängen seit heute in der ganzen Schweiz – und zeigen fünf verschiedene Paare beim Sex. Nicola und Elena erzählen, wieso sie bei der Kampagne mitmachten.

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Nicola Bedoni und Elena Pedrazzini, wieso habt ihr euch entschieden, halbnackt für die «Love Life»-Kampagne zu posieren?
Nicola Bedoni: Die Idee, eine gute Sache wie die HIV-Prävention zu unterstützen, fanden wir super. Deswegen haben wir bei dem Casting mitgemacht.
Elena Pedrazzini: Die Botschaft dieser Kampagne entspricht uns sehr. Wir fanden es eine schöne Art, dazu beizutragen, diese zu verbreiten, auf sehr direkte Weise.

Und auf sehr intime Weise. Brauchte das nicht Überwindung?
Nicola: Ich war am Anfang noch ein bisschen skeptisch. Aber Elena hat mich überzeugt. Wir haben das Casting gemacht und im Nachhinein muss ich sagen, es war eine tolle Erfahrung.

Wie war denn das Shooting?
Nicola: Es war sehr unterhaltsam, fast schon lustig. Wir haben den ganzen Tag hier verbracht, am Morgen mit dem Personal gefrühstückt, alle waren total sympathisch.
Elena: Während des Shootings waren nur die Fotografin und zwei Assistenten anwesend. Es hat Stunden gedauert, insgesamt wurden 500 Fotos gemacht. Wir hatten also viel Zeit, in die richtige Stimmung zu kommen.

Musstet ihr euch gleich zu Beginn ausziehen?
Elena: Nein, am Anfang hatten wir noch viel mehr Kleider an als auf dem Plakat. Die Sache hat sich sehr langsam entwickelt. Wir haben erst mehr ausgezogen, als wir uns dazu bereit fühlten.

Aber auf dem Plakat trägst du einen BH und einen Rock, auch Nicola ist zumindest oben bekleidet. Man sieht also nicht zu viel. Elena, wolltest du dich bewusst nicht ganz ausziehen?
Elena: Nein, sie haben uns auch nicht darum gebeten. Auf dem anderen Bild tragen wir unten beide nichts, aber der entblösste Teil wird auf dem Plakat von einem Kondom verdeckt. Das hatten sie uns am Anfang versprechen müssen.

Ab heute wird die ganze Schweiz eure Bilder sehen. 1900 Plakate werden während zwei Wochen in der Öffentlichkeit hängen. Ist euch trotzdem kein bisschen mulmig zumute?
Elena: Nein, auf diesen Bildern ist nichts zu sehen,wofür man sich schämen müsste. Sie zeigen Lebensfreude, die Freude am Sex, die Freude daran, zusammen zu sein. Die Bilder sind sinnlich, sie sind künstlerisch und gut gemacht.

Was haben eure Eltern dazu gesagt?
Nicola: Sie waren am Anfang ein bisschen überrascht, dass ich da mitmachen will. Ich bin eher der schüchterne Typ. Ich muss sagen, ich war selbst etwas erstaunt, dass ich mich dazu entschieden habe. Aber jetzt, wo ich die Bilder sehe, bin ich sehr zufrieden.

Die Idee hinter der Kampagne ist ja, Menschen auf die Gefahren von HIV aufmerksam zu machen und sie zu motivieren, geschützten Geschlechtsverkehr zu haben. Glaubt ihr, ihr habt etwas dazu beigetragen, indem ihr euch halb nackt habt ablichten lassen?
Nicola: Meiner Meinung nach liegt genau hier die Stärke der Kampagne, weil es positive und sinnliche Bilder sind. Man sieht, wie wir Spass haben beim geschützten Verkehr.

Aber richtigen Sex hattet ihr ja gar nicht, oder?
Elena: Nein, aber darum geht es nicht. Man erreicht viel mehr, indem man das Positive zeigt. Bilder, die unterstreichen, welche Konsequenzen ungeschützter Sex hat, bringen nichts. Ich erkenne mich nicht wieder in Bildern, die versinnbildlichen, dass man an Aids leidet und schliesslich stirbt. Aber mit Fotos, die Menschen jeden Alters und jeder sexuellen Orientierung zeigen, kann man sich viel besser identifizieren. Wir wollen damit einen Trend setzen, damit Leute denken: ‹Schau mal, die haben geschützten Sex und Spass dabei, das ist super, so mach ich es auch.›»