Feuerwerks-Händler

27. Juli 2018 13:26; Akt: 27.07.2018 13:26 Print

«Wir können nur auf einen guten Silvester hoffen»

Immer mehr Kantone sprechen Feuerverbote im Wald und in Waldnähe aus. Die Feuerwerks-Händler rechnen mit grossen Einbussen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Schweiz ist so trocken wie seit knapp 100 Jahren nicht mehr. Fast die Hälfte der Kantone hat ein Feuerverbot in Wald und Waldnähe erlassen. Zu gross sei die Waldbrandgefahr, argumentieren sie. Im Tessin und in vereinzelten Schweizer Gemeinden gilt gar ein allgemeines Feuerverbot. Feuerwerks-Händler fürchten nun grosse Umsatzeinbussen.

Umfrage
Werden Sie am 1. August Böller zünden?

Wirtschaftlicher Schaden

Gemäss Urs Corradini, Leiter der Schweizerischen Koordinationsstelle Feuerwerk, wird am 1. August der grösste Teil des Jahresumsatzes erwirtschaftet. Jedes Feuerverbot führe für Anbieter deshalb zu einem wirtschaftlichen Schaden, der nicht mehr wettgemacht werden könne. Corradini kennt keine Versicherung, die für entsprechende Einbussen aufkommt. «Die Ware einlagern und auf einen guten Verkauf an Silvester hoffen, ist alles, was man tun kann», sagt Corradini.

Alain Stucki, Geschäftsführer der Stucki AG in Wil, die über das grösste Feuerwerkslager der Ostschweiz verfügt, bemerkt erste Folgen des Verbots. Er habe bereits mehrere Absagen von Gemeinden verbuchen müssen, die ihr Grossfeuerwerk in Waldnähe oder in einer stark exponierten Lage geplant hätten und es nun unterlassen.

«Werden mit einem blauen Auge davonkommen»

In Bezug auf die privaten Käufer kann der Geschäftsführer noch weniger klare Aussagen treffen. Die entscheidenden Verkaufstage seien in der Regel der 30. und 31. Juli sowie der 1. August. Generell seien die Leute in diesem Jahr aber zurückhaltender als gewöhnlich. «Es herrscht Verwirrung bezüglich eines allgemeinen Feuerwerksverbots, wie es im Jahr 2003 erlassen wurde, und dem aktuellen Feuerverbot im Wald. Viele Käufer glauben fälschlicherweise, überall, also auch im privaten Garten, auf Feuerwerkskörper verzichten zu müssen», erklärt Stucki.

Stucki empfiehlt anstelle von Raketen beispielsweise auf Vulkane zu setzen, die nur in einem Umkreis von rund fünf Metern brennen. Der Feuerwerks-Händler versteht das Verbot: «Wir werden mit einem blauen Auge davonkommen. Mit einem Totalausfall ist aber glücklicherweise nicht zu rechnen».

Coop und Migros verzichten regional auf Böller-Verkauf

Sowohl Coop als auch Migros haben mitgeteilt, dass in der Ostschweiz in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit vor dem 1. August auf den Verkauf von Feuerwerksartikeln verzichtet wird. Auch die Migros Aare zieht den Verkauf zurück.

Davon betroffen sind die Kantone St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden, Graubünden, Bern, Solothurn, Aargau sowie der Kanton Zürich. Auch im Tessin, wo ein generelles Feuerverbot gilt, verkaufen die beiden grossen Detailhändler keine Feuerwerksartikel.

Lasershow als Alternative

Einen anderen Weg gehen unsere deutschen Nachbarn. Auch sie kämpfen mit der Trockenheit. In der sächsischen Stadt Kriebstein, wo im Rahmen einer offiziellen Feier am Wochenende ein Feuerwerk geplant war, wurde eine originelle Lösung gefunden: Das Feuerwerk wird kurzerhand durch eine Lasershow ersetzt.

(jk)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Johny Parker am 27.07.2018 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Also mal ehrlich....

    ...heult leise! Gewinn auf kosten eines Waldbrand wie beschränkt ist der Horizont dieser Verkäufer eigentlich?

    einklappen einklappen
  • Ninon am 27.07.2018 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Total egoistisch

    Klar, Hauptsache das Geld fliesst in die Kassen, die Löschung der Brände werden dann ja von der öffentlichen Hand finanziert

    einklappen einklappen
  • BigBrinu am 27.07.2018 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke heisses Wetter

    Gottlob, diese sinnlose Knallerei geht allen Tierliebhabern seit Jahren auf den Geist.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realo am 29.07.2018 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird sich bestimmt ein Grund finden,

    die Knallerei auch am Sylvester 2018 zu verbieten. Zum Wohle einer riesigen Mehrheit dieses Landes.

  • Auch nicht im Privatgarten am 29.07.2018 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte genau informieren

    "Viele Käufer glauben fälschlicherweise, überall, also auch im privaten Garten, auf Feuerwerkskörper verzichten zu müssen". Das ist in vielen und immer mehr Gemeinden NICHT FALSCH, diese Gemeinden haben es grundsätzlich verboten, Feuerwerke zu zünden, EGAL wo! Auch Vulkäne und ähnlicher Mist können bei diesem Wetter verheerende Folgen haben!

  • Lena N.F am 29.07.2018 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Böller und keine Feuerwerke für im

    Jeder Spricht über Umweltschutz und Tierschutz und trotzdem lässt man noch immer Böller ab. Mittelalter adioöööööö endlich generell aufhören mit dem Mist!

  • fünkli am 29.07.2018 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    scho rächt

    ich bin eh für ein verbot, schweizweit....und an alle die nun jammern: bis vor einigen jahren war der 1august für viele noch kein feiertag....die hatten grund zum jammern aber sicher nicht wegen einem feuer/feuerwerkverbot.

  • Harry Beierer am 29.07.2018 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Harte Straffen für Zünsler

    Ich hoffe das sich alle daran halten, die die meinen Sie müssen trotz verbot Feuerwer abfeuern, sollten richtig bestrafft werden.