Billag-Chef

17. März 2011 18:19; Akt: 17.03.2011 18:19 Print

«Wir könnten Kosten einsparen»

Eine geräteunabhängige Radio- und TV-Gebühr würde der Billag Aufwand und Kosten ersparen, sagt Billag-Chef Werner Marti. Aber nur, wenn das Parlament nicht zu viele Ausnahmen beschliesst.

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Das Parlament ist für einen Systemwechsel bei den Radio- und Fernsehgebühren. Die Detailberatung läuft noch. Was halten Sie vom Entscheid?
Werner Marti: Festlegen, wer gebührenpflichtig ist, muss das Parlament. Die Billag kann mit dem, was bisher beschlossen wurde, sehr gut leben. Wir ziehen ja nur die Gebühren ein.

Aber Ihre Arbeit wird mit dem neuen System einfacher.
Ja, wenn alle gebührenpflichtig sind, wird für uns das Inkasso einfacher. Aber in welchem Umfang wir Einsparungen machen können, kann ich noch nicht sagen. Das hängt sehr stark von der definitiven Regelung ab.

Bräuchten Sie weniger Mitarbeiter zur Kontrolle in den Haushalten?
Ich denke, wir könnten Personal und damit auch Kosten einsparen. Aber die Hauptarbeit unserer Mitarbeitenden in Freiburg bleibt: Callcenter, Rechnungs- und Mahnwesen oder Mutationen. Von unseren insgesamt 300 Mitarbeitenden arbeiten nur 40 im Aussendienst.

Sie würden auch entlastet, weil es weniger Rechtsstreitigkeiten geben wird?
Wenn die Gebühren nicht mehr davon abhängen, ob ein Empfangsgerät vorhanden ist oder nicht, fällt diese Frage schon mal weg. Aber es sind Ausnahmen vorgesehen. Also wird es auch in Zukunft Streitigkeiten um die Gebührenpflicht oder eben die Ausnahmen davon geben.

Die Billag hätte also am liebsten keine Ausnahmen?
Wir bestimmen das System nicht. Aber es ist klar: Je einfacher das System gestaltet ist, desto kostengünstiger können wir arbeiten. Wie gross unser Aufwand schliesslich ist, können wir aber erst sagen, wenn das Parlament die Details beschlossen hat.

Führt die Systemänderung zu Mehreinnahmen der Billag?
Ich gehe davon aus, dass der Bund den Auftrag zur Gebührenerhöhung bei einem Systemwechsel neu ausschreibt. Wir müssen also zuerst den Zuschlag erhalten.

Haben Sie nicht praktisch ein Monopol in diesem Bereich?
Es gibt durchaus noch andere kompetente Anbieter. Aber solange die Details der Ausschreibung nicht bekannt sind, kann ich nichts sagen über unsere Chancen.

Dass sich die Billag erneut bewirbt, ist klar?
Ja, als Unternehmen wollen wir diesen Auftrag weiterführen. Nur schon aus Verpflichtung gegenüber unseren Mitarbeitenden. Zudem haben wir ein grosses Know-how in diesem Bereich.

Es lockt auch gutes Geld. Im letzten Jahr hat die Billag 3,5 Millionen Franken Gewinn gemacht.
Bei öffentlichen Ausschreibungen ist es üblich, dass mehrere Unternehmen Offerten einreichen. Als Auftraggeber muss es mich nicht interessieren, ob der Anbieter mit diesem Angebot Gewinn macht, oder aber einen Verlust. Denn, schreibt der Anbieter rote Zahlen, muss er den Verlust selbst übernehmen. Das ist das unternehmerische Risiko.

Die Billag wird in Politik und Öffentlichkeit aber nicht als Unternehmen wie jedes andere angeschaut, sondern als halbstaatliche Firma.
Deshalb sind wir bereits jetzt sehr transparent. Ich habe beispielsweise offengelegt, wie hoch die Löhne der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats sind.

Diese Transparenz soll nach dem Willen des Parlaments noch stärker werden. Das Inkassounternehmen soll künftig seine Buchführung offenlegen.
Der Gesetzgeber muss schauen, wie er diese Regelung ausgestaltet. Gegenüber dem Auftraggeber haben wir die Zahlen immer offengelegt. Wenn das Parlament noch weiter gehen möchte, werden wir die Auflagen erfüllen. Eine grosse Transparenz hat aber auch den Nachteil, dass sie den Wettbewerb beschränken könnte. Andere Inkassofirmen schrecken möglicherweise davor zurück und bewerben sich nicht für den Auftrag.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil.B am 18.03.2011 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    gewinn?

    Billag zieht nur die gebühren ein? oder nicht? wie können die einen gewinn erziehlen?????

  • Laredo am 17.03.2011 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Transparenz...

    Mit den Gebühren wird denn was finanziert? Diese Gebühren spiegeln ja kaum das CHTV wider und nun soll jeder Haushalt unabhängig vom Verursacherprinzip zahlen, ob man nun ein TV hat oder nicht? Sinnvoller wäre es, wenn Geräte ein Zähler hätten, wo jeder das zahlt, was er auch konsumiert bis max. der heutigen Gebührenhöhe. Funktioniert ja allwo auch beim Handy, Telefon, Auto, Strom,Gas, etc., nur nicht beim TV. Warum nicht? Weil man damit keine Mrd. einnehmen kann!

  • Ruedi Es-geht-auch-ohne-Billag am 18.03.2011 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    billag streichen

    wenn alle tv-gebühren zahlen müssen, könnte dann konsequenterweise auch das inkasso via direkte steuern eingezogen werden. dann fällt das unding billag auch weg. finde es übrigens eher speziell, dass ein ehemaliger preisüberwacher als billag-chef waltet ...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mc Gregor am 14.06.2011 01:47 Report Diesen Beitrag melden

    Billag-Gebühr nicht mehr zeitgemäss

    Früher oblag das Einziehen der Empfangskonzessionen der PTT. Seit Radio und TV über Kabel und Satellit übertragen wird, entfallen sämtliche Infrastrukturkosten, trotzdem wird munter Empfangsgebühr eingezogen. Wenn der Bund zum Schluss kommt, dass es ein staatliches TV/Radio BRAUCHT, dann besteht also ein öffentliches Interesse und es ist nicht einzusehen, weshalb der Unterhalt nicht - wie bei allem anderen - über Steuergelder finanziert wird. Die sog. "Empfangskonzession" ist nur eine versteckte Steuer - und eine höchst unsoziale dazu, weil sie nicht einkommensabhängig ist.

  • Simon Sieber am 07.04.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit der Billag

    diese Gebühr und dessen Eintreiber ist ein Relikt aus der Steinzeit und gehört abgeschafft. Die Folgen wären praktisch ausnahmslos positiv, denn SRG müsste sich wandeln und endlich zeitgemässes produzieren.

  • Simon am 19.03.2011 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    KÖNNEN + WOLLEN SIND ZWEIERLEI

    Das CH-Volk ist gewillt, eine Volks-Abstimmung durch zu führen. Volks-Iniative starten, nur so kommen wir zum Ziel.

  • Patrick am 19.03.2011 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit der Billag!

    Weg mit der Billag und die SRG privatisieren was den Wettbewerb anregt.

  • Ralph am 19.03.2011 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Empfangsgebühren mit Steuern bezahlen

    Warum kann man diese Gebühren nicht in den Steuern integrieren? Was spricht dagegen ? Warum fährt diese Billag immer noch ein Sonderzüglein welches nur zusätzliche Kosten verursacht?