Schwitzen am Arbeitsplatz

05. Juli 2018 18:39; Akt: 05.07.2018 18:39 Print

«Wir legten dem Stinker eine Seife auf den Tisch»

Der Bund lancierte ein Merkblatt, um der Problematik von störendem Körpergeruch am Arbeitsplatz zu begegnen. Leser erzählen von ihren Erfahrungen.

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Körpergeruch am Arbeitsplatz ist ein heikles Thema. Oft tuscheln die Arbeitskollegen hinter dem Rücken des Betroffenen über den störenden Körperduft. Um darauf aufmerksam zu machen und zu zeigen, wie sich Chefs verhalten sollen, hat das Schweizerische Dienstleistungszentrum Berufsbildung ein neues Merkblatt veröffentlicht. Zwei Leser erzählen von ihren Schweiss-Erlebnissen am Arbeitsplatz.

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G. Mattenberger* (54), Banker: «Niemand traute sich, etwas zu sagen»

«Wir hatten vor Jahren einen Stinker in unserem Grossraumbüro in Zürich. Alle kannten und rochen ihn, aber niemand traute sich, etwas zu sagen – selbst der Chef nicht. Es ist nun mal ein heikles Thema und man weiss nicht, wie die andere Person reagieren wird, wenn man sie darauf anspricht. Wir redeten nur untereinander über den Geruch des Kollegen.

Nach ungefähr zwei Wochen wurde der Gestank so penetrant und einen meiner Bürokollegen störte er derart, dass er dem Betroffenen am frühen Morgen, bevor dieser ins Büro kam, eine eingepackte Seife auf den Schreibtisch legte. Es war zugegeben nicht die feinste Art, aber die Botschaft kam an, und er achtete ab da besser auf seine Hygiene.»

Technischer Supporter (24) aus Luzern: «Ich habe nicht gemerkt, wie stark ich stank»

«Ein Arbeitskollege sagte mir in diesem Frühjahr unter vier Augen höflich, dass ich etwas streng rieche. Ich wusste zwar, dass ich bei den kleinsten Bewegungen zu schwitzen beginne, aber ich hätte selbst nicht gemerkt, wie stark ich stank und wie sehr das andere stört. Eigentlich dusche ich jeden Tag und wechsle regelmässig meine Klamotten, doch ich bin wohl anfällig für strenge Gerüche, da ich stark schwitze.

Dem Kollegen, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, bin ich nicht böse. Im Gegenteil: Seither versuche ich die Situation zu verbessern, achte auf meine Ernährung, treibe Sport und benutze ungefähr fünfmal pro Tag Deo. Mein Deo-Verbrauch ist zwar abnormal hoch, aber es ist nötig. Zusätzlich frage ich den Mitarbeiter immer wieder, wie es um meinen Körpergeruch steht. Tatsächlich hat er sich seither verbessert.

Ich finde es gut, dass der Bund das Merkblatt zum Körpergeruch erstellt hat. Es ist wichtig, dass die Bürokollegen oder die Vorgesetzten in solchen Situationen wissen, wie sie reagieren sollen. Man ist einfach froh, wenn man so einen Hinweis bekommt.»

*Name der Redaktion bekannt

(viv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BS am 05.07.2018 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Parfüm stinkt mehr

    Wenn ich etwas hasse, dann die Leute die täglich mit ner halben Flasche Parfüm am Körper die Büros und Umwelt verpesten.

  • Manuel am 05.07.2018 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Achselschweiss

    Der (sichtbare) Schweiss unter den Achseln, gesellschaftlich geächtet, verpönt, darf einfach nicht sein. Und so schmieren wir uns das Aluminiumchlorid unter die Achseln, wie eine Droge, die immer mehr vonnöten ist und der Gestank ohne sie unerträglich wird. Und dann, 50-60 Jahre später, killt uns der Krebs.

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  • Melanie1994 am 05.07.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Seife auf dem Tisch"

    Der liebe Gott hat uns doch allen ein Mund gegeben. Und in der Arbeitswelt sind alle erwachsen. Weshalb nicht dieses Mund nutzen und mit dem "Stinker" das Gespräch suchen? Ihm oder ihr diplomatisch mitteilen, dass er oder sie mehr duschen oder Deo benutzen sollte. Mag vielleicht für diese Person etwas unangenehm sein, aber ich bin mir sicher er oder sie ist dankbar für die Ehrlichkeit. Eine Seife auf den Tisch legen ist hingegen sehr feige und kindisch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicci am 06.07.2018 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Raucher und Kaffeetrinker

    sind meist die, die sich über andere auslassen, sie würden müffeln. Dabei haben sie einen Geruch aus dem Mund, wie mein Hund. Einfach eklig.

  • Anonymimusin am 06.07.2018 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mundgeruch ist viel schlimmer!

    Schweiss geht vorbei, man kann duschen und weg damit. Mundgeruch leider nicht. Seit einem Jahr in X Abklärungen, nix kommt raus. Ich schäme mich und schotte mich ab. Weiss nicht mehr, was ich noch machen könnte, obwohl mich meine Kollegen mögen. Ich möchte meinen Mund verkleben....

  • nikita1616 am 06.07.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deo: Am besten selber machen

    Mein Tipp: Kokosöl + Natron + ätherisches Öl (z.B. Pfefferminze, Lavendel & Teebaum) Wirkt wunder, ist gut verträglich, enthält kein Aluminium und kostet wenig! Probierts aus!

  • Name am 06.07.2018 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Psychische Gesundheit

    Ich erlebe in meinem Berufsalltag oft, dass psychisch angeschlagene Menschen die Hygiene vernachlässigen. Es könnte also auch in die Richtung gehen, muss aber nicht. Oft merken sie es selber nicht und ein Hinweis von aussen ist nötig. Ich verwende übrigens nur Deokristall, für mich gibt es keine zuverläsdigeres Deo.

  • Hoppelihopp am 05.07.2018 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Hechtsprung

    Ich muss schon in den Warenhäusern einen Hechtsprung machen, wenn ich gezwungen werde, durch die Parfum-Abteilung zu gehen. Gewisse dieser künstlicher Düfte sind keineswegs angenehmer wie Schweiss einer gesunden, sportlichen Person.