Jugendlicher aus Elgg spricht

18. März 2019 10:19; Akt: 18.03.2019 12:44 Print

«Wir machen Judenwitze untereinander»

Sek-Schüler aus Elgg ZH verschickten Judenwitze und Kinderpornos in einer Chatgruppe. Der Gruppendruck sei hoch gewesen, sagt ein Schüler.

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In Elgg ZH haben Schüler der 3. Sek im Gruppenchat «FC NSDAP» Nazi-Witze und Kinderpornos verschickt. Neo-Nazis sollen in der Gruppe ebenfalls aktiv gewesen sein. Die Jugendanwaltschaft ermittelt nun gegen einzelne Schüler. 20 Minuten hat mit einem Gruppenteilnehmer gesprochen.

In Elgg machen Jugendliche offenbar Judenwitze. Ist nationalsozialistisches Gedankengut auch an deiner Schule oder deinem Arbeitsplatz verbreitet? Schreibe uns!

A.*, du warst im «FC NSDAP»-Chat. Wer hat diesen gegründet, wann und warum?
Der Chat wurde letzten Dezember von einem Schüler der 3. Sek gegründet, um nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten. Der Gruppenname NSDAP wurde bewusst ausgewählt. An unserer Schule gibt es gewisse Schüler, die auch sonst solche Witze machen. Es kommt durchaus vor, dass untereinander ab und zu ein Nazi-Witz oder Judenwitz gemacht wird. Auch Ausländerwitze kommen vor.

Worüber habt ihr euch im Chat unterhalten?
Im Chat hat man Hitlergrüsse verschickt, Nazi-Witze geteilt und ausländerfeindliches Gedankengut geschrieben. Konkret heisst das, dass Witze zum Holocaust und zu den Vergasungen gemacht wurden.

Wie viele Leute waren im Chat?
Es waren 20 bis 30 Schüler beteiligt. Nach einer gewissen Zeit haben sich deutsche Neo-Nazis der Gruppe angeschlossen. Es waren etwa 200 Personen am Chat beteiligt.

Wie haben sich die Nazis der Gruppe angeschlossen?
Gruppenmitglieder unserer Gruppe haben den Einladungslink in anderen Gruppen verbreitet. Eine davon war zum Beispiel «Fickbunker». So haben sich externe Leute angeschlossen.

Stimmt es, dass der Chat anfangs harmlos war, dann aber immer radikaler geworden ist?
Nachdem sich die Neo-Nazis angeschlossen hatten, wurden die «Witze» immer radikaler. Sie haben sich über Vergasungen und den Holocaust lustig gemacht.

Was für Inhalte wurden noch verbreitet?
Neben Nazi- und Ausländerwitzen wurden Kinder- und Tierpornos sowie Gore-Videos geteilt. Letztere zeigten Hinrichtungen, Köpfungen und andere brutale Szenen. Ein Freund hat viele solcher Videos verschickt. Jetzt wird deshalb gegen ihn ermittelt.

Die Schule hat die Polizei eingeschaltet. Wie habt ihr Schüler darauf reagiert?
Die Schüler sind erschrocken. Nachdem sich die Polizei eingeschaltet hatte, sind viele aus der Gruppe ausgetreten.

Wann hat die Polizei eingegriffen?
Die Polizei hat im Januar eingegriffen.

Wie war das Vorgehen der Schule?
Das Vorgehen der Schule war nicht vorbildlich. Bei den Präventiv-Veranstaltungen hat man gemerkt, dass es dem Schulleiter mehr ums Image der Schule als ums Wohl der Schüler geht. Auf diese wurde zu wenig eingegangen.

Wie geht es dir jetzt? Ermittelt die Jugendanwaltschaft auch gegen dich?
Nein. Ich habe von Anfang gewusst, dass es auffliegen könnte. Deshalb habe ich mich mit den Kommentaren zurückgehalten. Auch sonst fand ich den Chat und das Gedankengut fragwürdig. Ich war in der Gruppe, weil fast alle drin waren. Der Gruppendruck war gross.

Wie geht es deinen Kollegen, gegen die die Jugendanwaltschaft ermittelt? Gegen wie viele wird ermittelt?
Es wird gegen sechs Personen von der Schule ermittelt. Eine betroffene Person war anfangs niedergeschlagen, ihr geht es aber mittlerweile besser.

(maz)