Abfallsünderin Schweiz

17. Juli 2014 10:56; Akt: 17.07.2014 10:56 Print

«Wir müssen mehr Materialien recyceln»

von J. Büchi - Jeder Schweizer verursacht pro Tag rund 1,9 Kilogramm Abfall. Damit sind wir Europameister. Neue Recycling-Systeme könnten uns helfen, den Titel wieder loszuwerden.

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Neben PET, Alu und Batterien könnten bald auch im grossen Stil Kunststoffbehälter und Tetrapacks recycelt werden. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Herr Hügi*, weshalb verursachen wir Schweizer mehr Abfall als alle anderen Europäer?
Die Abfallmengen in der Schweiz haben in den letzten Jahrzehnten parallel zum Bruttoinlandprodukt zugenommen. Mit dem Geld stieg der Konsum und mit dem Konsum der Abfall.

Umfrage
Würden Sie Shampoo- oder Waschmittelflaschen recyceln?
63 %
30 %
7 %
Insgesamt 3836 Teilnehmer

Dabei heisst es immer, die Schweizer seien so umweltbewusst.
Das sind wir auch. In der Verwertung von Abfällen ist die Schweiz weltweit Spitze. Die Hälfte aller Abfälle wird gesammelt und recycelt, die andere umweltgerecht verbrannt und Energie daraus gewonnen. Allerdings verbrauchen wir insgesamt noch zu viele wertvolle Rohstoffe.

Wie können wir das ändern?
Der sogenannte Foodwaste ist ein grosses Problem. Wir werfen zu viele noch geniessbare Lebensmittel weg. Die Konsumenten müssen lernen, nur noch einzukaufen, was sie wirklich brauchen. Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe des Bundes an einer Strategie zur Bekämpfung von Foodwaste. Bei der Reduktion des Rohstoffverbrauchs ist allerdings auch die Industrie gefordert.

Inwiefern?
Beispielsweise hat die Industrie begonnen, Verpackungen selber zu optimieren, beispielsweise sind Getränkeverpackungen leichter als früher.

In Berlin gibt es seit Kurzem einen Supermarkt, bei dem der Kunde alle Lebensmittel in selbst mitgebrachte Behälter abfüllen muss. Wäre das eine Lösung?
Für das Bundesamt für Umwelt steht das Recycling weiterer Verpackungen im Fokus. Leere Kunststoffbehälter, etwa von Shampoos, sollen künftig ebenfalls zurückgebracht werden. Teilweise gibt es schon entsprechende Angebote von Händlern. Das Bafu begrüsst solche Initiativen der Privatwirtschaft.

Die Konsumenten recyceln bereits PET, Alu, Glas, Karton, Altpapier, Batterien, Kompost und vieles mehr. Haben Sie keine Angst, dass die Schweizer irgendwann recyclingmüde werden?
Ich habe den Eindruck, dass Recycling-Systeme von der Bevölkerung sehr gut akzeptiert werden, solange sie Sinn machen. Dazu ist eine gute Kommunikation und eine Sensibilisierung der Akteure in der Abfallwirtschaft notwendig.

*Michael Hügi ist stellvertretender Sektionschef der Sektion Abfallbewirtschaftung des Bundesamtes für Umwelt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jacky M. am 17.07.2014 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    "Für das Bundesamt für Umwelt

    steht das Recycling weiterer Verpackungen im Focus". - Welcher Bundesamt hat dann entschieden, dass ich meinen Kamillenextrakt und mein Wundalkohol in der Drogerie nicht mehr nachfüllen lassen kann, sondern jedesmal eine neue Flasche kaufen muss??

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  • rengio am 17.07.2014 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Plastik entsorgen

    Schlimm finde ich immer noch, dass Kunststoff noch immer zum normalen Abfall gehört. Hier sollte dringend angesetzt werden und nicht nur für Shampoo- und Abwaschmittel-Flaschen.

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  • Frederique am 17.07.2014 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    besser

    je mehr ich zurückgeben kann, desto weniger Kosten entstehen bei mir. Ich recycle so ziemlich alles. Zum Glück liegt auch eine grosse Deponie in meiner Nähe wo ich das entsorgen kann. Aber auch unterwegs achte ich dass ich PET oder Alu in den richtigen Behälter schmeisse.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dominik Brodhage am 07.08.2014 01:02 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz ist schon Weltmeister!

    Luxusprobleme eines Landes, dem es (gottseidank) immer noch gut geht. Als ich noch in der Schweiz wohnte habe ich 2.80 pro 35l Sack bezahlt, heute bezahle ich 16 USD im Monat und kann ALLES an den Strassenrand stellen. Recycling und kleine Autos interessieren hier niemanden, wir haben ganz andere Probleme.

  • marcel thalmann am 20.07.2014 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ansatzfrage....

    Die Industrie ist am Zug, der Verpackungswahn. Muss ja alles eingeschweisst in Plastik verpackt auf Kartonunterlage mit nochmehr sinnlosem Verpackungsmaterial umhüllt sein. Ein Sinn dahinter kann sein, die Bürger mit Recycling zu beschäftigen damit diese abgelenkt sind von den Sachen, die eigentlich wichtig wären.

  • Annemarie am 18.07.2014 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Geringer Aufwand

    Ich rezykliere seit eh und je alles, was man in unserer Gemeinde rezyklieren kann. Der Aufwand ist gering. Könnte ich Kunststoff abgeben, wäre mein Abfallsack vermutlich fast leer. - Die Schweiz ist wahrscheinlich Weltmeister, weil bei uns praktisch alles erfasst wird. In Italien, Frankreich usw. habe ich schon ganze Wohnungseinrichtungen in der Macchia gesehen - Sofa, Matratzen, Kühlschränke usw. Wurde vermutlich vorher nicht gewogen.

  • Tetris am 18.07.2014 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    System überdenken

    Problematisch finde ich, dass wir bald alles brennbare aus dem Schwarzkehricht separat entsorgen/recyclen und der unbrennbare rest dann trotzdem in den Ofen geschmissen wird und mit gepresstem Plastikmüll der vorher separat gesammelt wurde, Papier, Altholz oder noch schlimmer, mit Heizöl, ergänzt werden muss, damit überhaupt noch etwas davon brennt.

    • Anita am 18.07.2014 16:53 Report Diesen Beitrag melden

      hat schon was....

      es wären ja nicht nur die Shampooflschen, sondern auch die Verpackungen von Samali, Aufschnitt und co. Auch wenn man offen bei Metzger kauft.... und vieles mehr!Meine Nachbarn können ja jetzt schon nicht trennen (Tetra=Kartonabfall etc.) und nun sollen noch mehr Vorlagen komen?

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  • Sandy Kaufmann am 18.07.2014 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz als Retter der Welt

    Hauptsache die gigantisch, grosse Schweiz rettet die Welt! Während in anderen Ländern der Abfall direkt vor dem Haus verbrannt wird. Aber auch ich stimme zu, dass der Verpackungswahn eingedämmt werden sollte. Zumindest sollten alle Kunststoffe an Entsorgungsstellen abgegeben werden können.