Unwetter-Chaos

29. Juli 2014 07:51; Akt: 29.07.2014 11:15 Print

«Wir rechnen mit Millionen-Schäden»

Die Feuerwehrleute in den Kantonen haben eine strenge Nacht hinter sich. Mehrere hundert Mal mussten die Einsatzkräfte ausrücken. Die Schadenshöhe ist noch nicht bezifferbar.

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Blick über den Genfersee von Lausanne aus, am Morgen des 31. Juli. «Wegen des andauernden Regens haben wir 20 cm Wasser im Garten», schreibt Leser-Reporter A. Meyer aus Erzenholz bei Frauenfeld TG. Für die Nacht auf den 31. Juli haben Meteorologen bis zu 30 Liter Regen pro Quadratmeter vorausgesagt. «Nicht nur die Menschen leiden unter den aktuelle Wetterkapriolen», erinnert uns Leser-Reporter Pascal Rupp. Er hat beobachtet, wie sich eine Maus bei Erlen TG an Land gerettet hat. Wegen der starken Regenfälle wurden erhebliche Mengen Schwemmholz in Schweizer Seen gespült. Auf dem Brienzersee wird das Treibgut mit Schwemmholzsperren gebunden. Schiffsführer werden aufgefordert, erhöhte Vorsicht walten zu lassen. Die Hochwasser führende Aare im in der Matte nach erneuten heftigen Regenfällen am Dienstag, 29. Juli 2014. Am Nachmittag des 29. Juli zogen gleich mehrere Funnel über Schweizer Seen. Funnel sind Vorstufen von Wasserhosen, ... ... die aber die Wasseroberfläche nicht berühren. Laut Meteonews sind diese Trichterwolken ungefährlich. Am Morgen nach dem Unwetter werden im Rheintal die Schäden begutachtet. Mit vereinten Kräften wird der Schlamm aufgetürmt ... ... und abtransportiert. Das Ausmass der Schäden wird erst in ein paar Tagen klar sein. In Berneck SG helfen alle bei den Aufräumarbeiten mit. Auch in Bumbach im Kanton Bern gibt es nach einem Hangrutsch viel zu tun. In Altstätten SG steht ein Restaurant unter Wasser. Blick aus der Vogelperspektive auf Altstätten SG am Dienstagmorgen, 29. Juli. Wassermassen wälzen sich durch die Stadt. Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gang. Land unter in Altstätten: Sogar Autos werden mitgerissen, wie Videos von 20 Minuten-Leser-Reportern zeigen. Flut in Altstätten SG. Ein Leser-Reporter hofft nur noch auf ein Ende. In Altstätten steht die Ringgasse unter Wasser... Wie auch der Bahnhof. Wo die Fluten wieder nachlassen, zeigt sich ein Bild der Zerstörung. Galterenbach im Kanton Fribourg: Wasser über statt unter der Brücke. In Luthern ist eine Strasse zerstört worden. In Sempach stand der TCS-Campingplatz teilweise unter Wasser. Die meisten Camper nahmens laut TCS mit Humor. «Heute schwimmen wir im Zelt und nicht im See», scherzen die Campingbewohner. Auch in Agno ist der Zeltplatz überflutet. Die Ilfis in Emmental wird zum reissenden Fluss. «Fussballplatz oder Schwimmbad?», fragt ein Leser aus Menznau. Im Appenzellerland hagelt es: Ein Bild aus Gais. Auch in Hütten ZH kam es am Montagabend zu Überschwemmungen. Aus Schüpfheim LU erreichen uns ebenfalls dramatische Bilder. Im Kanton Luzern sind innert weniger Stunden um die hundert Schadensmeldungen eingegangen. Die Feuerwehr steht im Dauereinsatz. In Muttenz steht ein Keller unter Wasser. Auch in Wallisellen ZH beginnt es nach dem Feierabend mit dem Regen. Der Bahnverkehr ist durch das Unwetter im Emmental gestört. Das Emmental steht wieder unter Wasser. In Zäziwil sind Strassen überflutet. Der Kreisel gleicht einem Bach. Auch in Wolhusen LU fahren die Autos durchs Wasser. «In Mirchel/Oberhünigen verwandelten sich die Strasse innert kürzester Zeit in einen Bach und die Weiden in einen See», schreibt ein Leser. In Luthern LU braucht es ebenfalls Wasserfahrzeuge. Das Wasser bahnt sich seinen Weg ... ... auch durch das Dorf. In Biel Benken BL sind dunkle Wolken und Blitze zu sehen. In Luthern stehen Gärten unter Wasser. In Allschwil BL hat der Hagel einen Pavillon zerfetzt. Auch im Tessin in Agno sieht es düster aus. Die Gewitterfront hat Basel erreicht. In Basel gab es am Nachmittag viel Regen und Hagel. Einige Strassen waren schnell unter Wasser. Dunkle Wolken über Seftigen BE. Am Montagnachmittag fielen in Flüh SO riesige Hagelkörner. Auch in Muttenz fiel eine Menge Hagel. Weisse Körner gab es auch in Laufental BL. Warnstufe Rot für die westlichen Vor- und Hochalpen sowie fürs Berner Oberland auf dem Wetterportal Meteonews.

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Das Chaos, welches das Unwetter in den Kantonen angerichtet hat, ist noch nicht überschaubar. Klar ist nur: Der Schaden ist enorm.

«Wir rechnen mit Millionen», sagt Gian Andrea Rezzoli von der Kantonspolizei St. Gallen. Keller, Tiefgaragen und Industrieanlagen wurden geflutet. Besonders stark betroffen sind Altstätten und Berneck.

Die Ruppenstrasse in Altstätten SG ist gesperrt. Wasser läuft über die Strasse und es kam zu einem Hangrutsch. Der Zustand der Strasse müsse erneut geprüft werden, so Rezzoli. Im Kanton St. Gallen musste die Feuerwehr insgesamt 130 Mal ausrücken.

Wassermassen in Altstätten SG:

70 Einsätze innert zwei Stunden

Auch in Gais und im Appenzeller Vorderland kam es durch die starken Niederschläge zu unzähligen überfluten Kellern und Garagen.

Bei der Kantonalen Notrufzentrale in Herisau gingen in der Zeit zwischen 18 und 20 Uhr rund 70 Notrufe aus den Gemeinden Gais, Wald, Heiden und Reute ein. Einzelne Hänge gerieten ins Rutschen und in Wald schlug der Blitz in einen Stromverteilerkasten ein. Das Ausmass der Schäden kann noch nicht beziffert werden, teilt die Kapo AR mit.

Die Strasse von Gais nach Altstätten ist infolge Aufräumarbeiten in Altstätten gesperrt.

Grosses Aufräumen in Luzern

Die Gebäudeversicherung Luzern (GVL) rechnet mit mehreren hundert Schadensmeldungen, Gebäudeschäden und einer Schadenssumme von über einer Million Franken.

GVL-Direktor Dölf Käppeli sagte, die Telefone klingelten ununterbrochen. Es seien am Dienstagmorgen schon über hundert Schadensmeldungen eingegangen.

Von den gewittrigen Starkniederschlägen betroffen waren vor allem die Napfregion und das Gebiet Sempachersee. Die grösste Schadensansammlung gab es gemäss Käppeli in Schüpfheim sowie in Nottwil.

In der Nacht auf Dienstag waren im Kanton Luzern 22 Feuerwehren mit 700 Personen im Einsatz gestanden.

Seit 9 Uhr wieder befahrbar ist die Bahnstrecke Luzern-Olten. Diese war zwischen Sempach-Neuenkirch und Nottwil unterbrochen gewesen, weil am Montagabend die Gleise überspült worden waren.

Ruhige Nacht im Aargau

Im Kanton Zürich seien die Schäden im Vergleich zu anderen Kantonen eher gering, sagt Roland Portmann, Sprecher von Schutz und Rettung: «Die Feuerwehren hatten seit Montagabend rund 80 Einsätze. So waren etwa Keller und Strassen überflutet oder sie mussten abgerissene Äste wegräumen.»

Eine angespannte, aber ruhige Regennacht erlebte der Kanton Aargau. Einzig die Wigger schwoll bei Zofingen kurzzeitig von 5 auf 120 Kubikmeter an, worauf die Feuerwehr zu einer Lagebeurteilung ausrückte. Schäden gab es keine. «Sämtliche Abflüsse haben die prognostizieren Werte nicht erreicht, die Berner haben gut reguliert», hiess es beim Kantonalen Führungsstab auf Anfrage. Auf Hochwassersperren beim Rhein in Wallbach werde verzichtet.

(woz/sda)