Ego-Generation wehrt sich

02. Oktober 2014 13:23; Akt: 02.10.2014 13:37 Print

«Wir sind nicht alles Zombies»

von D. Pomper - Jugendliche von heute seien wie Zombies, die sich nur um sich selber kümmerten, sagten Experten. Der 25-jährige Maler Michael Vinkovic beweist das Gegenteil.

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Herr Vinkovic, es wachse eine Zombie-Generation heran, beobachten Experten. Sind Sie auch ein solcher Zombie, dem Konflikte auf der Welt gleichgültig sind?
Nein! Wir sind nicht alles Zombies. Ich bin 25 Jahre alt und gehöre somit zwar zur Generation Y. Doch es sind nicht alles lethargische, egozentrische Wesen. Ich zum Beispiel setze mich leidenschaftlich gerne für Dinge ein und habe die Informations-Plattform Vactum.com gegründet. Den Begriff Selfie kenne ich nur vom Hörensagen. Ich stelle keine Poserbilder online, damit ich bewundert werde. Dieser Selbstdarstellungshype geht mir auf die Nerven. Darum bin ich weder auf Facebook, Instagram oder Twitter.

Umfrage
Wieso demonstrieren Sie nicht auf der Strasse gegen Ungerechtigkeiten?
8 %
9 %
15 %
14 %
20 %
17 %
8 %
9 %
Insgesamt 7417 Teilnehmer

Stimmt es aber, dass es der Mehrheit ihrer Altersgenossen egal ist, was auf der Welt passiert, solange es sie nicht selber betrifft?
Oh ja. Man hört zwar von Krisen und Kriegen. Doch das ist alles weit weg und betrifft uns nicht direkt. Es geht uns einfach zu gut. Ich stelle fest: Das Einzige was für Männer zählt, sind Autos, Muskeln, Fussball und Geld. Viele identifizieren sich durch das Haben statt durch das Sein. Ich habe viele Kollegen, die gehen nach der Arbeit nach Hause, gamen und gehen dann saufen. Das ist doch traurig!

Und die Frauen?
Für sie zählen nur Freunde und Ausgang. Das wars dann. Eine schöne Frau zu finden ist kein Problem. Eine, die aber nicht die ganze Zeit mit einem Handy vor dem Gesicht rumläuft, fast unmöglich. Wie oft habe ich schon versucht, mit einer Frau über weltpolitische oder wirtschaftliche Themen zu diskutieren. Doch es interessiert sie einfach nicht. Sie sagen mir: Michi, du bist einfach zu kompliziert. Dabei bin ich ein einfacher und pragmatischer Mensch.

Warum ist ihrer Meinung nach ihre Generation so geworden, wie sie ist?

Ich glaube, dass die sozialen Medien uns asozial machen. Ausserdem ist unsere Generation vom Konsum völlig eingenommen. Wenn ich im Alltag Menschen sehe, die dauernd auf ihre Handys starren, sehen sie wirklich aus wie Zombies. So leblos. Sie nehmen gar nicht mehr an der Gesellschaft teil und grenzen sich aus. Das Zwischenmenschliche geht völlig verloren. Wir sind oberflächlicher geworden und haben das Gespür für die wichtigen Dinge im Leben verloren.

Sind Sie denn völlig vom Selbstdarstellungswahn befreit? Sie legen doch auch Wert auf ihr Äusseres…
Ich gehe zwar ins Fitness und ins Boxen. Aber ich identifiziere mich nicht über meinen Bizeps. Ich weiss, was essenziell ist. Wichtig ist alleine der Charakter und dass man als Bürger seine Verantwortung wahrnimmt.

Inwiefern machen Sie das?
Wie gesagt habe ich die interaktive Nachrichtenseite vactum.com gegründet. Dort schreiben ich und meine Teamkollegen Artikel zu Wirtschaft, Demokratie, Gesundheit, Technik, Musik und vieles mehr. Wir fordern Leser dazu auf, selber Artikel zu schreiben, die ihnen wichtig erscheinen. Jeder kann uns informative Beiträge, seine Projekte und Empfehlungen zukommen lassen. Wir wollen, dass Stimmen gehört werden und Bloggern eine Plattform bieten. Wir wollen dem Gefühl der Hilflosigkeit, dem Gefühl, nichts ausrichten zu können, das ich bei vielen jungen Menschen spüre, entgegenwirken. Jeden Abend nach meiner Arbeit auf dem Bau investiere ich einige Stunden in die Plattform. Ausserdem engagiere ich mich als Kantonsvertreter Thurgau für die Vollgeldinitiative. Kürzlich habe ich hierfür an einer Veranstaltung an der HSG teilgenommen. Doch die Studenten haben mich enttäuscht.

Warum?
Ich habe mich mit vielen Studenten unterhalten und war erstaunt, dass sie keine Ahnung vom Thema hatten. Vom Ausbildungsniveau sind sie mir ja überlegen, ich bin ja nur ein Bauarbeiter. Ich hatte den Eindruck, dass die Studenten einfach lernen, was ihnen vorgesetzt wird, sich aber nicht die Mühe machen, sich noch zusätzlich zu informieren. Wissen ist keine Bildungs-, sondern eine Einstellungssache.

Eine Umfrage von 20 Minuten zeigt, dass 20 Prozent der Jungen glauben, dass es gar nichts bringt, sich zu engagieren. Zu Recht?
Ein Einzelner kann wenig ausrichten, gemeinsam aber kann man etwas ausrichten. Daran glaube ich. Aber manchmal ist es schon verdammt schwer. Kürzlich hat mir mein Vater gesagt, ich solle meine Zeit doch lieber in etwas investieren, das Geld bringt. Es gibt schon Momente, in denen ich mich frage, warum ich das mache. Da investiert man so viel Zeit für so wenig Klicks.

Was ist denn ihr Antrieb?
Als Bürger hat man die Verantwortung, sich für Dinge einzusetzen, die einem wichtig sind. Es ist sinnlos, wenn man nur herumvegetiert, träge und stumpf wird.

Was wünschen Sie sich für eine junge Generation?
Ich verlange nicht, dass sie die Revolution ausrufen. Aber es wäre schön, wenn sie für Dinge, die ihnen wichtig sind, mehr Leidenschaft entwickeln und sich dafür einsetzen würden – auch wenn das einen Mehraufwand auf Kosten der Freizeit bedeutet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon Zindel am 02.10.2014 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Müde

    Es macht einfach unglaublich Müde immer und immer wieder als "Faule und Lustlose" Generation pauschalisiert zu werden. Wie kann man von einer Generation verlangen, dass sie voll Enthusiasmus auf den Ruinen ihrer Vorgängergenerationen aufwächst und sich für alles engagieren was falsch gelaufen ist und das unbedingt mit den Mitteln wie vor 20 oder 50 Jahren. Wo sind den die Menschen, die die Welt zu dem gemacht haben, was sie heute ist? Die stehen auch nicht auf der Strasse! Macht nicht uns verantwortlich für euer Handeln (oder eben Nicht-Handeln!)

  • Vale18 am 02.10.2014 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Selfie

    naja, das Bild von ihm ist aber ein Selfie ...

  • Petra Chevalier am 02.10.2014 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Freizeit und Engagement

    Lieber Herr Vinkovic, mit Interesse haben ich Ihren Bericht gelesen und finde es gut wie Sie sich engagieren. Mir ist aufgefallen, dass Sie ja auch viel von Ihrer ganzen Freizeit vor dem PC verbringen. - Klar für Ihre Plattform. (Ich war noch nicht auf der Plattform) - Aber es wird ja auch nur online diskutiert. (oder?) Viele, auch junge Menschen sind heute sehr nervlich gestresst im Job. Man könnte ja das bisschen Freizeit auch mit sozialen Engagement, mit Sport, Musik, u.s.w. verbringen. Das würd auch persönliche Befriedigung bringen. Evtl. fehlt was zu den "Kicks", die Sie vermisst haben?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Petra Chevalier am 03.10.2014 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sie müssen sich nicht rechtfertigen

    @Michael Vinkovic Sie müssen sich nicht rechtfertigen. - Ich habe nur meine Gedanken zum Artikel oben in 20 Minuten eingebracht. :-)) Und ich finde es immer wieder interessant wie sich Menschen schnell "angegriffen" fühlen und sich rechtfertigen müssen. Warum eigentlich?

  • Petra Chevalier am 03.10.2014 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, Umdenken muss jeder selber

    @Tatiana Es ist interessant, das immer die anderen schuld sind. Die Medien, Menschenrechtler, Wissenschaftler, u,s.w. Aber verantwortlich sind immer noch die Eltern, die ihren Kindern ein vorbildliches Leben vorleben sollten. Es ist einfach immer alles anderen in die Schuhe zu schieben. Da kann man nicht immer den Medien, den Wissenschaftlern, u.s.w. die Schuld in die Schuhe schieben. :-)) Ohne Geld geht es nicht im Leben, aber man muss auch nicht immer alles haben. Vielleicht in einem Jahr das eine, nächstes Jahr das andere. Das Umdenken findet in jedem selber statt.

  • Petra Chevalier am 02.10.2014 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Evtl. meinen Kommentar nochmal lesen?

    @60plus Wenn Sie meinen Kommentar richtig gelesen hätte, dann hätten Sie gelesen, dass ich mich mit dem "Kick" auf die Worte von Herr Vinkovic im Artikel oben beziehe. Ich habe nicht geschrieben, dass Herr Vinkovic keinen Kick hat. Und wenn er jeden Abend einige Stunden am PC für seine Plattform verbringt , dann hat er aber auch nicht viel sozialen Kontakt "von Mund zu Mund" oder "Auge zu Auge" hat.(könnte ich mir vorstellen)

  • Tobias Müller am 02.10.2014 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Kritik

    Und Frauen? "Für sie zählen nur Freunde und Ausgang. Das wars dann." Also Sexistischer geht es wohl kaum mehr? Vielleicht mal nach einem anderen Frauen-Typ suchen anstatt: "Eine schöne Frau zu finden ist kein Problem...". Und dann: "Ich glaube, dass die sozialen Medien uns asozial machen" .... sagt einer, der "Jeden Abend nach meiner Arbeit" "einige Stunden in" ein soziales, interaktives Medium (seine Platform/Internet) "investiert"!

  • Tobias Müller am 02.10.2014 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Selber ein Klischee?

    Irgendwie lustig. Er kritisiert ein Klischee (Zombie-Generation) und fängt dann selber an Klischees herunterzubeten. Es gab früher genauso viele Jugendliche die sich nicht für Politik interessiert haben wie heute. Die Wahlbeteiligung(NRat) in der Schweiz war 2011 genau gleich hoch wie 1979. Ausserdem, ob ich nun ins Smartphone, in die Zeitung, in ein Buch oder in die Luft starre, macht bezüglich öffentlicher Kommunikation keinen Unterschied. Es sprachen mich vor 20 Jahren genau gleich wenige Leute im Pendlerzug an wie heute.