Sozialhilfe-Richtlinien

31. Januar 2015 08:07; Akt: 31.01.2015 08:57 Print

«Wir sind nicht zu grosszügig»

von Ph. Flück - Die Skos schlägt unter anderem eine Erhöhung des Grundbedarfs in der Sozialhilfe vor. Co-Präsident Felix Wolffers erklärt, warum.

Variante eins stellt den Status Quo dar. Bei Variante zwei erhöht sich der Grundbedarf der Sozialhilfe bei Ein- und Zweifamilienhaushalte. Variante drei erhöht ebenfalls die Sozialhilfe bei Ein- und Zweifamilienhaushalte, verringert jedoch der Grundbedarf bei grösseren Familien.

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Sie schlagen vor, die Gelder für den Bedarf des täglichen Lebens für Einzelpersonen um knapp 100 Franken zu erhöhen. Reichen 986 Franken für Kleider und Essen nicht aus?

Nein, so ist das nicht. Das Bundesamt für Statistik hat in einer Studie untersucht, wie hoch das Existenzminimum in der Schweiz sein muss und ist zum Schluss gekommen, dass der heutige Betrag in der Sozialhilfe um rund 100 Franken zu tief angesetzt ist. Wir stellen vier Varianten zur Diskussion, welche für grosse Familien teilweise eine Senkung der Beträge vorsehen, teilweise aber für Kleinhaushalte auch eine Erhöhung. Wir haben hierzu eine Umfrage unter den Mitgliedern der Skos gestartet. Die Rückmeldungen zeigen dann, in welche Richtung es gehen soll. Ich betone, dass die Skos dabei ergebnisoffen ist.


Lohnt es sich überhaupt noch für Personen in Einzelhaushalten zu arbeiten, wenn der Grundbedarf erhöht würde?

Auf jeden Fall. Wenn jemand arbeitet, erhält er auch in schlecht bezahlten Berufen gegen 4000 Franken im Monat. In der Sozialhilfe erhält eine Einzelperson nur etwa 2300 Franken und kann auch keine zweite Säule aufbauen.


Kritiker sagen, die Skos gehe zu grosszügig mit der Sozialhilfe um und baue so eine soziale Hängematte auf.

Wir haben überhaupt nicht das Gefühl, zu grosszügig zu sein. Ein Beispiel dazu: In einer vierköpfigen Familie erhält jede Person vom Sozialamt pro Tag 6.70 Franken für Nahrungsmittel und Getränke und einen Franken pro Tag für Verkehrsauslagen. Das ist kaum zu grosszügig. Da muss eine Familie sehr gut überlegen, wie sie die Haushaltkosten im Griff behält.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die heutigen Empfehlungen bei Ein- und
Zweipersonenhaushalten den Grundbedarf nicht abdecken. Doch oft wohnen gerade junge Leute allein. Sollte man nicht bei ihnen restriktiver sein, damit sie den Weg in die Berufswelt finden?

Auch das ist ein Punkt, den wir klären wollen. Deshalb stellen wir in der Vernehmlassung die Frage, ob Personen bis 25 Jahre grundsätzlich weniger Leistungen erhalten sollen. Die Skos wird hierzu nach Ablauf der Vernehmlassung Vorschläge ausarbeiten. Entscheiden muss dann aber die Konferenz der kantonalen Sozialdirektoren. Die in der Konferenz zusammengeschlossenen Regierungsräte werden neu die Unterstützungsrichtlinien erlassen, nicht mehr die Skos.

Was ist mit den in Grenznähe lebenden Sozialhilfeempfängern, die nun billig in Deutschland einkaufen können? Sollte man dies nicht auch noch berücksichtigen?

Wir sprechen von Richtlinien, die erst 2016 geändert werden. Im Herbst wird die Sozialdirektorenkonferenz über die Höhe der Richtlinien entscheiden. Klar ist, dass die Sozialhilfeleistungen wie Renten oder Löhne immer auch der Teuerung angepasst werden sollten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • citoyen am 31.01.2015 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nicht einmal die halbe Wahrheit

    Ein Ehepaar mit 2 Kindern erhält monatlich 5600 Franken Sozialhilfe. Der Grundbedarf macht weniger als 50% aus! Dazu kommen Miete/Krankenkasse,Zahnarzt/ "situationsbedingte Leistungen". Die Liste zum letzten Punkt ist unendlich lang, z.B. Versicherungs-und Abokosten, Wohnungseinrichtung, Betreuungskosten f.Kinder, Integrationsprogramme. Ein Auto liegt da locker drin, wenn man bei den Kindern spart. Noch etwas: ALLES STEUERFREI! Wer ist so blöd und arbeitet noch? Keine Stimme den Linken, die uns das alles eingebrockt haben!

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  • Stern Himmel am 31.01.2015 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialhilfebetrug

    Wenn ein Sozialhilfeempfänger als Willensvollstrecker ( gleichzeitig Miterbe) eingesetzt wird, und tausende von Franken am Fiskus vorbei, auf eines seiner vielen Bankkonten verschieben kann. Ein ganzes Jahr zwei Anwälte mit einer einfachen Erbteilung beschäftigt , und gleichzeitig Sozialhilfe bezogen hat, obwohl Geld vorhanden, das er stillgelegt hat, durch ewige Verzögerungen. Zwei völlig Überforderte Anwälte, der eine kein Kämpfer, der andere ein Bekannter des Sozialhilfeempfängers. Als Arbeiter und Steuerzahler kommt man sich da verarscht vor.

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  • Candid Bühlmann-Fenner am 31.01.2015 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Der Praktiker berichtet:

    Eine Familie mit Mann, Frau und zwei minderjährigen Kinder erhält nach mir vorliegender Abrechnung des Sozialamtes einen totalen Sozialhilfe-Betrag von Fr. 6'844.-- netto und steuerfrei. Dies kann mit Urkunden bewiesen werden! Ich frage mich, wieviel ein Bauarbeiter mit seiner täglichen Schwerarbeit brutto verdienen muss, damit er netto und steuerfrei am Ende eines Monats Fr. 6'844.-- auf seinem Postscheck-Konto hat? - Das geht doch nicht mehr mit rechten Dingen zu? Das ist schlicht und einfach übertriebene Sozialhilfe und hemmt jede Motivation für eine Aenderung der eigenen Situation.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bs am 01.02.2015 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hurra ein schönes Leben

    Die Schweizer sind bekannt als arbeitsame fleißige geduldige und sparsame Bürger. Das ist ja das Erfolgsrezept der Schweiz. Warten wir mal ab wie es mit diesem Erfolgsrezept weitergeht wenn diese bewundernswerten Bürger begreifen das man mit dem Rezept der Linken ohne zu arbeiten am Ende des Monats gleichviel oder sogar noch mehr Geld in der Tasche hat. Sie haben ja der Lohn vom Staat erhalten ohne zu arbeiten. Das ist doch ein wunderbares Leben !!!!!

  • B. Kerzenmacher am 01.02.2015 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer...

    Bürger die 25 Jahre lückenlos einzahlten und unverschuldet den Job verlieren, erhalten noch nicht mal Arbeitslosengeld geschweige denn Sozialhilfe. So sieht es aus!

  • Walter Spahni am 01.02.2015 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bediungungsloses Grundeinkommen!

    Wenn alle ein bed.loses Einkommen hätten, könnte man sich die ALV, AHV und das Sozialamt sparen! Diese Sozialindustrie kostet uns Unmengen an Geld und Aufwand.

  • Mile am 01.02.2015 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh je!

    Mit dieser Aussage haben dass sie bei Schweizer Bürger nicht zu grosszügig seit! Alles andere erübrigt sich da kann sich jeder selber seine Gedanken machen!

  • me am 01.02.2015 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betreuung?

    Für was brauchen sie Betreuungsgeld, sie sind ja zuhause und können selber schauen?!