SBB vs. Trenitalia

25. September 2009 18:32; Akt: 25.09.2009 19:33 Print

«Wir sind nun auch Konkurrenten»

von Adrian Müller - SBB-Boss Andreas Meyer verkündete heute das Ende von Cisalpino - und der Nachtzüge Schweiz-Italien. Im Interview mit 20 Minuten Online erklärt er, was nun besser wird. Und warum er im Kloster verhandeln musste.

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SBB-Chef Andreas Meyer und Trenitalia-Boss Mauro Moretti beteten gemeinsam im Kloster Assisi für einen erfolgreichen Abschluss der Cisalpino-Auflösung. (Bild: Keystone)

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20 Minuten Online: Der Name Cisalpino stand für Pannen ohne Ende. Sind Sie froh dass ihre Tochtergesellschaft endlich aufgelöst wird?
Andreas Meyer: Wir wechseln in eine andere Form der Zusammenarbeit der SBB mit den Trenitalia. Wir sind nur einerseits Partner. Ich rechne aber auch damit, dass es eine Wettbewerbssituation um die Qualität der zwischen den Zügen von uns und den Trenitalia geben wird. Denn natürlich will keiner hinter den anderen stehen. Das ist der Qualität sicher förderlich. Die Situation auf der Nord-Süd-Achse wird sich aber nicht schlagartig verändern, sondern Schritt für Schritt.

Neben den Cisalpino-Pannenzügen ist das italienische Zugsregime für die grossen Verspätungen verantwortlich. Haben die SBB Zusicherungen, dass sich hierbei etwas ändert?
Die SBB-Neigezüge werden keine höhere Priorität im italienischen Verkehr als die jetzigen Cisalpino erhalten. Dafür braucht es regulatorische Änderungen. Die Prioritätenordnung kann Trenitalia nicht selber verändern. In erster Line geht es hierbei um die Koordination der Baustellen, damit die Züge flüssiger fahren können.

Sie sind mit dem Chef der italienischen Staatsbahnen, Mauro Moretti, ins Kloster gegangen. Können Sie uns mehr über diesen ungewöhnlichen Verhandlungstag erzählen?
Wir hatten eine schöne, lange Tagung in Assisi, in der Nähe von Perugia . Ich und Mauro Moretti assen im Kloster zu Mittag. Dort versuchten wir, mit Beten die Verhandlungen über die Cisalpino-Auflösung voranzubringen. Das hat geholfen. Ich muss Ihnen aber sagen: Die Lösung haben wir in zähen Verhandlungen erarbeiten müssen.

Sie haben heute auch bekannt gegeben, dass künftig keine Nachtzüge mehr nach Italien fahren. Damit geht eine Epoche zu Ende. Blutet Ihnen da nicht das Bähnlerherz?
Natürlich kommen da auch nostalgische Erinnerungen hoch, etwa als ich als Kind im Nachtzug mit meinen Eltern nach Rimini in die Ferien gefahren bin. Aber die Fakten sind klar: In den letzten Jahren hat sich die Nachfrage drastisch verringert: Von 300'000 auf zuletzt 90'000 Passagiere pro Jahr. Das Angebot im internationalen Bahnverkehr hat sich stark verbessert. Der nächste Meilenstein steht mir der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels bevor. Dann werden sie in zweidreiviertel Stunden von Zürich nach Mailand fahren können. Von dort aus fahren die neuen italienischen Hochgeschwindigkeitszüge etwa weiter nach Rom. Da können die Nachtzüge nicht mehr mithalten.