Energiegesetz

19. April 2017 12:16; Akt: 19.04.2017 12:56 Print

«Wir verbrauchen so viel Strom wie St. Gallen»

Stahl Gerlafingen ist einer der grössten Stromverbraucher der Schweiz. Chef Daniel Aebli engagiert sich an vorderster Front für die Energiestrategie.

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Herr Aebli, Sie produzieren mit ihren 470 Mitarbeitern im Jahr 650'000 Tonnen Stahl aus Schrott. Wie hoch ist Ihre Stromrechnung?
Unsere Energiekosten – für Strom, Gas und Sauerstoff – betragen rund 35 Millionen Franken pro Jahr. Dabei verbrauchen wir 350 Gigawattstunden Strom. Das entspricht dem Verbrauch von 70'000 bis 80'000 Haushalten oder der Stadt St. Gallen. Das mag nach viel aussehen, aber würde der Stahl nicht recycelt, sondern aus Eisenerz gewonnen, bräuchte dies dreimal mehr Energie.

Im Gegensatz zum Branchenverband Swissmem kämpfen Sie für das Energiegesetz. Warum?
Dass der Bau neuer AKW verboten wird, ein Technologieverbot, stösst vielen im Hausverband sauer auf. Ich bin auch nicht mit allem glücklich, aber das Gesetz ist ein guter Kompromiss. Erneuerbare Energien und die Energieeffizienz werden gefördert, die Subventionen sind im Gegensatz zu heute befristet. Der Kostenrahmen von rund 500 Millionen Franken ist klar.

Der Basler Wirtschaftsprofessor Silvio Borner sagt, Sie seien geködert worden. Das Energiegesetz befreit energieintensive Unternehmen wie Ihres von der Abgabe zur Förderung erneuerbarer Energien. Die Rechnung bezahlen am Ende die Haushalte und KMU.
Wir wurden nicht geködert, sondern stehen in einem internationalen Wettbewerb. Müssten wir den Netzzuschlag gemäss dem revidierten Energiegesetz entrichten, würde uns das 8 Millionen Franken jährlich kosten. Das wäre existenzbedrohend. Energieintensive Firmen erhalten nicht einfach einen Blankoscheck, sondern müssen sich gegenüber dem Bund verpflichten, die Energieeffizienz zu steigern. Erreichen wir die Ziele der Vereinbarung nicht, wird es teuer.

Wie sparen Sie Strom?
Wir beschäftigen drei Ingenieure, die laufend Effizienzmassnahmen eruieren und umsetzen. Wir haben etwa einen der effizientesten Öfen in Europa, nutzen dessen Abwärme, um Schrott vorzuwärmen, wechseln Motoren aus und versuchen, den Energieverbrauch zu Zeiten des Leerlaufs zu minimieren. Erst letzte Woche war eine Delegation eines japanischen Stahlproduzenten hier, um von uns zu lernen. Die Zielvereinbarung mit dem Bund sieht vor, dass wir die Energieeffizienz mit wirtschaftlichen Massnahmen in den nächsten zehn Jahren noch um 2,2 Prozent steigern können. Das zeigt: Wir sind schon sehr gut. Weniger gut sieht es bei den Haushalten aus. Adolf Ogi lehrte uns schon vor Jahren, wie man Eier kocht, passiert ist beim Energiesparen fast nichts. Auch bei den KMU liegt noch viel Potenzial brach.

Anders als Private können Sie günstig auf dem internationalen Strommarkt einkaufen. Kaufen Sie denn Ökostrom ein?
Der Stahlmarkt ist ein Weltmarkt. Da müssen Sie das Gleiche machen, wie Ihre Mitbewerber. Denn selbst wenn jemand ein Minergie-Haus baut, wird er kaum mehr für Stahl aus erneuerbaren Energien bezahlen.

Die Gegner sehen die Energiesicherheit in Gefahr, wenn die Vorlage durchkommt. Machen Sie sich Sorgen, dass Ihre Öfen kalt bleiben?
Eine Stromlücke gibt es so oder so, da die AKW das Ende der Lebensdauer irgendwann erreicht haben. Ein Teil der Gegner der Energiestrategie will neue AKW bauen, sagt es aber nicht offen. Doch das ist unrealistisch, weil in absehbarer Zeit ohnehin niemand auf die Idee kommen würde, in der Schweiz ein AKW zu bauen. Energie wird künftig nicht mehr jederzeit beliebig verfügbar sein. Wir müssen darum auf eine dezentrale Energieversorgung setzen und erneuerbare moderat zubauen. Und wir müssen uns von der Vorstellung lösen, die Schweiz müsse vollkommen unabhängig vom Ausland sein – das ist schon jetzt eine Utopie, ausser vielleicht beim Druck von Banknoten.

So wird im Kanton Solothurn Stahl recycelt:

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luegisland am 19.04.2017 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Internationaler Wettbewerb

    Offensichtlich stehen die Schweizer Haushalte nicht im internationalen Wettbewerb. Wie lange dürfen/können die CH-Bewohner noch abezockt werden?

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  • hrstfu am 19.04.2017 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja aber...

    Ich wohne in Gerlafingen. Stahl Gerlafingen hat vielleicht eine hohe Stromrechnung, das gleichen sie aber aus indem sie "billigere" Arbeiter beschäftigen.

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  • axfu am 19.04.2017 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral hoch drei

    Wie schön, wenn sich die stromintensivsten Grosskonzerne ihre saubere Welt, sauber reden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marta B, am 20.04.2017 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    Nach der Kranken-Kasse jetzt noch zusätzlich die Energiegesetz-Kasse: das bedeutet jedes Jahr doppelte Preis-Aufschläge.

  • Andy am 20.04.2017 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH, Energieentwicklungsland

    Die Schweiz ist ein 3. Welt-Land in Sachen erneuerbare Energie. Befinde mich grad ferienhalber in Portugal und staune über die zukunftsgerichtete Energiestrategie. Wind-, Sonne- und Wasserkraftwerke bringen hier schon einen grossen Anteil Energie. Modernste Technologie bietet dazu eine äusserst sichere Stromversorgung. Ein grosser Teil der Windkraftwerke wird auch in Portugal produziert und generiert sehr viele neue Jobs. Die Schweiz bringt es heute vielleicht auf 1% erneuerbare Energie...

  • Monique B am 20.04.2017 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    bis zum letzten Rappen...

    Mit dieser sogenannten Energiestrategie kann man die Normalbürger dann mit Jahr für Jahr steigenden Abgaben schön abkassieren.

    • Kurt am 20.04.2017 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Monique B

      Ist nicht so. Studieren Sie bitte die Vorlage.

    • Xsasan am 21.04.2017 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Monique B

      Im Gegenteil. Der im Gesetz festgehaltene Netzzuschlag schlägt mit ca. 40.- / Jahr zu Buche (deshalb hat Doris diese Zahl ins Spiel gebracht). Die Bevölkerung profitiert jedoch von höheren Mindeststandards in Sachen Energieeffizienz z.B. bei Neuwagen und beim Heizen (Gebäudesanierung). Anstatt über 3000 zu bezahlen (woher hat die SVP diese Zahl? Frei erfunden!) sparen wir in Zukunft Benzin und Heizöl.

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  • Niklaus am 20.04.2017 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die Energielüge

    Ich habe mir echt Zeit genommen und alle Kommentare gelesen und auch die von diesem Stahlmanager aber ich komme zum Schluss ein ja kann ich mir nicht leisten und deshalb wird es ein Nein geben.

  • Verwalteter Pöbel am 20.04.2017 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmabstinenz

    Ich spare Energie, indem ich nicht mehr stimmen gehe. Ist eh sinnlos.