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02. Februar 2019 19:11; Akt: 02.02.2019 19:11 Print

«Wir wollen Scheintote vor dem Tod retten»

Alban Salihu und Artist Saliu wollen Scheintote vor dem richtigen Tod retten. Vorgesehen sind unter anderem eine Sauerstoffmaske und ein Gadget für den Arm.

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Irgendetwas stimmt nicht mit dir. Du merkst, wie du langsam weggleitest, dein Puls ist kaum spürbar. Plötzlich bist du weg, aber nicht tot. Nach einer Weile öffnest du deine Augen und merkst, dass irgendetwas nicht stimmt. Es ist dunkel, eng. Du tastest deine Umgebung ab und merkst: Du liegst irrtümlich in einem Sarg. Du schreist, drückst und kratzt. Vergebens. Niemand kommt, um dich zu retten.

«Genau solche Situationen wollen wir vermeiden», erklärt Alban Salihu. «Unsere Technologie soll Scheintote vor dem Tod retten.» Der Geschäftsführer von End Life Technologies hatte die Idee zusammen mit seinem Kollegen Artist Saliu. «Wir interessieren uns seit längerem für den Scheintod. Ausgelöst wurde unser Interesse durch einen Vorfall in der Familie eines gemeinsamen Freundes im Ausland.»

Sauerstoffmaske und Arm-Gadget

Ihre Idee hätten die beiden auch mit Ricardo Torriani, Arzt aus Winterthur und Präsident des kantonalen Berufsverbands Hausärzte Zürich, besprochen. «Wir wollten offene Fragen mit ihm klären. Auch er war der Meinung, dass eine solche Technologie benötigt wird, um zukünftig menschliches Versagen zu verhindern.» Obwohl in der Schweiz ein Begräbnis erst nach 48 Stunden erlaubt ist, findet Torriani die Erfindung wichtig: «Wie lange Scheintote überleben, ist nicht genügend erforscht. Die Körperfunktionen laufen auf einem Minimum, sodass sie sicher auch länger als 48 Stunden aufrechterhalten werden können.» Es sei eine Urangst des Menschen, lebendig begraben zu werden. Torriani: «Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die so ein Produkt haben wollen.»

End Life Technologies bietet in einem Gesamtpaket eine Sauerstoffmaske und ein Arm-Gadget, das ab der offiziellen Todeserklärung getragen wird. Dieses verbindet den Scheintoten mit dem Leistungszentrum. Auch ein Einbaukit für den Sarg ist geplant. Dieses beinhaltet vier Sensoren, die alle paar Minuten dem System Statusabfragen senden. Weiter lässt sich im Sarg ein SOS-Gadget einbauen. Der Button stellt eine direkte Verbindung zur Aussenwelt her.

Zehn Scheintote pro Jahr

Weder den beiden Entwicklern noch dem Arzt sind Scheintot-Fälle in der Schweiz bekannt. Torriani: «Das Problem ist, dass es naturgemäss eine hohe Dunkelziffer gibt, auch wenn das Phänomen sicher selten ist.» 2002 gab der Rechtsmediziner Wolfgang Huckenbeck in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» an, dass nach Einschätzung in Deutschland pro Jahr mindestens zehn Scheintote beerdigt werden. Auch aus anderen Ländern sind Scheintot-Fälle bekannt (siehe Box).

«Natürlich sind wir froh, wenn uns die 20-Minuten-Leser ein Feedback geben, ob so etwas überhaupt gefragt ist. Wir sind auch Veränderungen gegenüber offen.» Denn bevor ihre Technologie auf den Markt komme, werde sie von Torriani und seinen Kollegen getestet. «Auch die Allianz wird unser Produkt abnehmen und mit einem Pflichtenheft sowie einem Testdrehbuch testen.» Die Kollegen haben bereits eine provisorische Patentanmeldung für 152 Länder.

(qll)