Hochpreisinsel

21. September 2016 10:26; Akt: 21.09.2016 15:26 Print

«Wir wollen nicht mehr für L'Oréals Profite zahlen»

von B. Zanni - Schweizer Konsumenten griffen oft zu Unrecht viel zu tief in die Tasche, sagt Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo.

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Frau Birrer-Heimo, wann fühlten Sie sich das letzte Mal als Schweizer Konsumentin beim Shoppen abgezockt?
Das kommt immer wieder vor, wenn ich zum Beispiel deutsche Zeitschriften kaufe, die in der Schweiz massiv mehr kosten. Und das finde ich nicht richtig, denn schliesslich handelt es sich um identische Produkte in Deutschland und in der Schweiz. Dazu kommen Kosten wie für den Transport in die Schweiz. Diese sind aber niemals so hoch. Daher rechtfertigen sich solche Preisdifferenzen nicht.

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Wofür bezahlt der Schweizer Konsument im Vergleich zu jenem im Ausland sonst noch zu viel?
Sehr oft betrifft es Kosmetik- und Körperpflegeprodukte. Auch Kleider sind in der Schweiz oft viel teurer als im Ausland. Ein Beispiel: Für ein Shirt von 40 Euro etwa müssen die Kunden auf Schweizer Online-Portalen 80 Franken bezahlen. Das ist schlicht und einfach eine Kaufkraftabschöpfung oder man kann es auch Abzockerei nennen.

Was will die Initiative «Stop der Hochpreisinsel» genau ändern?
Sie sorgt dafür, dass die Konsumenten hierzulande dank sinkenden Preisen bei den Importprodukten mehr für weniger bekommen. Künftig dürften ausländische Unternehmen Schweizer Importeuren Lieferungen nicht mehr verweigern und sie dazu zwingen, Produkte bei ihren Ablegern in der Schweiz zu höheren Preisen einzukaufen.

Wie soll das funktionieren?
Die Initiative schafft eine Verfassungsgrundlage, um das Wettbewerbsrecht zu verschärfen. Das heisst, die Wettbewerbskommission kann gegen Unternehmen vorgehen, die Lieferkanäle schliessen und schlicht versuchen, in der Schweiz einen teureren Preis durchzusetzen. Künftig wird die Kontrolle solcher Missbräuche über die marktbeherrschenden Unternehmen hinausgehen. Denn marktbeherrschend ist laut Wettbewerbskommission heute praktisch kein Unternehmen mehr.

Kann die Schweiz ausländische Betriebe unter Druck setzen?
Ja. Verweigert ein ausländisches Unternehmen einem Schweizer Unternehmen eine Lieferung, kann das Unternehmer Klage erheben. Befindet die Wettbewerbskommission diese für zulässig, wird sie höchstwahrscheinlich mit dem Unternehmen eine einvernehmliche Lösung suchen. Wir gehen nicht davon aus, dass viele Fälle vor Gericht landen.

Warum nicht?
Nur schon die Tatsache der Möglichkeit zu klagen, wirkt präventiv. Zudem müssen die Unternehmen mit einem Reputationsschaden rechnen, verstiessen sie gegen ein Gesetz.

Die Initiative geniesst breite Unterstützung. Aber ist es nicht auch gerecht, wenn die Menschen in einem der reichsten Länder der Welt bei gewissen Produkten tiefer in die Tasche greifen müssen?
Nein. Ein Mehrpreis muss auch mehr Leistung bringen. Schliesslich wollen wir die Wertschöpfung im Land behalten. Mit anderen Worten: Warum sollen die Schweizer riesige Gewinne für l’Oréal oder sonstige Marken finanzieren?

Verzichten Sie bewusst auf bestimmte Produkte?
Ich überlege mir einen Kauf schon eher zweimal. Ich kaufe immer noch in lokalen Geschäften ein, weiss aber, dass viele Konsumenten genug haben von den hohen Preisen und jenseits der Grenze billiger einkaufen gehen.


Prisca Birrer-Heimo ist Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, Co-Präsidentin des Vereins «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» und SP-Nationalrätin.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau Meier am 21.09.2016 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Hört auf, die Schweiz als eines der reichsten Länder der Welt zu bezeichnen. Es haben wenige Leute extrem viel Geld - der Rest geht arbeiten für einen normalen Lohn und muss aufs Geld schauen. Ich bin nicht arm, muss aber trotzdem kalkulieren damit mein Lohn reicht und bin kein Millionär! Somit bin ich gegen diese unverschämte Abzocke und für faire Preise. Ansonsten kaufe auch ich weiterhin mindestens 1x pro Monat in Deutschland ein, wo ich trotz Autofahrt immer noch viel weniger bezahle.

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  • Mara T. am 21.09.2016 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich mal jemand der es ausspricht! Klar und deutlich!

  • Mike am 21.09.2016 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AMAG und co.

    Ich sehe die Generalimporteure als eines der grössten Probleme. Bei Denner konnte man gut sehen, wie manche Preise mit Parallelimporte gesunken sind, ohne dass man Leute entlassen musste.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kranich am 22.09.2016 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Vogel Strauss

    Prisca Birrer-Heimo - sie möge mir den Vergleich verzeihen - erinnert mich irgendwie an den Vogel Strauss. Zumindest auf dem hier veröffentlichten Bild ;-)

  • Ein Mann am 22.09.2016 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Lügen!

    Es heisst ja immer Coop, Migros usw. wären ja so arm wegen Auslandeinkauf usw. Lohn der Arbeiter zu hoch usw. Solange ich sehe wie da ein Einkaufspalast nach dem anderen gebaut wird (aus dem nichts! Renovation noch nicht inbegriffen!) können die nicht von "arm" sprechen. Die Kunden werden da abgezockt, fertig! Anstatt das Geld immer wieder für neue Einkaufszentren direkt auszugeben, könnten die mal was auf die Seite legen und Sparen, gleichzeitig die Preise normalisieren.

    • Argus am 22.09.2016 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt!

      Es ist in der Tat so. Die vielen zusätzlichen, immer luxuriöser eingerichteten Läden bräuchte es nicht. Und das zusätzliche Personal für den Betrieb dieser Läden natürlich auch nicht. Würden Coop und Migros nicht in einem quasi konkurrenzlosen Markt geschäften und mit total überhöhten Preisen Traum-Margen realisieren, würde diese Geld-Verschwendung schnell aufhören. Leider darf man das in der Schweiz nicht mehr laut sagen, da gar viele Unternehmen am Tropf der beiden Detailhandelsgiganten hängen, nicht zuletzt die auf Werbeeinnahmen angewiesenen Massenmedien...

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  • lumpazi vagabundus am 22.09.2016 05:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrug

    Economie Suisse. Das sagt Alles. Gewinnoptimierung ist deren Leitmotiv. Jeden Rappen aus dem Geldbeutel der Bevölkerung zu ziehen ist wichtig. Natürlich wird viel behauptet. Der Protektionismus wirkt sich längerfristig gegen unsere Betriebe, Industrie und Bankwesen. Es ist nicht einzusehen, dass 8im Ausland hergestellte Produkte bei uns teurer sein sollen. Wer schweizer Produkte erwerben will, kann es ungehindert tun.

  • Urlaubfürsgehir am 21.09.2016 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der schmale grad

    Ein reiches Land und was ist mit den AHV oder IV Rentner die wir hier haben... Ich versuche Momentan alles um eine wiedereingliederung zu bekommen, aber die IV weigerte sich mir eine zu zahlen da ja mein Zustand seit jahren gleich wäre trotz gegen berichten mich hatte nicht einmal der Kantons Arzt angeschaut um es zu sehen... Ich möchte Arbeiten, darf aber nicht und deshalb gehe ich halt in einer geschützten Werkstatt und muss bei 3 Franken die Stunde Arbeiten. Und muss jeden Rappen umdrehen... und glaubt mir ich will arbeiten

  • Rita Jordi am 21.09.2016 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Produkte einfach nicht kaufen

    Seit Jahren kaufe ich genau aus diesen Gründen keine solchen Produkte mehr. Ich muss wie viele Leute heute, schauen, dass ich Ende Geld nicht mehr viel Monat übrig habe. Wir haben früher Hochrechnungen gemacht, was passiert wenn z Bsp 2 Tage keiner Zigaretten kauft, oder kein Benzin getankt wird. Aber leider funktioniert das nicht in der Schweiz, es sind im Hintergrund immer noch zu Viele kräftig am mitverdienen.