Energiewende

16. Juni 2014 14:31; Akt: 16.06.2014 15:00 Print

«Wirtschaftlichkeit der Wasserkraft in Gefahr»

Energie von Schweizer Wasserkraftwerken statt von ausländischen Kohlekraftwerken: Der WWF lanciert eine Petition für «Dreckstromabgaben».

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Aus Schweizer Steckdosen fliesst heute über 50 Prozent aus Kohle, Atom- oder Gaskraftwerken. Für 13 Milliarden Franken importiert die Schweiz jährlich Energie. Zu viel, finden der WWF und Pro Solar.

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Deshalb lancieren die beiden Organisationen eine Petition an Bundesrat und Parlament für eine «Dreckstrom-Abgabe» auf Strom aus Uran, Kohle und Gas. Diese könne Marktverzerrungen mildern und der Umwelt helfen, ohne die Haushalte und die Wirtschaft unnötig zu belasten. Dies zeige eine von ihnen beim Beratungsunternehmen Infras in Auftrag gegebene Studie.

25 Franken mehr

Diese rechnet mit mittelfristig 10 Rappen pro Kilowattstunde Strom aus Kohle, Gas oder Atomkraft. Damit kämen jährlich 1,1 bis 1,8 Milliarden Franken zusammen, mit denen sich andere Steuern oder Abgaben senken liessen. Ein durchschnittlicher Haushalt mit nicht erneuerbarem Strom müsste gemäss der Studie rund 25 Franken zusätzlich bezahlen.

«Schmutziger Strom ist heute billig, weil andere die Kosten bezahlen», sagt Thomas Vellacott, CEO des WWF Schweiz. Mit einer Dreckstrom-Abgabe würde das Verursacherprinzip in den Strommarkt gebracht. Einheimische erneuerbare Energie würde somit gestärkt. Und dies sei dringend nötig.

Denn: «Die Wirtschaftlichkeit der Wasserkraft ist in Gefahr», sagt Vellacott. Weil die europäischen Strompreise in den Keller gefallen seien, investiere man kaum in Wasserkraftwerke. So wurde etwa das Milliardenprojekt «Lago Bianco» im Puschlav GR wegen der tiefen Strompreise sistiert. Für die Wasserkraftwerke liegen die Produktionskosten teilweise über dem Marktpreis. Betroffen seien auch die bestehenden Wasserkraftwerke, denn schliesslich müssten auch diese Investitionen tätigen. «Statt diesem Problem mit Subventionen zu begegnen, sollte einfach der Strom belastet werden, der hohe Kosten verursacht», sagt Vellacott.

Ständerat entscheidet über Energieabgaben

Die Energiefrage wird am Dienstag auch den Ständerat beschäftigen: Er entscheidet über die Volksinitiative «Energie- statt Mehrwertsteuer». Die Grünliberalen verlangen eine Abgabe auf alle nicht erneuerbaren Energien. Der Konsum fossiler Energien soll gedrosselt werden und die heute starke Abhängigkeit von Importen verringert werden.

Laut dem «Tages-Anzeiger» wird die Initiative aber chancenlos sein. SVP und FDP wollten aus Rücksicht auf Industrie und Gewerbe umfassende Energieabgaben verhindern. Linke Politiker befürchteten, eine Debatte um eine neue Energiesteuer würde das ohnehin schon zähe Ringen um die Ausgestaltung der Energiewende weiter erschweren.

(dp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Al Berteinstein am 16.06.2014 15:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz des Jahrhunderts

    Der WWF war ja bisher selber der größte Verhinderer des alternativen Energiefortschritts. Haben jedes Wasserkraftwerk, Windrad und Solarpanel bekämpft und nun kommen sie so scheinheilig. Der WWF selber sollte verboten werden, das wäre der größte Fortschritt!

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  • Dieter Kaiser am 16.06.2014 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Subventionen und Lenkungsabgaben stoppen

    Die wirtschaftlichen Probleme für die Wasserkraft in der Schweiz haben ihre Ursache in überbordenden Subventionen für erneuerbare Energien, vor allem in Deutschland. Man höre bitte auf mit Subventionen und Lenkungsabgaben aller Art, da diese fast immer zu unerwünschten und ungerechten Marktverzerrungen führen.

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  • Stefan W. am 16.06.2014 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    Man sieht es eindrücklich an diesem Beispiel. Die Energiewende, die von Deutschland getrieben wird, ist unausgegoren und bewirkt das pure Gegenteil. Tragisch, dass dies durch die Politik so vehement geleugnet wird. Die Zeche bezahlt das dumme Fussvolk.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Swen am 16.06.2014 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist gegen Wirtschaft?

    Wenn man die Einwanderung begrenzen will, sprechen alle von wirtschaftsfeindlichen Aktionen. Wenn wir den Strom für Private und Unternehmen um 100% verteuern sollen um Wasserkraftwerke oder Windräder zu bauen, dann ist das wirtschaftsfördernd? Häää? Wo ist da die Logik? Beides tut der Wirtschaft nicht gut, aber beides bringt langfristig den Wohlstand nach oben, also braucht es von beidem ein wenig! Denn Wirtschaftswachstum generiert nicht automatisch Wohlstand!

  • MarcoHusi am 16.06.2014 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verhinderer

    Etwas Verstehe ich nicht, genau diese Organisationen die grünen Strom wollen verhindern ihn gleichzeitig. Staumauern und Windräder verschandeln das Landschaftsbild und Salarpanel passen nicht in das Dorfbild.

  • Energy am 16.06.2014 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wasserkraft

    Stimmt so nicht ganz, dass Projekte für Wasserkraftwerke grundsätzlich auf Eis gelegt werden. Gutes Beispiel: Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance am Lac d'Emosson. Hat gerade heute wieder CHF 300 Mio. am Kapitalmarkt aufgenommen, Bau in vollem Gange...

  • xy am 16.06.2014 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasserkraft günstig?

    Ich las mal, dass Wasserkraft die günstigste Stromquelle der Schweiz sei. Was nun?

  • John Doe am 16.06.2014 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Wie "sauber" ist eigentlich der Strom aus Wasserkraftwerken, wenn Wasser mit Billigstrom (Atomstrom?) in Stauseen hochgepumpt und zu Spitzenpreisen dann verkauft wird? Dies ist gängige Praxis!