CBD-Problem

13. April 2019 14:09; Akt: 14.04.2019 14:34 Print

«Wurde im Europa-Park wie ein Verbrecher behandelt»

Kevin Neff (26) ist einer der vielen Schweizer, der im Europa-Park Ärger wegen CBD bekam. Gebüsst wurde er am Ende aber nicht.

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Besonders streng ist die Gesetzgebung in Frankreich: Dort ist CBD-Hanf verboten. Wer erwischt wird, muss mit einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr und einer Busse von mehreren tausend Franken rechnen. Wer in Österreich (im Bild das Riesenrad in Wien) mit Schweizer CBD-Zigis erwischt wird, riskiert eine Geldstrafe und bis zu 6 Monate Gefängnis. In der Schweiz ist CBD-Hanf mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent legal. Er wird für den medizinischen Gebrauch (Tropfen, Tee) oder zum Rauchen verwendet (als Zigarette, Öl oder Blüte). Zudem gibt es Energydrinks, Teigwaren oder Kosmetika auf CBD-Basis. Da der THC-Gehalt beim CBD-Hanf in der Schweiz klar höher ist als in vielen Ländern, ist eine Ausfuhr problematisch. In mehreren europäischen Ländern ist CBD-Hanf legal, aber nur mit einem THC-Gehalt unter 0,2 oder 0,3 Prozent (klar weniger als in der Schweiz). Die Regelungen variieren stark oder werden derzeit teils überarbeitet. In Belgien, Dänemark, Holland, Rumänien, England, Luxemburg und Spanien ist CBD erlaubt. Der THC-Wert muss aber unter 0,2 bis 0,3 Prozent liegen. In Deutschland sind CBD-Produkte, die nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthalten, grundsätzlich erlaubt. Die Herstellungspflanze Cannabis gilt aber als Betäubungsmittel. Die Rechtslage hat in den letzten Monaten mehrfach geändert – oder wird regional anders ausgelegt. Ähnliches ist die Situation in Italien. In den Vereinigten Staaten ist die Situation am verwirrendsten. Alle 50 Bundesstaaten haben unterschiedliche Gesetze. Gegenwärtig sind Cannabis und somit auch CBD in diesen neun Staaten legal: Alaska, Kalifornien, Colorado, Maine, Massachusetts, Nevada, Oregon, Vermont und Washington sowie im District of Columbia (Washington DC). Diese Staaten erlauben nur CBD-Hanf: Oklahoma, New Mexico, New Jersey, New Hampshire, Georgia, Delaware, Florida und Connecticut. In Kanada ist der Cannabis-Konsum seit letztem Herbst erlaubt. Entsprechend ist auch CBD-Hanf leicht erhältlich und nicht verboten. Cannabispflanzen enthalten zwei Wirkstoffe: THC und CBD. Während THC ein psychoaktives Rauschmittel ist, ist CBD nicht berauschend und wirkt beruhigend. Die Cannabis-Blüten (egal wie gross THC- und CBD-Gehalt sind) unterscheiden sich aber weder im Aussehen noch im Geruch. Von Auge ist die Differenz nicht zu erkennen. Viele junge Besucher des Europa-Parks machten sich im vergangenen Jahr strafbar, weil sie mit Rauschgift im Gepäck erwischt wurden. Darunter zahlreiche Schweizer mit CBD-Hanf. Kevin Neff (26) aus Bülach wurde mit CBD-Gras im Europa-Park erwischt. Die Security habe sich aufgespielt: «Ich wurde vor der wartenden Besucherschlange blossgestellt und wie ein Verbrecher behandelt.» Trotz angedrohter Busse kam Neff letztlich straffrei davon. Insgesamt wurden 2018 im Europa-Park 1348 Tatverdächtige festgehalten, darunter 353 Schweizer. Bei den Drogen, die sichergestellt wurden, handelte es sich jedoch meist nicht um harte Rauschmittel. Den Schweizern wurde unter anderem das Mitführen von CBD-Hanf zum Verhängnis. Dieser ist in der Schweiz zwar legal, in Deutschland jedoch verboten. Das Mitführen der Rauschmittel führt zu einer Anzeige bei der Polizei.

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Hunderte Schweizer handelten sich letztes Jahr eine Anzeige an, weil sie beim Eingang in den Europa-Park in Rust (D) mit CBD-Hanf erwischt wurden. Anders als in der Schweiz, ist dieser in Deutschland illegal. Wie vielen anderen war das auch Kevin Neff (26) aus Bülach nicht bewusst: «Ich rauche gelegentlich CBD – als Genussmittel. Hätte ich vom Verbot gewusst, hätte ich sicher keines in den Park mitgenommen.» So hatte er letzten Sommer etwa zwei Gramm CBD in der Tasche, als er von der Park-Security am Eingang festgehalten wurde.

«Die Kontrollen waren rigoros», erzählt er. Die Security hätten bei fast allen Besuchern Taschen und Rucksäcke durchwühlt. «Die ‹Sicherheitsbuben› konnten ihr Glück kaum fassen, als sie bei mir fündig wurden.» Er habe ihnen erklärt, es handle sich um harmloses CBD. Die Parkwächter hätten sich aufgespielt und ihn harsch zurechtgewiesen. «Ich wurde vor der wartenden Besucherschlange blossgestellt und wie ein Verbrecher behandelt.» Nach Einzug der Hanfblüten und Abgabe seiner Personalien durfte Neff in den Park.

«Keine Busse erhalten»

Ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Freiburg sagte gegenüber der «Aargauer Zeitung»: Wer in Deutschland mit CBD-Hanf erwischt werde, müsse mit einer Anzeige rechnen, selbst bei geringen Mengen. «Es ist ein Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz.»

Kevin Neff kam ungeschoren davon; er wurde nicht gebüsst. Zwei Wochen später erhielt er einen Brief der Staatsanwaltschaft Freiburg im Breisgau. «Darin stand, dass von einer Strafverfolgung abgesehen wird. Offenbar haben die Behörden gemerkt, dass es sich um eine Lappalie handelt», so Neff. Ob das die gängige Praxis ist bei Schweizern, die in die CBD-Falle tappen, oder ob auch Bussen ausgesprochen werden, ist unklar. Die Freiburger Staatsanwaltschaft war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Wechselnde Rechtslage und Handhabung

Der Europa-Park verteidigt die Kontrollpraxis am Eingang. Zur Sicherheit der Besucher würden die meisten Taschen der Gäste durchsucht, der Sicherheitsdienst agiere vorschriftsmässig. Das Mitführen von CBD-Hanf verstosse gegen das Betäubungsmittel-
gesetz, Fehlbare würden der Polizei gemeldet. «Ist der Gast kooperativ, wird er aber nach wenigen Minuten in den Park entlassen», betont Sprecher Daniel Westermann.

Ein Grund für das strikte Vorgehen im Europa-Park ist, dass sich in Deutschland beim CBD die Rechtslage in den letzten Monaten immer wieder geändert hat – oder sie regional anders ausgelegt wird. Grundsätzlich sind CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt unter 0,2 Prozent erlaubt. Die Cannabispflanze indes gilt als Betäubungsmittel. Landesweit gibt es Hunderte Shops, die CBD-Produkte verkaufen. Am Donnerstag wurden bei einer grossen Polizei-Razzia in Bayern und Baden-Württemberg diverse CBD-Shops geschlossen. Laut der «Süddeutschen Zeitung» aber vorab darum, weil dort auch illegale Drogen verkauft wurden.

Nicht überall kommen CBD-Raucher im Ausland so glimpflich davon wie Kevin Neff. Wo welche Gesetzgebung gilt, sehen Sie in der Bildstrecke.

(rol)