Kritik von ETH-Professorin

31. März 2019 13:30; Akt: 31.03.2019 18:00 Print

Jeder dritte Gymnasiast ist «zu dumm fürs Gymi»

Eine ETH-Professorin kritisiert das Bildungssystem der Schweiz scharf. Lehrer müssten besser ausgebildet und Schüler besser selektiert werden.

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Zu viele Kinder, die eigentlich gar nicht dort hin gehören, kommen ins Gymnasium. Das findet die ETH-Professorin Elsbeth Stern. Sie nennt dazu auch gleich eine Zahl: Satte 30 Prozent an Kindern, die den Sprung geschafft haben, seien zu dumm fürs Gymi, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Dies mache ihr Sorgen: «Eine zunehmende Zahl von intelligenten Kindern, die von zu Hause aus nicht so gepusht werden, haben schlechtere Chancen als weniger intelligente Kinder aus Akademikerfamilien», sagt sie.

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Dies zeige ein Test, den Stern an Gymnasiasten durchgeführt hat. Dabei kam heraus, dass es sogar einige Schüler mit einem IQ von 80 an ein Gymnasium geschafft haben. «Der ideale Zugang zum Gymnasium wäre, dass man schaut, wie die Kinder die ersten sechs Jahre in der Schule genutzt haben.» Sonst komme es vor, dass Eltern ihre Kinder kurzzeitig anspornen und diese daher eine bessere Leistung bringen, die sie auf längere Zeit hinweg nicht halten können.

Lehrer-Ausbildung ziehe weniger leistungsstarke Personen an

Hierfür müsse man bereits bei der Ausbildung zum Primarlehrer ansetzen. «Schweizer Bildungsforscher konnten zeigen, dass Pädagogische Hochschulen im Durchschnitt weniger leistungsstarke Leute anziehen», so Stern. Daher plädiert sie dafür, die Lehrer-Ausbildung an die Universität zu verlegen. «Der Lehrerberuf hat ein höheres Ansehen, wenn man sagt, dafür braucht es einen Universitätsabschluss, der genauso viel zählt wie der eines Arztes.»

Die Tatsache, dass viele Hochschullehrer bemängeln, dass Studenten in Mathematik oft schlechte Leistungen zeigen, erklärt sie nüchtern: «Es liegt einerseits daran, dass Kinder ins Gymnasium gehen, die nicht intelligent sind.»

«Alle mit einem IQ von 115 sollten kein Problem mit Algebra haben»

Ausserdem gelinge es manchen Lehrern nicht, den Mathe-Maturastoff gut zu vermitteln. Für Mathematik auf dieser Stufe brauche es aber keine spezielle Begabung. «Alle mit einem IQ von 115 und mehr sollten keine Probleme haben, die Algebra zu verstehen.»

Daher findet es Stern auch richtig, dass in der Schweiz weiterhin rund 20 Prozent aller Kinder ans Gymnasium gehen sollen – man müsse nur dafür sorgen, dass es sich dabei auch um die richtigen 20 Prozent handle und nicht um die falschen. «Wenn wir als Folge davon weniger intelligente Ärzte, Juristen und Lehrer haben, schadet das der ganzen Gesellschaft.»

(doz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sevrin Alder am 31.03.2019 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache Gymi

    Ein Phänomen unserer Zeit. Jeder Dödel braucht ein Hochschulabschluss oder ein Bachelor. Wirklich arbeiten können und wollen die Todstudierten dann sowieso nicht mehr, sondern verbreiten die Theorien des erlernen Theoretiker.

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  • Dominic Schwander am 31.03.2019 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrer

    Ich bin selber Lehrer an einem Gymnasium und muss leider konstatieren, dass sie recht hat. Viele Schülerinnen und Schülern am Gymi gehören schlichtweg nicht dorthin...

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  • Joller am 31.03.2019 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Man kann

    Tja heute kann man dank Klagen und richterliche Entscheide alles werden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicole am 01.04.2019 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War schon früher so. Leider.

    Das war vor 15 Jahren nicht anders. Wir hatten in unserer Klasse auch ein paar, die, sorry, zu dumm für den Lernstoff waren. Fleiss soll ja auch anerkannt werden, aber es ist ultra mühsam, wenn der Lehrer xy x-mal erklären muss, damit es auch wirklich jeder checkt. Das führt einfach dazu, dass die Intelligenten aus Langeweile abschalten und das ganze System nicht mehr ernst nehmen.

  • Maturandin 2019 am 01.04.2019 21:27 Report Diesen Beitrag melden

    Filtersysteme an Gymnasien

    Schon in der Probezeit werden leistungsschwache SchülerInnen aussortiert. Und man darf nicht vergessen, dass die Noten auch nach der Probezeit promotionsrelevant sind! Man kann zu jeder Zeit "provisorisch" werden und eine Klassenstufe wiederholen. Schade dabei ist, dass selbst manche einseitig begabte Schüler provisorisch werden. Genau solche SchülerInnen werden später an der Uni weniger Probleme haben als jene, die in allen Fächern konstant genügend sind. Dennoch ist es eine Leistung, in jedem Fach mindestens genügend zu sein. Jeder, der diesem Druck gerecht wird, ist nicht dumm!

  • Lari am 01.04.2019 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Probleme in Algebra

    Habe gerade ein IQ-Test für 5 Euro gemacht. Habe ein IQ von 120 und habe im Gymi in Mathematik schlimme Probleme. Trotzdem schlage ich mich durch. ;) Und mit 120 gehöre ich zu den 11% der klügsten Menschen die diesen Test gemacht haben, auch die Gymischüler zählen zur 11% der intelligentesten Leute der Schweiz.

  • Wauti am 01.04.2019 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man könnte es auch ...

    ... etwas diplomatischer ausdrücken: ungeeignet ...

  • Denk nach am 01.04.2019 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Instrumentalisierte PR Kampagne?

    Mit Studien kann man alles beweisen. Kernfrage ist hier: wer hat die Studie in Auftrag gegeben? Der Kanton/ Bund, die keine neuen Gymiplätze schaffen wollen?Frustrierte Profs, die mit der Leistung der Studenten unzufrieden sind. Die Handwerkskammer, die zu wenig gute Lehrlinge hat? Profilneurosen oder Planwirtschaft - beides bringt die Schweiz nicht weiter. Fakt ist: Die beste Ausbildung ist für die Zukunft gerade gut genug, wie auch das immer für den Einzelfall aussehen mag. Neumodische Lehrmethoden sind genauso auf dem Prüfstand wie überholte Vorstellungen. Die Studie ist für den Mülleimer.