Ecopop-Initiative

07. Oktober 2014 13:13; Akt: 21.10.2014 17:23 Print

«Zuwanderung bringt uns vom Wohlstand weg»

Der Abstimmungskampf um die Ecopop-Initiative hat begonnen. Die Befürworter haben vor den Medien erläutert, weshalb das Bevölkerungswachstum aus ihrer Sicht reduziert werden muss.

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Mit diesen beiden Plakaten bekriegen sich Gegner und Befürworter der Ecopop-Initiative. Dass das Plakat des linken Komitees eine grosse Wirkung haben wird, glaubt Kommunikationsexperte Marcus Knill allerdings nicht. «Das Plakat ist nicht gelungen, da es keine Emotionen weckt und hinsichtlich seiner Botschaften überladen ist.» Ganz anders das Plakat der Initianten, mit dem sich laut Knill schon eher punkten lässt: «Das Plakat zeigt auf den ersten Blick eine enge, bedrückende Schweiz, die nicht mehr lebenswert ist. Es schürt Ängste und ist deshalb hochwirksam.» «Ecopop macht die Zahl der Menschen und nicht die ressourcenverschwendende Lebensweise der Industrie- und Schwellenländer verantwortlich für die globalen Umweltprobleme», argumentiert die Grünen-Nationalrätin Regula Rytz und Co-Präsidentin des linken Gegner-Komitees an der Pressekonferenz (Mitte). Die Initianten der Ecopop-Initiative reagieren auf die gegnerische Offensive betont gelassen: «Auf ihren Plakaten diffamieren uns die Gegner nur und argumentieren nicht, warum die Initiative unmenschlich und gefährlich sein soll», sagt Andreas Thommen, Geschäftsführer von Ecopop und Mitglied des Initiativkomitees. Mit diesem älteren Plakat machte Ecopop bereits bei der Unterschriftensammlung Werbung. Auch für die neue Plakatkampagne gelte: «Wir werden dabei wissenschaftlich sachlich bleiben und lassen uns nicht auf das Niveau der Gegner herunter», so Andreas Thommen, Geschäftsführer von Ecopop und Mitglied des Initiativkomitees.

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Über die Ecopop-Initiative wird am 30. November abgestimmt. Der Initiativtext verlangt, dass die Zuwanderung auf 0,2 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung beschränkt wird. Gleichzeitig sollen mindestens 10 Prozent der Entwicklungshilfegelder für freiwillige Familienplanung eingesetzt werden. Erklärtes Ziel ist der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen.

Das Wachstum müsse auf ein ökologisch vertretbares Mass reduziert werden, sagte Benno Büeler, Präsident des Initiativkomitees. Er betonte, dass die Zahl von 0,2 Prozent sich auf die Nettozuwanderung beziehe. Verliessen jährlich rund 90'000 Menschen die Schweiz, könnten nach einer Annahme der Initiative immer noch über 100'000 Personen neu einwandern.

Personenfreizügigkeit bereits Makulatur

Dass die Forderung der Initiative mit den bilateralen Verträgen kaum vereinbar ist, streiten die Initianten nicht ab. «Die Bilateralen werden sowieso verschwinden, aber nicht wegen der Schweiz, sondern wegen der EU, die sie so nicht mehr will», sagte Büeler auf eine entsprechende Frage.

Ausserdem habe das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative vom 9. Februar die Personenfreizügigkeit bereits zur Makulatur gemacht. Ein Ja zur Ecopop-Initiative würde somit keine zusätzlichen Schwierigkeiten bringen. Grundsätzlich sei die Umweltorganisation Ecopop aber «europafreundlich».

Druckmittel gegen Arbeitsverweigerung

Die Initianten sehen ihr Begehren nicht zuletzt als Druckmittel zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Die Politik ignoriere das Problem des Bevölkerungswachstums nach dem Ja vom 9. Februar weiterhin, kritisierte Philippe Roch, der ehemalige Direktor des Bundesamtes für Umwelt.

Der parteilose Schaffhauser Ständerat Thomas Minder sprach von «Arbeitsverweigerung» in Bundesbern. «Man will gar nichts ändern», stellte er fest. Das gegenwärtige Bevölkerungswachstum sei aber nicht nachhaltig. «Es bringt uns vom Wohlstand weg.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • m, 44, CH am 07.10.2014 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Genug!

    Wir haben genug von endlosen Staus, Wuchermieten und dass jede Wiese zugebaut wird. Ich werde deshalb garantiert ja stimmen.

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  • Befür Worter am 07.10.2014 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Das Volk schaut genau hin

    Bundesbern wird sich wundern wenn 75% JA stimmen! Die Quittung für das Nicht-Umsetzen von anderen Initiativen....

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  • Rationales Denken am 07.10.2014 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo 

    Endlich intelligente Initianten mit guten Ideen! Klares JA!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ron A. am 08.10.2014 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ernste Frage an ALLE Ecopop-Gegner

    Der BR prognostizierte vor der Abstimmung der PFZ eine Einwanderung von jährlich 8'000 Personen. Heute wandern über 10x mehr in unser Land ein. Wenn nun die Gegner der Ecopop-Initiative behaupten, dass wir all diese Einwanderer brauchen, weil dies für unsere Wirtschaft SOO wichtig ist, dann frage ich mich, warum wollen denn die selben nicht eine PFZ für die ganze Welt einführen? Dann kommen vermutlich jährlich 300'000 und alle brauchen eine Wohnung, Kleider, Handy, TV, Auto, etc. Das wäre doch super für die Wirtschaft.. Deshalb meine Frage: wie viel Einwanderung braucht unser Land LANGFRISTIG!

  • Ag am 08.10.2014 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Löhne senken.

    Senkt doch einfach die Löhne um die Hälfte. Und die Einwanderung regelt sich von selbst. Braucht nicht einmal Verhandlungen mit der EU. Geht nicht lange und der Exodus retour in die Heimatländer der Einwanderer setzt sich in Bewegung. Grund: der Verdienst in den Heimatländer ist höher und sie brauchen nicht mehr jedes Wochenende nach Hause zu fahren um Lebensmittel etc. einzukaufen.

    • Ingo am 08.10.2014 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Super!!!

      Super Beitrag!!! Bin der selben Meinung!!!

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  • durchblicker am 08.10.2014 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Captain?

    Erklär mir einer was uns denn das endlose Wachstum der Wirtschaft bringt. Mehr arbeit. sonst nichts!

  • falamanki am 08.10.2014 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    an alle nein-sager:

    wo liegt denn eurer meinung nach die grenze? - bei 9 mio ? - bei 12mio ? - bei 20 mio ? - bei 30 mio ? - bei 100 mio ? würde mich mal sehr interessieren!!

  • Aufwachen am 08.10.2014 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Zuwanderung steuern!

    Das muss primäres Ziel sein. Und zwar dort wo wir können. Der sich verbreitende Anti-EU-Reflex ist paradox. Die Wirtschaft trägt Mitverantwortung. Hier in Europa haben wir die intensivsten Beziehungen. Oder wollen wir massenhaften Zustrom aus China, Russland oder anderen Dritten?