Sexualunterricht

20. Juli 2012 20:23; Akt: 21.07.2012 10:49 Print

Über Pornos reden ja, Filme zeigen nein

von Lukas Mäder - Jugendliche haben viele Fragen zu Pornografie. In der Schule werden diese kaum beantwortet. Fachleute wollen das Thema nun stärker im Unterricht verankern – ohne dabei Pornos vorzuführen.

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Jugendliche haben viele Fragen zu Pornografie - nicht an allen Schulen wird aber das Thema behandelt. (Bild: Thinkstockphotos)

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Ob gewollt oder nicht: Viele Jugendliche sind noch während der obligatorischen Schulzeit mit Pornografie und anderen sexuellen Darstellungen konfrontiert. Doch Antworten auf ihre Fragen dazu erhalten sie nicht unbedingt. Der Sexualunterricht in der Schule, der dabei einen Beitrag leisten könnte, fällt je nach Kanton, Schulhaus oder Lehrer unterschiedlich aus. Das Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule spricht von einer «Wer will, der kann»-Situation der Lehrer in der Deutschschweiz. Nicht alle Lehrpersonen sind für die Sexualerziehung ausgebildet geworden.

Umfrage
Soll Pornografie ab der 6. Klasse im Sexualunterricht behandelt werden - auch mit Zeigen von Ausschnitten aus Pornos?
33 %
45 %
22 %
Insgesamt 5872 Teilnehmer

Dabei ist Pornografie bei den Schülern in der Oberstufe ein grosses Thema, wie Johannes E. Schläpfer von der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen in St. Gallen bestätigt. Ab 12 oder 13 Jahren hätten vor allem die Buben in unterschiedlichem Ausmass viele Fragen dazu. «Pornografie ist in der Welt der Jugendlichen präsent», sagt Schläpfer, dessen Fachstelle bei Schulen sexualpädagogische Einsätze macht. Diese Aussage wird gestützt von einer Befragung, welche die Zürcher Fachstelle Lust und Frust bei knapp 1000 Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren durchgeführt hat: Von den männlichen Befragten hatten 91 Prozent bereits Kontakt mit pornografischen Darstellungen, von den weiblichen 44 Prozent.

Jugendliche können Fiktion erkennen

Sexuelle Darstellungen seien ein Thema - allerdings nur eines unter vielen im Bereich Sexualität, sagt die Sexualpädagogin Cornelia Maissen von der Fachstelle Lust und Frust, die ebenfalls an Schulen sexualpädagogisch tätig ist. Bei Pornografie interessierten die Jugendlichen vor allem Fragen nach der gesetzlichen Regelung und nach den Unterschieden zwischen Fiktion und Realität. «Diese können die Jugendlichen gut einschätzen, bekommen aber gerne eine Bestätigung dafür», sagt Maissen.

Ein Indiz dafür, dass die Sexualerziehung im Klassenzimmer nicht ausreicht, sind die Anfragen an Beratungsstellen ausserhalb der Schule. So stellt Pro Juventute ein starkes Bedürfnis nach Information fest. «Es gibt eine klare Zunahme von Fragen per Telefon, SMS oder im Chat», sagt die Beraterin Susann Storchenegger. Die Jugendlichen würden sich erkundigen, ob es normal sei, wenn der Freund Pornos schaue, ob der Konsum von Pornos schädlich sei oder wie oft man Pornos schauen dürfe. Themen seien auch die rechtliche Situation, Schuldgefühle oder Pornofilme auf dem Handy. Die ersten, noch eher oberflächlichen Fragen würden bereits etwa im Alter von 11 Jahren auftauchen.

Umgang mit Pornographisierung lernen

Die Fachleute sind sich einig, dass in den letzten Jahren die Sexualerziehung bei Schulen und in der Lehrerausbildung immerhin eine wachsende Aufmerksamkeit erhält. Für Gabriela Jegge vom Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule ist es wichtig, dass es nicht zu einer neuen Tabuisierung von sexuellen Themen komme. Diese könne zu Problemen wie vermehrtem Missbrauch oder Teenagerschwangerschaften führen. «Die Schule ist der ideale Ort, um dafür zu sorgen, dass die heranwachsende Generation nicht nur zufällig Informationen zum Thema erhält.»

Wichtig sei, sexuelles Bild- oder Textmaterial zu thematisieren, sagt Jegge. «Die Jugendlichen sollen ein Rüstzeug für den Umgang damit erhalten.» Urs Kiener, Kinder- und Jugendpsychologe bei Pro Juventute, ist gleicher Meinung: «Es ist entscheidend, dass Kinder und Jugendliche lernen, wie sie mit der Pornografisierung der Gesellschaft umgehen können.» Dafür sei es aber nicht nötig, dass im Unterricht Pornos konsumiert werden, sind sich beide Fachleute einig. «Gewisse Jugendliche haben solche Bilder noch nie gesehen und wollen sie auch nicht sehen», sagt Jegge. Und die anderen wüssten, worum es geht.

Der Sexualpädagoge Bruno Wermuth, der als «Doktor Sex» Fragen von 20-Minuten-Leser beantwortet, hatte gefordert, dass zur Förderung der Pornokompetenz der Jugendlichen im Unterricht auch Beispiele pornografischer Darstellungen gezeigt werden sollten. Eine solche Notwendigkeit von Porno-Beispielen sieht auch Schläpfer von der St. Galler Fachstelle nicht. «Aber es ist wichtig, dass man an der Schule darüber spricht», sagt er. Es brauche eine kritische Aufklärung. «Die Jugendlichen müssen wissen, dass Pornografie ein riesiges finanzielles Geschäft ist, abhängig machen kann und nicht der Realität entspricht.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reneé H. am 23.07.2012 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Männerphantasien

    Pornos sind vor allem Männersache - DAS gilt es in den Schulen aufzuklären! Nämlich die frauenverachtende Haltung, die dahinter steht und die mit einer liebevollen Beziehung GAR nichts zu tun hat!

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  • Evelyne am 21.07.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Hört doch endlich damit auf.

    Das gesamte Thema ist langsam langweilig...als gäbe es nichts anderes auf dieser Welt. Bei allem Respekt - bei 20min wird meiner Meinung nach sowieso nicht respektvoll mit dem Thema Sexualität umgegangen. Hier wir das Thema vielfach mit Wörtern beschrieben, welche weit weg sind von einer liebevollen Sexualität.... Was wollt ihr eigendlich auch immer mit solchen komischen Umfragen, Feststellungen und diesem und jenem Zeugs über Pornos, Fremdgehen und all dem Zeugs? Hört doch einfach mal auf.......dann geb ich meinem 10jährigen eure Zeitung auch mal wieder in die Hand.

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  • Moralapostel am 21.07.2012 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sex UND Liebe, Zärtlichkeit, nicht leeres "geratte

    Dass Jugendliche aufgeklärt werden MÜSSEN ist klar, dass sie dieses Thema in der Pubertät interessiert, ist eben auch klar!Wird den Jungen nicht auf ehrliche Art im Elternhaus oder in der Schule dieses Wissen vermittelt, holen sie sich dieses anderswo!Das ist eben die Krux, denn werden die jungen Menschen nur mit hartem oder extrem ausgefallenem Porno konfrontiert, den sie sich AUSSERHALB Haus und Schule anschauen, geht leider damit der echte Sinn der Sexualität total verloren!Denn in Pornos geht es NIE um Liebe, Zärtlichkeit, Sex u. Achtung der Frau/Mann gegenüber, und genau dies ist schlimm!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lars am 23.07.2012 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Also bitte

    und wir sagen immer diese prüden Amis. Wer ist hier prüde? Pornos an Schulen -> Ja natürlich! Wenn die Kinder in der Schule nicht dazu kommen, dann bestimmt Computer des Vaters/Freundes usw. Lieber Eltern, ja eure Kinder ziehen sich Pornos rein! Dass hat auch nichts mit Männlich / Weiblich zu tun. Ich habe viele Kolleginnen die sich gerne mal einen Porno anschlauen. Warum ist ein Porno Frauenfendlich? Weil es in Pornos nur um das eine geht? Aber darum geht es ja schlussendlich auch! Liebe Eltern, macht die Augen auf!

  • Reneé H. am 23.07.2012 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Männerphantasien

    Pornos sind vor allem Männersache - DAS gilt es in den Schulen aufzuklären! Nämlich die frauenverachtende Haltung, die dahinter steht und die mit einer liebevollen Beziehung GAR nichts zu tun hat!

    • Frau am 23.07.2012 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Männer und Frauen

      Genau. Wenn Manner wieder Männer werden und Frauen wieder Frauen, ist das problem gelöst. Gibt's kein Porkigrafie mehr.

    • Jean Beaurnaux am 23.07.2012 18:13 Report Diesen Beitrag melden

      Unsinn

      Es gibt Pornos und Pornos. Nicht jeder schaut solche Pornos, die Sie sich offentsichtlich ansehen.

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  • Rachel am 21.07.2012 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört mit solchen Themen auf

    Ah und noch was an 20minuten: wie wärs, wenn ihr mal eine umfrage macht darüber ob die leser dieses thema noch wollen? Ich habe den sex in eurer zeitung ziemlich satt und dieses thema langweilt mich langsam, auch wenn ich gerne sex habe...

    • Noldi Nörgel am 23.07.2012 18:15 Report Diesen Beitrag melden

      Warum

      um Gottes Willen lesen Sie denn solche Artikel und geben dazu noch Ihren Senf ab?

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  • Sabrina Salerna am 21.07.2012 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    ehm, was??

    "Jugendliche haben viele Fragen zu Pornografie. In der Schule werden diese kaum beantwortet." Pornografie hat auch nichts verloren im Unterricht... Sexualunterricht ja aber Pornos haben in der Schule nichts verloren...

    • Mutter am 23.07.2012 10:55 Report Diesen Beitrag melden

      Priorität

      Jugendliche haben vieeele Fragen, viel wichtiger als Pornografie, und diese werden leider nicht beantwortet....

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  • Dani S. am 21.07.2012 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso....

    ..gibts jetzt hier schon wieder einen Porno-Artikel in dem man uns mitteilen oder schmackhaft machen will das Pornos in der Schule gezeigt werden müssen und harte geile Sexualpädagogik schon mit jungen Kindern gemacht werden soll? Reicht es nicht langsam?