Bundesamt für Kultur

02. Dezember 2018 14:07; Akt: 03.12.2018 08:17 Print

War es «Touristenramsch» statt Kulturgut?

Das Bundesamt für Kultur war sich sicher, 26 Kulturgüter an Ägypten zurückgegeben zu haben. Ein Ägyptologe sagt nun: «Es war ganz billiger Touristenramsch.»

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am 21. November hat Yves Fischer, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Kultur (BAK), der Ägyptischen Botschaft in Bern 26 archäologische Kulturgüter zur Überführung in ihren Ursprungsstaat übergeben. Die Objekte waren durch die Behörden der Kantone Luzern und Wallis im Verlauf von zwei Strafverfahren definitiv eingezogen worden.

Bei den wieder zurückgegebenen Objekten handelte es sich um eine Figurine, die den Gott Anubis repräsentiert, 12 Uschebti (mumiengestaltige Statuetten) sowie verschiedene Amulette, welche unter anderem das Horusauge und den Djed-Pfeiler darstellen. «Diese Kulturgüter stammen aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrtausend v. Chr. und dem 4. Jahrhundert v. Chr.», liess das BAK verlauten.

«Moderne Nachahmungen billigster Machart»

Diese Aussage sorgt beim deutschen Ägyptologen Chistian E. Loeben für Kopfschütteln. Gegenüber dem «Blick» sagt der Kurator der ägyptischen und islamischen Sammlungen am Museum August Kestner in Hannover, dass es sich bei den 26 angeblich «archäologischen Kulturgütern» in 25 Fällen eindeutig um moderne Nachahmungen «billigster Machart» handelt.

Er ist überzeugt: «Solche Objekte werden in Ägypten an Touristen verkauft und zwar nicht einmal unter dem Vorwand, original alt­ägyptische Stücke zu sein, sondern als ganz billiger Touristenramsch.» Es werde dabei nicht einmal das Alter vorgetäuscht, zu offensichtlich sei es, dass solche Stücke nicht antik seien, «sondern ganz einfache, billigste Souvenirs».

Zu seiner Verteidigung lässt das Bundesamt für Kultur gegenüber der Zeitung verlauten, dass die Fachstelle Internationaler Kulturgütertransfer des Bundesamts eine entsprechende Anfrage an das Fedpol gerichtet habe, die über Interpol in Kairo beantwortet worden sei. Interpol Kairo habe die Authentizität der Objekte eindeutig bestätigt, was von der Fachstelle an die Zollbehörden übermittelt worden sei.

(rab)