Tarif-Spielräume

12. August 2018 21:58; Akt: 13.08.2018 06:53 Print

Ärzte und Spitäler rechnen drei Milliarden zu viel ab

Ein komplexes Gesundheitssystem macht es möglich: Spitäler und Ärzte stellen den Krankenkassen mitunter überhöhte Kosten für ihre Leistungen in Rechnung.

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Für medizinische Kosten kommen in vielen Fällen die Krankenkassen auf. Spitäler, Ärzte und Versicherte reichen bei diesen ihre Rechnungen ein. Dort wird jede einzelne Forderung überprüft. Laut einem Bericht des «Sonntagsblick» lassen die Versicherer sich diese Kontrollen jährlich satte 414 Millionen Franken kosten.

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Und das mit gutem Grund, denn laut Hochrechnungen einer neuen Studie des Krankenkassenverbandes Santésuisse werden allein im Bereich der obligatorischen Krankenversicherung rund drei Milliarden Franken zu viel in Rechnung gestellt. Über zehn Prozent der Forderungen sind nach dieser Erhebung unberechtigt.

Ausreizen des Systems

Der grösste Kostenblock bei den Kontrollen: Fehler auf Rechnungen von Spitälern und Ärzten. Diese machten rund 40 Prozent der bemängelten Rechnungen aus. Problem sei dabei keineswegs das mangelnde Wissen seitens Ärzten und Spitälern über die entsprechenden Tarife, zitiert der «Sonntagsblick» Jürgen Vontobel, Chef des Bereichs Leistungen und Mitglieder der Geschäftsleitung der Luzerner Krankenkasse Concordia.

Vielmehr würden Letztere «teilweise bis aufs Äusserste ausgereizt». Vontobel weiter: «Die Leistungserbringer wissen sehr genau, was sie abrechnen dürfen und was nicht.» Laut Studie sind es in den meisten Fällen die Leistungsabrechnungen der Spitäler, die der internen Krankenkassen-Prüfung nicht standhalten können. Vontobel führt dies auch auf den steigenden Kostendruck zurück.

Leistungserbringer unter Kostendruck

Die Spitäler selbst weisen die Vorwürfe überhöhter Rechnungen in einer entsprechenden Stellungnahme zurück. Aber auch sie verweisen auf den enormen Kostendruck, unter dem sie als Leistungserbringer stünden. Dem Ärzteverband FMH liegt daran, die Zahlen der Studie ins Verhältnis zu setzen: Nur bei einem Bruchteil jener Ärzte, gegen die der Krankenkassenverband Santésuisse Klage eingereicht habe, käme es überhaupt zu einem Schuldspruch.

Die Studie im Auftrag von Santésuisse wurde vom Institut für Wirtschaftsstudien Basel durchgeführt. In ihrem Rahmen wurden Krankenkassen befragt, massgeblich für die Datenerhebungen war das Jahr 2016.

(jdr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nora am 13.08.2018 06:21 Report Diesen Beitrag melden

    Fast Kriminelle

    Nicht nur zu viel abrechnen , sondern Sie schieben sich Leute gegenseitig zu .Ob man eine Spezialisten braucht oder nicht !! Es sind einige von denen , wo Geld an erste Stelle steht,und nicht der Patient.......

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  • Mani Motz am 13.08.2018 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir zahlen

    Und jeder will sich am System bereichern.

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  • Milunidu am 13.08.2018 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man rechne

    Man rechne, diese 3 Milliarden plus die 441 Millionen ... eine imense Summe, welche wir mit unseren Prämien zahlen müssen! Das sind bei 8 Mio prämienzahlenden Menschen knapp 44 Franken!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dä Jesus am 29.08.2018 00:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiederliche Branche.

    Das bedeutet dann so grob über den Daumen, dass jeder schweizer Bürger, Handgelenk mal Pi, 375 Franken pro Zeiteinheit, da im Artikel nirgends steht ob pro Jahr oder Monat oder was auch immer, 3 Milliarden zuviel berechnet werden, zahlt... Ich finde das macht schon einen Unterschied. Die frechheit ist aber, dass Ärzte und Krankenkassen die Preisexplosion damit begründen, dass die Kundschaft die bodenlose Frechheit besitzt, um ihre Gesundheit besorgt zu sein. Aber man muss die Ärzte auch verstehen, dass sie überall zu viel berechnen. Igendwie muss man ja als Arzt von Welt den Unterhalt seiner Villa, dem Porsche und der Privatyacht zahlen können... Echt jetzt, sind die "Götter" in Weiss wirklich so anstandslos? Obwohl, der rote Faden zieht sich ja bis zu den Pharmakonzernen. Die entwickeln auch lieber lebensverlängernde langzeit Therapien, anstelle von effizient wirkenden Heilmitteln, einzig und alleine aus dem Grund um mit Symptombekämpfung mehr Geld zu machen als mit Heilung.

  • KKTVCAM am 16.08.2018 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OMG

    Ich verstehe es sowieso nicht, dass die Leute die Krankenkassen verfluchen, wenn die Prämien steigen, dabei sind doch die Leistungserbringer also Ärzte und Spitäler schuld an den hohen Kosten.

  • Leser am 15.08.2018 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jajaaa!

    Das Gesundheitswesen ist ein superlukratives Geschäft und die Politik lässt es ja zu...!!

  • Eulach am 14.08.2018 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schulzi

    und schon hätten wir das problem mit den steigenden prämien gelöst.

  • A.W. am 14.08.2018 00:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider stimmts

    Da haben Sie absolut recht. Ich hatte probeweise einen Arzt aus München in meiner Spezialarztpraxis. Er fragte mich dauernd, wie er noch maximaler und höher abrechnen könne. Ich musste ihn wegschicken, weil seine Rechnungen 4 x höher und sein Können 10 mal tiefer war.