Hyaluron Pen

12. Dezember 2019 11:24; Akt: 12.12.2019 11:24 Print

Ärzte warnen vor Stift, der Lippen vergrössert

von Julia Ullrich - Vollere Lippen ohne Nadeln? Der Hyaluron Pen macht es möglich. Doch nun warnen Ärzte: Das Beauty-Gadget kann fatale Folgen haben.

Bildstrecke im Grossformat »
Viele Schweizer Kosmetikstudios werben derzeit mit dem Hyaluron Pen. Im Internet kann der Pen bereits für unter 100 Franken bestellt und so auch für die Selbstanwendung zu Hause genutzt werden. Doch der Pen ist alles andere als harmlos. Mehrere Ärzte warnen vor den Risiken der Pens. «Arbeitet man nicht mit sterilen Handschuhen, kann man seine Keime so in die Lippen einschleusen und das kann zu Entzündungen führen. Zudem können Lippengefässe verstopfen und die Haut absterben», sagt Bettina Kerbler, Fachärztin für Dermatologie. Auch irreparable Gefässverletzungen könnten die Folge sein. In der Herbstsession 2019 reichte CVP-Nationalrätin Ruth Humbel einen Vorstoss ein, der den Bundesrat beauftragt, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, damit ausschliesslich Ärzte Hyaluronsäure und Botox spritzen dürfen. «Die Eingriffe müssen qualitativ gut gemacht sein. Es darf nicht sein, dass sich Kosmetikstudios mit Pfusch ein gutes Geschäft sichern und die Folgekosten zu Lasten der Allgemeinheit gehen», sagte Humbel zu 20 Minuten. Immer wieder kommt es beim Einsatz von Hyaluron zu drastischen Folgen. Bei dieser 25-jährigen Patientin hatte sich ein Lippenabszess gebildet. Dieser Patientin wurde beispielsweise zu viel Botox injiziert. Hier die Seitenansicht. Meist entsteht dies aufgrund eines unsterilen Umfelds oder bei nicht geschultem Fachpersonal. In diesem Fall wurde unsteril gespritzt. Da der Pen aber ohne Spritzen funktioniert, wäre er von Humbels Motion nicht betroffen. Zum Vergleich: So sehen laut Tabrizi natürlich aufgespritzte Lippen aus.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Viele Schweizer Kosmetikstudios werben derzeit mit einer neuen Erfindung in der Schönheitsmedizin: dem Hyaluron Pen. Die stiftähnliche Apparatur schiesst Hyaluronsäure mit 800 km/h in die obersten Hautschichten der Lippen und sorgt so für eine sofort sichtbare Vergrösserung. Durch den enormen Druck, mit dem die Hyaluronsäure in die Haut geschossen wird, entfällt die Nadel.

Umfrage
Braucht es ein Lippen-Spritzverbot für Kosmetikerinnen?

Im Internet kann der Pen bereits für unter 100 Franken bestellt und so auch für die Selbstanwendung zu Hause genutzt werden. Wie einfach das geht, zeigen diverse Youtuber.

«Der Pen kann die Haut absterben lassen»

Doch der Pen ist alles andere als harmlos. Die Ärztin Bettina Kerbler warnt vor den Risiken des Pens. Durch den hohen Druck entstünden Mikroverletzungen an der Lippe, die eine Eintrittspforte für Keime bieten würden. «Arbeitet man nicht mit sterilen Handschuhen, kann man seine Keime so in die Lippen einschleusen und das kann zu Entzündungen führen. Zudem können Lippengefässe verstopfen und die Haut absterben.»

Ähnlich sieht es auch Hans-Martin Zoppelt, Inhaber von Bellevue Esthetics. Der Facharzt für Dermatologie hält nichts von dem neuartigen Beauty-Gadget: «Es kann zu den gleichen Komplikationen wie beim Hyaluronspritzen kommen.» Zudem sei ein punktuelles Spritzen so gut wie unmöglich, was zu einem aufgequollenen und unsauberen Ergebnis führen könne.

«Ausbildung» dauert einen Tag

In Deutschland wurde unlängst ein Gesetz erlassen, das Kosmetikern den Einsatz des Pens untersagt. Hyaluron darf nur noch durch ausgebildete Ärzte oder Heilpraktiker verabreicht werden, da dabei ernsthafte gesundheitliche Schäden entstehen könnten

In der Schweiz sieht die Rechtslage jedoch anders aus. Beauty-Salons sind dazu bemächtigt, auch ohne ärztliches Fachpersonal Hyaluron zu verabreichen, egal ob per Spritze oder Pen. Da die Anwendung nur eine Wirksamkeit von 30 Tagen hat, braucht es kaum spezielle Auflagen. Dies ist im Reglement der Swissmedic festgehalten. Auch die «Ausbildungsdauer» ist vergleichsweise sehr kurz. Nur einen Tag dauert ein solcher Kurs, um zertifiziert zu sein. Dieser kann sogar via «Fernstudium» stattfinden.

Politikerin fordert Spritzverbot

Der Schweizer Fachverband für Kosmetik beruft sich auf Anfrage auf die geltenden Regeln von Swissmedic. Auch betreffend der Ausbildungsdauer gibt sich der Verband wortkarg: «Wir bieten keine solchen Weiterbildungen an.» Mehrere Ärzte fordern eine Verlängerung der «Ausbildung». «Wir verbringen Monate im Seziersaal, um die Anatomie genau zu erlernen, haben grosse Prüfungen und bilden uns in Fillerkursen fort. Dafür reicht ein Tag einfach nicht aus», sagt etwa Dermatologin Kerbler.

Auf die generelle Gefahr vom Einsatz von Hyaluron wies kürzlich auch CVP-Nationalrätin Ruth Humbel hin. «Die Eingriffe müssen qualitativ gut gemacht sein. Es darf nicht sein, dass sich Kosmetikstudios mit Pfusch ein gutes Geschäft sichern und die Folgekosten zu Lasten der Allgemeinheit gehen», sagte Humbel zu 20 Minuten. In der Herbstsession 2019 reichte sie einen Vorstoss ein, der den Bundesrat beauftragt, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, damit ausschliesslich Ärzte Hyaluronsäure und Botox spritzen dürfen. Da der Pen aber ohne Spritzen funktioniert, wäre er von Humbels Motion nicht betroffen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ulla am 12.12.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Jede soll mit ihren Lippen machen, was sie will. Doch die Folgekosten bei Pannen soll das Duckface dann bitte in eigener Verantwortung selber tragen, nicht auf die Allgemeinheit via KK überwälzen.

  • Maria Rosenkranz am 12.12.2019 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein, danke

    Das Ding gehört zu den Gadgets, die ich nie anrühren werde. Für das Geld hole ich mir lieber den "Womanizer". Der sorgt wenigstens für ein paar glückliche Stunden ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

    einklappen einklappen
  • k.kinski. am 12.12.2019 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich.

    Was sich manche Frauen, so in den Körper ballern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • stef eich am 12.12.2019 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Folgekosten selber tragen

    Das muss jeder selber wissen. Aber: Wenn sie den Stift schon selber bezahlen, sollen sie auch die Folgekosten selber bezahlen und nicht via Krankenkasse!!

  • N.W. am 12.12.2019 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wie heuchlerisch

    Ich kann diese Sprüche hier nicht mehr hören! Von wegen dass Männer das hässlich finden! Im Alltag sind genau diese Frauen total beliebt bei den Männern (sieht man auch auf Instagram) und kriegen viele Komplimente und Einladungen!!

  • Jack Peret am 12.12.2019 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Seich !!!

    Vollere Lippen? Wer findet das bloss schön und toll? Für mich sowieso nur der Ablöscher. Sollen die sich das Spritzen wohin sie wollen. Aber auf alles Fälle sollte die Behandlung solchen Schwachsinns nicht von den KK bezahlt werden.

  • Frisör am Boxring am 12.12.2019 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sollen zum boxen!

    einfach den Zahnschutz nicht vergessen!;)

  • Eidgenossin am 12.12.2019 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Die Politik braucht sich nicht einzumischen

    Ich denke nicht,dass die Politik sich hier einmischen darf,denn dies muss jeder selber wissen was er mit seinem Körpwr tut! Ich bin aber der Meinung,dass die Krankenkasse auf keinen Fall Korrekturen zahlen soll,dies in diesem Fall vom unvernünftigen Schönheitswahn Patienten selber bezahlt werden!

    • Eidgenossin am 12.12.2019 13:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Eidgenossin

      Für solche Sachen sucht man ein Schönheitschirurg auf und wer das nicht tut ist selber schuld wenn etwas passiert! Solche Leuten sollen die Konsequenzen auch finanziell selber tragen!

    • Lassie am 12.12.2019 16:41 Report Diesen Beitrag melden

      KK zahlt

      Leider zählt ihre Meinung nicht, denn wenn wirklich etwas passiert, ein Abszess oder ähnliches, wird die KK zu Lasten von allen bezahlen (müssen).

    einklappen einklappen