Unesco - Schweiz

24. November 2010 12:19; Akt: 24.11.2010 15:53 Print

1.-Mai-Demo und Graffiti als Weltkulturerbe

von Felix Burch - Pasta, Knüpfteppiche, Döner oder Flamenco wurden zu Weltkulturerben erklärt. Nach Schweizer Einträgen sucht man vergeblich. Dies soll sich ändern – und wie.

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Der Begriff des Unesco-Weltkulturerbes lässt an alte Kirchen und Ruinen denken. Doch neuerdings erstellt die Organisation der Uno auch eine repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes. Auf dieser steht mitunter auch Skurriles. Nebst dem griechischen Gyros und der italienischen Pizza gilt das französische Mehrgangmenü ebenso als Weltkultur wie die Akupunktur, die Falknerei oder die Pekingoper.

Umfrage
Sind Sie der Meinung, dass die Schweiz immaterielles Weltkulturerbe braucht?
30 %
70 %
Insgesamt 3359 Teilnehmer

Schweizer Beiträge sind auf der Liste noch keine vorhanden, was sich bald ändern soll. David Vitali ist als Leiter Internationales beim Bundesamt für Kultur für das Projekt der «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» zuständig. Er sagt, was aus der Schweiz auf die Liste kommen könnte.

Die Kantone erarbeiten derzeit Vorschläge für die Liste mit Schweizer Kulturerbe. Was wird auf der Liste stehen?
Wir wollen der Arbeit nicht vorgreifen. Aber wir hoffen natürlich, dass die Liste neben ganz bekannten Traditionen wie der Fasnacht in Luzern oder Basel, der Fête des Vignerons in Vevey oder dem Silvesterchlausen in Appenzell auch weniger bekannte oder überraschende Elemente enthalten wird.

Konkret?
Man könnte beispielsweise an Industriehandwerk denken, soweit dieses für bestimmte Regionen spezifisch ist, etwa das Uhrmacherhandwerk im Jurabogen oder die chemische Industrie in Basel. Auch Traditionen von Gruppen mit einem Migrationshintergrund oder spezifisch urbane Traditionen können wir uns vorstellen.

Urbane Kulturen?
Ich denke da etwa an eine 1.-Mai-Demonstration oder Graffiti als Teil der Hip-Hop-Jugendkultur. Wichtig ist für uns, dass die Traditionen in der Bevölkerung wirklich verwurzelt sind.

Und Essensspezialitäten?
Es gibt dazu bereits eine sorgfältig recherchierte und gut dokumentierte Datenbank, das «Inventar des kulinarischen Erbes», das 404 typisch schweizerische Nahrungsprodukte auflistet. Um Verdoppelungen zu vermeiden, werden wir solche Produkte nicht auf die Liste aufnehmen. Aber natürlich sind traditionelle Zubereitungsarten als kulturelle oder soziale Praktiken oft in eine Tradition eingebunden, etwa die Risottata der Tessiner Fasnacht oder das Käsen in der alpwirtschaftlichen Praxis. Sicher werden wir der Unesco aber keine Kandidaturen wie Cervelat oder Zopf vorlegen.

Warum nicht?
Ein entscheidendes Kriterium ist die gesellschaftliche Verankerung. Mit anderen Worten: Eine Tradition muss von einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe in der Schweiz als Teil ihres gemeinsamen Kulturerbes anerkannt sein. Sie muss die Angehörigen dieser Gruppe durch gemeinsame Erfahrungen oder Erinnerungen verbinden. Zopf und Cervelat oder Pizza und Gyros mögen landestypisch sein, aber nach meinem Empfinden zu wenig spezifisch.

Wie viele Vorschläge werden es bis zur Unesco schaffen?
Auch für die Unesco ist das Thema ganz neu, und die Modalitäten der Einschreibung sind noch nicht endgültig geklärt. Mittelfristig kann es durchaus sein, dass die Länder pro Runde nur noch eine beschränkte Zahl von Kandidaturen oder gar nur eine einzige Kandidatur vorschlagen können, wie dies beim Weltkulturerbe der Fall ist.

Wie wichtig sind für die Schweiz Unesco-Weltkulturgüter?
Die heute insgesamt zehn anerkannten Welterbestätten sind Ausdruck der kulturellen Vielfalt und des reichen kulturellen Erbes der Schweiz. Dass die Unesco und ihre Mitgliedsländer heute nicht nur Bauwerke und Naturlandschaften, sondern auch Traditionen, Bräuche und Wissen als erhaltenswert anerkennen, ist ein wesentlicher Schritt zu einem umfassenden Verständnis von Kulturerbe.

Wann wird es das erste immaterielle Kulturgut der Schweiz geben?
Der Begriff mag neu sein, aber Traditionen und Bräuche gab es selbstverständlich schon immer. Falls sie die erste Schweizer Kandidatur bei der Unesco ansprechen, so wird es wohl 2012 so weit sein. Bis dahin werden wir die Entwicklungen bei der Unesco genau verfolgen.


Was muss Ihrer Meinung nach unbedingt Weltkulturerbe werden? Schreiben Sie uns Ihre Meinung ins Talkback.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs am 24.11.2010 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wollen wir auf eine Liste

    von der die Barokstadt Dresden gestrichen und Pizza (Resteverwertung) und Pasta (eigentlich eine chinesische Erfindung) drauf stehen? Wenn das Kultur ist sollten wir "Cholara" als Kulturgut melden.

  • Marc am 24.11.2010 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nicht..

    Das Verbot von Minaretten und die Bünzli-Mentalität, oder vielleicht die unzählige Radarkasten.

  • sybilla am 24.11.2010 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    be creative!

    Obwohl graffiti keine Erfindung der Schweiz ist hat Schweiz sicher im selben Stil auch etwas zu bieten... let's be creative!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Domi Grieder am 24.11.2010 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    1. Mai

    Der 1. Mai ist eine Schande und nichts anderes. Zumindest solange nur randaliert wird und die Polizei zuschauen muss weil sie nicht eingreifen darf ohne dass man von Polizeigewalt spricht.

  • BUM BUM am 24.11.2010 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn geht rum

    Bezahlt das Weltkultuerbe auch die Schäden?

  • Patrick am 24.11.2010 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Ein kommunistischer Feiertag als Weltkulturerbe? *mitfingerandiestirntipp*

  • T.G. am 24.11.2010 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    MORITZ LEUENBERGER

    Unser "teuerstes" Weltkulturerbe. Leider nicht immateriell...

  • Neutralität am 24.11.2010 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Neutralität

    Unsere Neutralität sollte Weltkulturerbe werden ;-)

    • reto am 24.11.2010 17:30 Report Diesen Beitrag melden

      häh?

      welche neutralität??

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