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06. Dezember 2018 05:41; Akt: 06.12.2018 05:41 Print

Die Mehrheit im Bundesrat hat nicht studiert

von Nikolai Thelitz - Ab heute stellen Akademiker im Bundesrat eine Minderheit. Der Bundesrat werde so volksnäher, sagt ein Lehrstellen-Experte.

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Früher war der Bundesrat eine Juristenhochburg, Heizungsmonteur Willi Ritschard (SP) und Handelsschüler Adolf Ogi (SVP) waren Exoten. Mit der Wahl von Karin Keller-Sutter besteht die Landesregierung nun erstmals mehrheitlich aus Personen, die keine klassische akademische Ausbildung hinter sich haben. Ueli Maurer (SVP) hat nach der Sek eine KV-Lehre gemacht, Guy Parmelin (SVP) hat zwar eine Matur, absolvierte dann aber doch eine Bauernlehre.

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Braucht es viele Akademiker im Bundesrat?

Simonetta Sommaruga (SP) hat ebenfalls eine Matura gemacht und liess sich dann am Konservatorium Luzern zur Konzertpianistin ausbilden. Sie belegte an der Uni zwar Kurse in spanischer und englischer Literatur, schloss aber nie ab. Karin Keller-Sutter (FDP) hat keine Matura. Stattdessen erwarb sie ein Handelsdiplom und ging dann an die Dolmetscherschule Zürich. Diese ist heute Teil der Fachhochschule ZHAW. 1996 erlangte Keller-Sutter am Pädagogischen Institut der Universität Freiburg ein Nachdiplom für Sprachlehrkräfte.

«Mit einer Lehre wird man heute problemlos Bundesrat»

Die Bundesräte mit Uniabschluss wären in der Minderheit. Ignazio Cassis (FDP) ist Mediziner, Alain Berset (SP) ist Doktor der Ökonomie. Auch die beiden CVP-Kandidatinnen sind klassische Akademikerinnen: Viola Amherd ist Juristin, Heidi Z'graggen ist promovierte Politologin, zuvor war sie Primarlehrerin.

Urs Casty, Inhaber des Lehrstellenportals Yousty, freut sich. «Das zeigt: Auch mit einer Lehre kann man heute problemlos Bundesrat werden. Das ist die beste Werbung für unser Bildungssystem.» Bis zu 70 Prozent der Bevölkerung starte immer noch mit einer Lehre in die Berufswelt. «Dass diese Leute nun auch in der Regierung besser vertreten sind, ist grossartig. Der Bundesrat ist womöglich nun volksnäher und setzt sich weniger dem Vorwurf aus, eine abgehobene Elite zu vertreten.»

«Die Welt ist nicht wie zu Willi Ritschards Zeiten»

Im Gegensatz zu früher sei das Bildungssystem heute viel durchlässiger. «Heute planen die meisten Lehrlinge Weiterbildungen und vielleicht auch ein Fachhochschulstudium. Früher blieb man viel eher sein Leben lang auf dem Beruf oder schlug eine Hochschulkarriere ein. Die Wege waren viel stärker getrennt.» Im Ausland gebe es diese Trennung immer noch: «In Frankreich, England oder den USA gibt es einige wenige Eliteschulen, in denen ein Grossteil der Regierungsvertreter ausgebildet werden. Das schafft einen Graben zwischen Politik und Bevölkerung.»

Am Institut für Übersetzen und Dolmetschen der ZHAW, in dem die Dolmetscherschule aufgegangen ist, ist man stolz darauf, dass es die berühmte Absolventin bis in den Bundesrat geschafft hat. «Auch in den 80er-Jahren war es eine anspruchsvolle Ausbildung, Keller-Sutter hat sich erst zur Übersetzerin und dann zur Konferenzdolmetscherin ausbilden lassen», sagt Sprecherin Christa Stocker. Dafür habe Keller-Sutter viereinhalb Jahre studiert. «Damals war es aber noch nicht so akademisiert wie heute, es war eine höhere Fachschule.» Wissenschaftliches Arbeiten, wie es heute Pflicht sei, habe es damals in dieser Form noch nicht gegeben.

Bei der Rektorenkonferenz der Schweizer Hochschulen Swissuniversities will man die Mehrheit an Nicht-Akademikern im Bundesrat nicht als Statusverlust des Unistudiums sehen. «Die Welt ist heute eine andere als zu Willi Ritschards Zeiten.» Fachhochschulen gebe es in dieser Form erst seit etwas über 20 Jahren, die Bildungswege seien vielfältiger, die Karrieremöglichkeiten mit einem Lehrabschluss viel grösser. «Ob Akademiker oder nicht: Uns ist wichtig, dass wir ein gutes und durchlässiges Bildungssystem haben, das vielfältige Laufbahnen und Bildungswege ermöglicht. Die Besetzung des Bundesrats zeigt: es gibt viele Wege zum Karriereziel», sagt Generalsekretätin Martina Weiss.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karin am 06.12.2018 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau Frau Frau um jeden Preis

    Ich bin einfach nur froh sind die beiden Frauen jetzt gewählt. Dieses Theater wegen zuwenig Frauen, seit dem rücktritt der beiden amtierenden Bundesräte ging es NUR um das Thema Frau, Frau, Frau.. als ob es die Politiker gar nicht intressieren würde ob die zwei neuen wirklich gut für den Bundesrat sind, hauptsache Frau. Mir ist es egal ob alles Männer, Frauen oder wieviel von jedem Geschlecht im Bundesrat sind, ob studiert, aus welcher Region..Sie müssen einfach gut sein!!

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  • Sandra am 06.12.2018 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Wir brauchen auch keine Studierten. Wir brauchen Menschen mit gesundem Menschenverstand, die fürs Land schauen.

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  • Dr. Jur am 06.12.2018 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist

    kein Kriterium - wichtig ist dass sie denken könnten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hafebeggi am 06.12.2018 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Definition von intelligenz

    Ein uniprofessor sagte einmal am radio, es brauche mehr intelligente leute in der schweiz, sprich mehr studierte! D.h. Aus seiner sicht ist das eine gleichung: intelligenz = hochschulsbschluss! Dann sind wir handwerker also alle " nicht intelligent" ich frage mich, wieviel oder wie wenig intelligenz braucht es für eine derart beleidigende aussage?

  • Freezer79 am 06.12.2018 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Finde ich super! Respekt!

  • I/L am 06.12.2018 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochstehende Berufsausbildung

    Das ist der Beleg für das tolle vielschichtig Bildungssystem Schweiz. In anderen Ländern findet man nur "studierte" in Regierungen, weil es sowieso keinen anderen Bildungsweg gibt. Die unglaublich hochstehenden Berufsausbildungen in der Schweiz stehen einem Studium in nichts nach, im Gegenteil, sie sind näher an der Praxis.

  • Triple Master am 06.12.2018 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum sollte ein Akademiker Bundesrat werden wolle

    Wer studierte und in der Industrie Fuss gefasst hat verdient wesentlich mehr als einen Bundesrat und bewegt sich auf dem globalen Parkett. Und das bei viel weniger Stress, Aufwand, Kritik, Rampenlicht Medienaufmerksamkeit. Verwaltungsratsmandate - sei es für NGOs, soziale Initiativen oder Start-ups - kommen einem da mit zunehmender Seniorität und wachsendem Netzwerk zugeflogen. Da verdient man auch, hat seine Portion Politik und kann ziemlich viel Einfluss nehmen ohne auf Lebensqualität zu verzichten. Warum sollte also ein Akademiker Bundesrat werden wollen?

  • Mitbürger am 06.12.2018 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    BR & Regierung sind keine Schoggijobs

    Ein Bundesrat braucht tatsächlich nicht unbedingt "ein Studierter/e" zu sein. Wichtig ist, dass er entsprechend fachlich gut ausgebildete Berater, Mitarbeiter der jeweiligen Departemente hat. Ein einzelner Mensch kann eh niemals alles wissen; schon gar nicht bei derart komplexen Themen die den Bundesräten vorgelegt werden. Auch einem jeden CH-Bürger kann's eine Regierung mit den BRs an der Spitze niemals Recht machen. Da sprechen ja schon die Kommentare hier!Es geht auch nicht darum wie kumpelhaft jemand sich darstellt. So werden keine Staaten regiert!