Elternurlaub

26. November 2014 16:42; Akt: 26.11.2014 16:42 Print

1,5 Jahre Baby-Auszeit für Mama und Papa?

von J. Büchi - Aline Trede (Grüne) verlangt einen Elternurlaub nach schwedischem Vorbild. Die Forderung stösst auf Kritik – auch wenn immer mehr Parteien über solche Modelle nachdenken.

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Mutter und Vater sollen nach dem Willen von Aline Trede eine 1,5-jährige Elternzeit bekommen, die sie untereinander aufteilen können. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Kommt in Schweden ein Baby zur Welt, erhalten Mutter und Vater zusammen 480 Tage Elternzeit. Sie können diesen Urlaub untereinander aufteilen, um sich ganz auf die Betreuung ihres Nachwuchses zu konzentrieren – mindestens 60 Tage muss der Vater beziehen. Anders in der Schweiz: Frauen erhalten hierzulande einen Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen oder umgerechnet 98 Tagen. Einen Vaterschaftsurlaub gibt es nicht.
Wenn vom Arbeitgeber nicht anders vorgesehen, kann ein Mann nach der Geburt seines Kindes lediglich einen Tag freinehmen – wie auch zum Zügeln oder bei einem Todesfall in der Familie.

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Geht es nach der grünen Nationalrätin Aline Trede, soll sich das ändern: In der Wintersession will sie einen Vorstoss einreichen, der eine 1,5-jährige Elternzeit verlangt, wobei mindestens ein halbes Jahr vom Vater bezogen werden soll. «Nur so kann wahre Gleichstellung erreicht und das Potenzial der Frauen in der Wirtschaft ausgeschöpft werden», ist sie überzeugt. Finanziert werden soll die Elternzeit, wie der heutige Mutterschaftsurlaub, über die Erwerbsersatzordnung. Wie viel die Umstellung kosten würde, ist unklar. Berechnungen aus dem Jahr 2010 gehen davon aus, dass schon ein halbjähriger Elternurlaub 1,1 Milliarden Franken kosten würde.

Elternurlaub wird mehrheitsfähiger

Trede glaubt, dass sich eine Elternzeit trotz der hohen Kosten unter dem Strich lohnen würde. «Wenn die Frauen Familie und Beruf besser vereinbaren könnten, blieben sie nach der Geburt ihres Kindes eher im Beruf.» Zudem entspreche die Forderung einem gesellschaftlichen Bedürfnis: «Die meisten jungen Väter wollen nicht nur am Wochenende für ihre Kinder da sein.»

Tatsächlich scheint das Thema Elternurlaub immer mehr Menschen unter den Nägeln zu brennen. Die Jugendsession hat sich diesen Monat symbolisch dafür ausgesprochen, den heutigen Mutterschaftsurlaub in eine sechsmonatige Elternzeit umzuwandeln. Ein kürzlich erschienener Bericht der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen (EKF) kommt zudem zum Schluss, dass die Forderung auch in National- und Ständerat mehrheitsfähiger geworden ist: Laut einer Umfrage der EKF sehen Parteien bis weit ins bürgerliche Lager Handlungsbedarf – nur die SVP lehnt die Idee eines Elternurlaubs grundsätzlich ab. In der Vergangenheit waren Vorstösse zum Thema im Parlament stets chancenlos geblieben.

Mutterschaftsurlaub aufteilen?

Martin Candinas (CVP) kämpft im Parlament für einen zweiwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub. Er ist überzeugt: «Frischgebackene Eltern brauchen Zeit für die Umstellung nach der Geburt eines Kindes. Diese Zeit sollten wir den Familien geben, nicht zuletzt auch weil die Rollenteilung zwischen Mutter und Vater heute vielfach eine andere ist als früher.» Die Forderung nach einer 1,5-jährigen Elternzeit lehnt er trotzdem klar ab. Sie sei «extrem und illusorisch». Das einzig Positive daran sei, dass der Vorstoss gemässigteren Anliegen wie seinem zum Durchbruch verhelfen könnte.

Das Gegenteil befürchtet Andrea Caroni (FDP). Er verlangt in einer Motion, dass der heutige 14-wöchige Mutterschaftsurlaub flexibel auf Mutter und Vater aufgeteilt wird – kostenneutral. «Wenn Aline Trede das Wort Elternzeit nun mit fast zweijährigen Ferien in Verbindung bringt, schadet das der Sache.» Eine solche Umverteilung gehe zudem zulasten der Kinderlosen. «Das darf nicht sein.»

Trede weist die Kritik ihrer Ratskollegen zurück: «Schweden zeigt, dass das Modell funktioniert.» Um ein zeitgemässes Familienleben führen zu können, brauche ein Paar mehr als zwei Wochen Vaterschafts- oder einen aufgeteilten Mutterschaftsurlaub. «Grundsätzlich wäre aber jeder noch so kleine Fortschritt in der Sache begrüssenswert.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K.M. am 26.11.2014 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vaterschaftsurlab, da bin ich dabei

    Schon nur zwei Wochen Vaterschaftsurlaub wären toll. Ein Tag reicht teilweise nicht einmal für die Geburt des Kindes.

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  • Tea am 26.11.2014 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1 Tag

    Ist echt krass. Auch wenn zb ein Elternteil stirbt. Da wird einem klar, dass man nur Stallvieh ist.

  • Leser am 26.11.2014 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wann wachen die mal auf?

    Wer weckt die Linken mal aus ihrer Märchenwelt auf und erklärt denen, dass Geld nicht auf den Bäumen wächst?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicole Lindenau am 08.12.2014 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Candias Vorschlag ist sicher ein Modell was Strebenswert ist. Wenn ein Vater die anfängliche Umstellung mit seiner Partnerin gemeinsam organisieren könnte würden in Zukunft viel weniger Beziehungen in die Brüche gehen. Jetzt ist es ja extrem. Die Mutter kommt in eine extreme Umstellung dihei, während der Vater so weiter machen soll wie bisher und dazu muss er auch noch jeden Tag nach Hause kommen und alles hinnehmen wie es ist.Können beide nicht optimal miteinander Kommunizieren gibt es Streit, aufgebauten Frust und ein baldiges Ende. Familiengemeinschaft sollte gefördert werden. Bravo

  • Paul Brandsma am 08.12.2014 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum mehr Mutter/Vaterschatsurlaub Milliarden an

    wenn selbst die WHO eine 6 monatige Stillteit als absolutes MINIMUM empfiehlt um einem Kind ein minimales Gesundheits-Startkapital in diese Welt der 1001 Krankheiten zu geben, sehen die mikrigen 14 Wöcheli für Frau Schweizer schon gar schäbig aus. erklär ich später meinem Kind es habe Asthma und die Gluten-Allergie weil der liebe Staat kein Geld hat um dem Mami ein bisschen mehr Zeit zum Muttersein zu gewähren. Wir sprechen hier Langzeitinvestment! Mit ein paar Monaten mehr Mutter(und Vater)schaftsurlaub können so Milliarden an Gesundheitskosten gespart werden. Die Rechnung geht auf.

  • Dani am 01.12.2014 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Wenn es in anderen ,viel ärmeren Ländern funktioniert,warum sollte es dann hier nicht funktionieren?! Und an die Kinderlosen, unsere Kinder sichern euere Renten! Bitte,zuerst das Ganze an eigenem Leib erfahren und dann mitreden.

  • Ich am 01.12.2014 00:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder brauchen uns!

    Ich bin 24 und vor 2 Monat Mutter geworden. Ich arbeite nicht, denn mein Mann verdient genug. Er konnte auch 2 Monat Ferien nehmen und hatte Zeit für mich und das Baby, dass war sehr hilfreich, leider haben dieses Glück nicht jede. Es sollte aber Möglich sein, ist in viele ärmere Länder auch. Kann nicht sein das in der Schweiz nicht geht. Kinder sind unsere Zukunft und in diese Babyphasen, brauchen sie uns am meiste. Sonst wächst die Wirtschaft nicht. Es kann nicht sein das man der Wunsch eine Familie zu gründe aufgibt, weil alles so teuer ist und man keine Zeit und Geld für die Kinder hat.

  • Serafina am 30.11.2014 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elternurlaub

    Ganz ehrlich, warum denken alle immer nur an Geld? Wie oben schon erwähnt, Kinder sind unsere Zukunft. Ich würde nicht gerne mein Kind in eine Kita bringen. Wie man in letzter Zeit hört wurden sogar Kinder von den Betreuerinnen misshandelt-.- Warum sollte man sein Kind in eine Kita stecken wo es misshandelt und einen Schock hat und dann zahlt noch einen haufen Geld für diese Betreuung zahlen anstatt, dass ich selber darauf aufpasse und Zeit mit ihm verbringen kann.