CO2-Bilanz

08. Juni 2019 20:54; Akt: 09.06.2019 01:45 Print

1h Feuerwerk belastet Klima gleich wie 1h surfen

Konstanz schafft das Feuerwerk am Seenachtsfest aus Klimagründen ab. Experten sind skeptisch, die Klimajugend freuts – und sie fordert Alternativen.

Bei welchen Tätigkeiten wird am meisten CO2 ausgestossen? Sehen Sie die eindrücklichen Vergleiche im Video.
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CO2, Feinstaub, Lärm: Die Stadt Konstanz will aus Umweltschutzgründen auf das traditionelle Feuerwerk am Seenachtsfest verzichten. Die Stadt habe den Klimanotstand ausgerufen, begründet Oberbürgermeister Uli Burchhardt die Pläne. Daher sei es fraglich, ob das Fest mit dem Feuerwerk als Höhepunkt noch zur heutigen Zeit passe.

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Soll auf Feuerwerke an Grossanlässen verzichtet werden?

Jann Kessler von der Bewegung Klimastreik Schweiz begrüsst den Entscheid. «Konstanz geht als Vorreiterin voran: Schweizer Städte und Veranstalter sollten diesem Beispiel folgen», so der 23-Jährige. Sie müssten sich die Frage stellen, ob solche «kurzfristigen Knall- und Leuchteffekte die enorme Umwelt- und Luftverschmutzung» wert seien (siehe Box).

Feuerwerk ist kein Klimakiller

Doch wie schädlich ist Feuerwerk? «Aus Klimaschutzgründen darauf zu verzichten, macht keinen Sinn», sagte Empa-Luftreinhaltespezialist Dominik Brunner im «St.Galler Tagblatt». Der CO2-Ausstoss von Böllern und Raketen sei vergleichsweise marginal, bestätigt auch ETH-Klimaforscher Reto Knutti.

Laut einer Studie des Bundesamts für Umwelt (Bafu) werden in der Schweiz jährlich 2000 Tonnen Feuerwerkskörper gezündet – und dabei 86 Tonnen CO2 freigesetzt. Ein Viertel davon wird allein am Züri-Fäscht, das in einem Monat stattfindet, in die Luft geschossen: 23 Tonnen CO2 verursachen die drei Fest-Feuerwerke (à 20 bis 30 Minuten) laut einer Studie von Myclimate. Bei rund 2 Millionen Festbesuchern macht das 12 Gramm CO2 pro Person – etwa gleich viel, wie ein laufender Laptop in einer Stunde erzeugt.

Auch im Vergleich zum gesamten CO2-Ausstoss des Züri-Fäschts machen die Feuerwerke nur 0,2 Prozent aus. Der Hauptteil der 12’400 Tonnen CO2, die beim Anlass entstehen, entfällt auf die Anreise der Besucher (5200 Tonnen) sowie auf die Mahlzeiten (5000 Tonnen). Das Festprogramm werde allerdings CO2-kompensiert, betont Mediensprecher Andreas Hugi. «Wir bezahlen dafür 21’500 Franken an Myclimate.»

Ist Gesellschaft bereit für Alternativen?

Auf die Feuerwerke zu verzichten, sei heute unvorstellbar, so Hugi. «Sie sind ein integraler Teil der Festgeschichte.» Auch weitere Schweizer Städte halten am bunten Spektakel bei Grossanlässen fest. So feiert Bern den 1. August auf dem Gurten mit Feuerwerk, die Stadt Basel lässt es tags zuvor (31. Juli) knallen. Auch die Seenachtsfest-Organisationskomitees in Kreuzlingen und Arbon wollen die Feuerwerktradition vorerst nicht aufgeben.

Jann Kessler von Klimastreik Schweiz fordert ein Umdenken: «Es braucht Alternativen, die die Natur nicht zerstören. Das ist eine Chance für Veranstalter.» Statt Feuerwerk und Flugzeugstaffeln seien Laser- und Drohnenshows denkbar – oder Attraktionen, die auf Mitwirkung abzielten. «Wenn Hunderte mit Pedalos und Leuchtstäben auf dem See Figuren kreieren, gäbe das schöne Luftaufnahmen, die übertragen werden könnten», so Kessler.

Solchen Vorschlägen sei man nicht abgeneigt, sagt Züri-Fäscht-Sprecher Hugi. Erstmals gebe es heuer eine Drohnenshow. Die Fluggeräte sollen spektakuläre 3-D-Bilder über dem Zürichsee projizieren. Hugi: «Wenn der gesellschaftliche Wandel weiter voranschreitet, kann ich mir vorstellen, dass solche Shows in einigen Jahren die klassischen Feuerwerke oder Flugzeugstaffeln ablösen können.» Noch sei das aber nicht der Fall.

(rol)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Condorman am 08.06.2019 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so ein Gejammer diese Klimadebatte

    Was da alles immer wieder erfunden wird um ein Klima zu schützen ist schon pragmatisch und stupid, was machen all diese Gegner wohnen sie im Wald oder was ???? gebt Antworten!!!!

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  • Shera am 08.06.2019 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht.

    Das ist EINMAL im Jahr, wenn überhaupt... Der Gotthard-Stau ist an JEDEM verlängerten Wochenende UND den Ferien. Kann man also aus Klimagründen auch zumachen. Ich liebe Feuerwerke, und ja ich bin mir bewusst, dass es eine Umweltbelastung ist!

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  • andreas am 08.06.2019 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Kann doch nicht sein, dass alles aus Klimagründen verboten wird? Das Fest ohne Feuerwerk, kann ich genauso zu Hause bleiben

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Arche Noah am 13.06.2019 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    CO2 ???

    Zusammensetzung der Erdatmosphäre; 78 % Stickstoff 21 % Sauerstoff Sowie Spurengase wie; 0,93 Argon 0,038 % CO2, Rest ist Wasserdampf und Ozon Fluorkohlenwasserstof Methan < 2 ppm = 2 Millionstel der Erdatmosphäre Wissenschaftliche Erkenntnisse decken sich nicht mit den Behauptungen, dass das Klima werde durch Kohlendioxyd bestimmt, ob vom Menschen verursacht oder nicht.

  • Pille am 11.06.2019 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht dasselbe

    Kann man das vergoren ? Diesen Feinstaub und CO von einem Laptop

  • Ani am 11.06.2019 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übertreiben

    ...und irgendwann dürfen wir kein CO2 mehr ausatmen und bloss nicht furzen. Hört doch auf mit dem übertriebenen Klimaterror! Die Menge macht das Gift

  • Sebomir am 10.06.2019 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Also feiert in der Schweiz

    Hoffentlich gehen viele Deutsche bei Konstanz über die Grenze und schauen sich in der Schweiz das Feuerwerk von nahem an und lassen dort ihr Kapital liegen. Klimawandel ummantelt mit Kostenersparnissen soll nicht belohnt werden.

    • gritli am 04.07.2019 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      Feuerwerk

      Denn Abfahl nehmt dann bitte auch wieder mit nach Deutschland

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  • Daisydream am 10.06.2019 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Schleichwerbung für Netflix? Zum Feuerwerk: Hat man auch die Feinstaubbelastung, etwa an Sylvester, einbezogen? Das ist nämlich auch nicht gerade förderlich für die Umwelt und somit fürs Klima. Ich weiss, Umwelt und Klima sind nicht dasselbe. Aber ohne intakte Umwelt, kein gutes Klima, oder? Oder will man sich einfach alles schönreden?