Zu viele Jungtiere

23. September 2014 10:41; Akt: 23.09.2014 10:50 Print

100'000 Kätzchen werden jedes Jahr getötet

Unkontrolliert kommen jedes Jahr Unmengen Kätzchen zur Welt. Bauern und Private ersticken, ertränken, erschiessen oder erschlagen dann die überzähligen Tiere.

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Insbesondere auf Bauernhöfen kommen jedes Jahr Dutzende Kätzchen auf die Welt, die niemand will. Die Landwirte machen dann meist kurzen Prozess: Sie töten die Tiere, indem sie sie ertränken, erschlagen, vergasen oder ersticken.

Aber auch Private machen auf wilde Kätzchen Jagd. Rund 100'000 kleine Kätzchen erleiden gemäss Tierschutzorganisation Netap jährlich dieses Schicksal. «Wir haben bei allen Berechnungsfaktoren den tiefsten Wert genommen und kommen dennoch auf diese horrende Zahl», sagt Präsidentin Esther Geiser dem «Beobachter». Sie geht davon aus, dass die über 100'000 streunenden und halb verwilderten Katzen jedes Jahr zwischen 160'000 bis 320'000 Katzenwelpen gebären. «Ein beträchtlicher Teil davon wird getötet, sonst hätten wir viel mehr Katzen in der Schweiz.»

Netap geht auf die Bauern mit vielen Katzen zu und kastriert sie vergünstigt oder gratis. Für einige Bauern sei Kastration eine Selbstverständlichkeit. Manche seien dankbar, dass man ihnen das Töten der Tiere so abnimmt. «Andere jagen uns mit wüsten Drohungen vom Hof», sagt Geisser. Dahinter steckten ganz unterschiedliche Motive wie Aberglaube, Religion oder einfach Gleichgültigkeit. «Manche glauben auch, die kastrierte Katze jage weniger, was Blödsinn ist.» Netap begegnet aber auch Bauern, die damit prahlen, dass sie Katzen erschiessen. «Sie zeigen uns Einschusslöcher der letzten Liquidation.»

Verwilderte Katzen auch in der Stadt

Beim Schweizer Tierschutz bestätigt man das Problem der Katzentötungen. In grossem Stil werde dies vor allem noch in ländlichen Gebieten gemacht. Heute seien viele Bauern aber eher bereit, ihre Katzen zu kastrieren als früher. «Wir versuchen vor allem über Aufklärung etwas zu erreichen», so Sprecherin Helen Sandmeier.

Verwilderte Katzen finde man aber auch in der Stadt. «Es braucht nur ein streunendes Pärchen, das in einem Schrebergarten oder auf einem Fabrikgelände Unterschlupf findet», sagt Sandmeier. Sobald sie sich vermehrten, bilde sich schnell eine Gruppe wilder Katzen. Diese seien vielfach krank und unterernährt. «Darum ist es wichtig, dass man früh eingreift und diese Katzen einsammelt.»

Netap führt jährlich zahlreiche Massenkastrationen durch – dieses Jahr zum ersten Mal auch gemeinsam mit dem Schweizer Tierschutz. Bei Netap betont man, dass die Kastration auch für die Katzen nur Vorteile biete: «Sie stecken sich weniger mit Krankheiten an und durch die kleineren Revieransprüche sinkt das Risiko für Unfälle und Kampfverletzungen.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ms am 23.09.2014 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Bravo und danke an die Helfer dieser Aktion!!

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  • karl minder am 23.09.2014 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mahatma Gandhi

    wie sagte doch schon Mahatma Gandhi: "Die Größe und den moralischer Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt."

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  • A.W. am 23.09.2014 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Generell Mühe

    Vielen Bauern ist es einfach schlichtweg egal.Sie kastrieren ihre Katzen nicht,obwohl sie weniger bezahlen müssen als andere Katzenhalter.Meistens wissen die Bauern gar nicht wieviele Katzen sie eigentlich haben.Habe sowieso immer mehr Mühe wie die Bauern generell ihre Tiere behandeln

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Quoc Co Tran am 23.09.2014 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Katzen- und Hundefleisch als Alternative

    gibt es bald Katzenfleisch in den Regalen der Supermärkte?

  • Roni am 23.09.2014 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Vögel freut es

    Wie viele Vögel fängt eine Katze im Jahr ?Mal 100 000.Danke für die Rettung.

  • Sabrina am 23.09.2014 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele katzen, mühsam

    Es gibt einfach zu viel katzen! und mal ehrlich, katzenbesitzer sollten auch steuer zahlen, dann wird schnell passieren dass es weniger katzen gibt!

  • Katzenliebhanerin am 23.09.2014 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alle Bauern sind gleich!

    Wir hatten auf unserem Hof zeitweise 8 Katzen, und keine war kastriert. Dennoch habem wir und um sie gekümmert, entwurmt, geimpft usw. Alle Büsis die es gab wurden von Dorf- oder Stadtmanschen "adopptiert". Diese waren sogar erfreut so zu Katzen zu kommen und nicht 500.- und mehr beim Züchter zu zahlen. Nun haben wir sogar wieder 2 Katzen von befreundeten Bauern geholt, da die 8 Katzen nicht mehr da sind (keine sorge sie starben einen natürlichen Tot oder sind weggelaufen).

  • Eis Kool am 23.09.2014 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade!

    Und nun wird ein Gesetz erlassen, dass das Essen von Hunden und Katzen verbietet! Also sinnlose Tötung bevorzugt...