162 FSME-Fälle

12. August 2019 20:25; Akt: 12.08.2019 20:25 Print

13'000 Personen gingen wegen Zecken zum Arzt

162 FSME-Fälle und 5900 akute Fälle von Borreliose wurden in der Schweiz dieses Jahr registriert. Das BAG spricht von einem «mittleren Wert» im mehrjährigen Vergleich.

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Nicht nur im Wald muss man mit Zecken rechnen. Denn die Blutsauger sind auch im hohen Gras oder auf Wiesen anzutreffen. Und das zuhauf, wie ZHAW-Zeckenforscher Werner Tischhauser ... befinden sich darauf gleich mehrere Zecken. Kleine genauso wie grosse. Sie alle sammelt der Fachmann ein – um sie anschliessend zu vernichten. Schliesslich soll keines der während des Experiments gesammelten Tiere dem Menschen gefährlich werden. Denn während die Tiere an uns saugen, können sie Krankheiten wie ... Lyme-Borreliose übertragen. (Im Bild: eine sogenannte Wanderröte, ein Anzeichen der bakteriellen Erkrankung) Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, die Zecke schnell zu entfernen. Doch noch besser wäre es, ein spezielles Zecken-Instrument zu nutzen. Bloss welches? Schliesslich gibt es Zeckenpinzetten, -karten, -zangen und das sogenannte Tick Tool, das in einem Taschenmesser integriert ist. Tatsächlich gibt es deutliche Unterschiede, sagt Werner Tischhauser von der ZHAW, der für 20 Minuten die vier Varianten an einer künstlichen Haut testete. Die dort hineingesteckten Stecknadeln stellen Zecken dar. Schliesslich wäre ein Test mit echten Exemplaren, die sich in menschliche Haut verbeissen, zu riskant. sind praktisch, weil sie in jedes Portemonnaie passen. Doch nicht alle sind laut Werner Tischhauser gleich gut. Wichtig sei, dass die V-förmigen Öffnungen, mit denen man unter die Spinnentiere fährt, um sie aus der Haut zu ziehen, aus der Karte herausragen. Der Grund: «Wenn ich damit in einer Körperbeugung – zum Beispiel unter der Achsel – ans Werk muss, komme ich mit den nach innen gerichteten Öffnungen nicht gut ran.» Bei den nach aussen gerichteten könne man besser navigieren. Das ist neu auf dem Markt – und das erste seiner Art. Es ist in ein Swiza-Taschenmesser integriert und Tischhausers Favorit. Schliesslich war die ZHAW an der Entwicklung beteiligt. Im Grunde genommen ist es eine optimierte Zeckenkarte. «Die V-förmige Öffnung läuft so zu, dass man sowohl kleine als auch grosse Zecken damit greifen kann. Gleichzeitig hat man die Kontrolle über das Instrument», so Tischhauser. Clever: Die Lupe, mit der man sehen kann, wo man operiert. Anders als klassische Pinzetten sind vorne spitz und gebogen. Das ist wichtig, denn nur dann kann man die beiden Greifer zwischen Blutsauger und Haut schieben. Sind sie aber zu breit, wie auf dem hier abgebildeten Instrument, läuft man Gefahr, den Körper der Zecke zu zerquetschen und allfällige Erreger in den Körper zu drücken. «Eine Pinzette mit so breiten Spitzen ist eher für adulte, grössere Zecken geeignet», lautet das Expertenurteil. wie diese empfiehlt Tischhauser klar nicht für den Einsatz beim Menschen: «Zwar lässt sie sich dank des Federmechanismus einhändig bedienen, aber vorne ist sie zu wenig filigran. Damit könnte man – gerade bei sehr kleinen Exemplaren – den Hinterleib der Zecke quetschen.» Für überflüssig hält er derartige Modelle dennoch nicht. Für die Anwendung bei Tieren sei sie gut geeignet. Mir ihr hat man immer eine Hand frei, um das Tier festzuhalten. Doch welches Hilfsmittel man auch immer nutzt, um das Spinnentier zu entfernen: Wichtig ist, dass der Stich abschliessend desinfiziert wird.

Zum Thema
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In der Schweiz sind bis Ende Juli 162 Fälle der durch Zecken verursachten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gemeldet worden. Nach Einschätzung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) handelt es sich dabei im mehrjährigen Vergleich um einen mittleren Wert.

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Seit 2000 seien im gleichen Zeitraum jeweils zwischen 39 und 282 Fälle gemeldet worden, schreibt das BAG in einem am Montag im BAG-Bulletin veröffentlichten Lagebericht zu den zeckenübertragenen Krankheiten.

5900 akute Fälle

Bis Ende Juli seien hochgerechnet 13'000 Arztbesuche wegen Zeckenstichen sowie 5900 akute Fälle von Borreliose gemeldet worden. Sowohl der Wert für die akuten Fälle von Borreliose wie auch die Anzahl Arztbesuche bewegten sich im Mittel des mehrjährigen Vergleichs.

Aufgrund ihrer Häufigkeit werden Zahlen zu Zeckenstichen und Borreliose über das Sentinella-Meldesystem erfasst. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von Hausärzten, die auf freiwilliger Basis wöchentlich die Anzahl Arztbesuche aufgrund von Zeckenstichen und Borreliose melden. Darauf basierend wird auf die gesamtschweizerische Anzahl hochgerechnet.

Grosse Schwankungen

Die monatlichen Meldungen verlaufen wellenförmig in der warmen Jahreszeit und verdeutlichen die Saisonalität dieser Beobachtungen. Sie unterliegen sowohl innerhalb einer Saison als auch im Vergleich zu anderen Jahren grossen Schwankungen, wie das BAG weiter schreibt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Mensch am 12.08.2019 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nach einem Aufenthalt im Wald

    Nach einem Aufenthalt im Wald oder auf einer Wiese sollte man seinen Körper immer gut nach Zecken absuchen. Die Blutsauger mögen vor allem warme, feuchte Hautpartien wie Achselhöhlen, Schultern, Nacken, Kniekehlen und Armbeugen. Wenn Sie eine Zecke entdecken, ziehen Sie sie sofort mit einer Pinzette aus der Haut. Wichtig: Nicht drehen und nie mit Öl oder Leim behandeln.

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  • Genau am 12.08.2019 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lyme Borreliose

    Die Lyme Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht. Schätzungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zufolge, sind in der ganzen Schweiz etwa 5-30% der Zecken mit diesem Bakterium infiziert, und etwa 6000-12000 Personen erkranken pro Jahr an Borreliose. Die Borreliose kann mit Antibiotika behandelt und bei rechtzeitiger Diagnose und adäquater Therapie auch vollständig geheilt werden.

  • Ein 60er am 12.08.2019 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Lähmungserscheinungen.

    Lähmungserscheinungen. Zeckenlähmung wird durch über 40 Zeckenarten weltweit übertragen. Der Betroffene leidet unter Taubheit in den Beinen und Muskelschmerzen. Die Symptome beginnen normalerweise zwischen dem fünften und siebten Tag nach einem Stich. Wenn man eine oder mehrere dieser Symptome aufweist, sollte man einen Arzt aufsuchen. Zecken springen Menschen übrigens nicht an und fallen auch nicht von Bäumen. Sie lauern auf Sträuchern und Gräsen und haften sich von dort an Menschen oder Tiere, die vorbaulaufen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Greterich am 13.08.2019 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sturheit wie beim Klima

    Viele, die hier schreiben und die Zeckenbisse herunterspielen, haben wohl schon Schaden im Gehirn genommen.

    • Tom am 13.08.2019 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Greterich

      Die haben schlicht und einfach keine Ahnung von FSME und dieser Virusinfektion. Es hat nichts, aber auch gar nichts mit Borreliose zu tun oder gemein

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  • Der Dentist am 13.08.2019 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeckenbiss gilt als Unfall!!

    Zur Info an alle Arbeitnehmer! Der Zeckenbiss gilt als Unfall!! Also, falls Sie von einer Zecke gebissen werden, unbedingt AG informieren, dann ersparen Sie sich die Arztkosten!

    • eine Betroffene am 13.08.2019 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Dentist

      Das stimmt, kann ich bestätigen. War zwar auch überrascht, aber ein Zeckenbiss ist ein plötzlich eintretendes Ereignis, also ein Unfall! (bloss etwas schwierig, die Kosten auf den Verursacher abzuwälzen :-) )

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  • Das eigentliche Problem am 13.08.2019 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Borreliose

    Nicht unbedingt. Niemand kann sagen, was für Schäden Impfungen hinterlassen. FSME ist übrigens bei 90% der Leute mit etwas Kopfschmerz und Fieber vorbei. Ca. 10% haben schwerere Symptome die behandelt werden müssen und bei ca. 1% kommts zur Hirnhautentzündung, meist Kinder, Immungeschwächte oder Alte. Borreliose ist viel gefährlicher, wird oft (wie die Zecke) nicht erkannt und bereitet vielen Menschen schwere Leiden.

    • eine Betroffene am 13.08.2019 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Das eigentliche Problem

      Diese Prozentzahlen sind wohl etwas aus der Luft gegriffen... 90% etwas Kopfweh und Fieber.... 10% Behandlung notwendig.... da stelle ich mir die Frage: wer hat bei den 90% die Diagnose FSME gemacht? ;-) ...oder gehen 100% wegen etwas Kopfweh und ein wenig Fieber zum Arzt?

    • Betroffener am 13.08.2019 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Das eigentliche Problem

      Was für ein Schmarren! Jene, welche tatsächlich FSME hatten, enden zu einem nicht unerheblichen Teil als Pflegefälle oder tragen starke gesundheitliche Beschwerden davon! Meine FSME hat 65'000.- an Spitalkosten und 7 Monate Arbeitsunfähigkeit gebracht. Glücklicherweise nur Konzentrationsschwäche, eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis und Doppelbilder nach 2 Jahren als Folgeerscheinung. Eine grob fahrlässige Verharmlosung die sie hier verbreiten.

    • Urs am 13.08.2019 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Das eigentliche Problem

      Falsch! FSME ist nicht nur eine Hinhautentzündung, sonder der Virus durchbricht diese Schranke und wütet im Hirn selber!! Die Folgen können neben vielen Pflegefällen auch tödlich enden.

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  • Niki am 13.08.2019 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opfer

    Hatte innerhalb von 2 Monaten 4 Zeckenbisse. Ich gib davor nicht in Wald oder sonst was. Es reicht anscheinend schon wenn man im EG wohnt und rund um die Wohnung Wildwuchs herscht. Kleiner Tipp: Teebaumöl mögen die Biester nicht.

    • Silvana am 13.08.2019 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      Hilfeeee

      Hatten Sie folgen von den Bissen?

    • Niki am 13.08.2019 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Silvana

      Hatte 3 Stiche am re. Unterarm und 1. Stich am li. Ellenbogen. Beim 2 Stich ging ich zum Arzt, da die Rötung einen Durchmesser von 8cm hatte, spührte meine Finger nicht mehr richtig und hatte im Unterarm so ein kribbeln. Antibiotika 16 Tage, in doppelter Dosis als im Beipackzettel beschrieben. Bei den folgenden zwei hatte ich lokal Sz und das Kribbeln im Unterarm.

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  • Tina am 13.08.2019 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nur gäud macherei!

    Alles hat seinen Platz und Grund wieso es auf der Welt ist, beim Mensch bin ich mir noch nicht so sicher!