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09. September 2018 16:17; Akt: 09.09.2018 16:17 Print

17 Frauen starben nach Pille an Lungenembolie

Die Meldungen über unerwünschte Nebenwirkungen der Antibabypille haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

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Kann mitunter schwere Nebenwirkungen haben: die Antibabypille. Ihr Fall sorgte für einen Wandel im Umgang mit den Risiken der Antibabypille: Céline Pfleger (25) und ihre Mutter Claudia (53). Ein Buch, das Pfleger über ihre Tochter geschrieben hat, ist im Dezember 2016 erschienen. Es soll über die Gefahren der Antibabypille aufklären und informieren. Céline lebt in einem Wohnhaus für körperlich behinderte Menschen in Schaffhausen. Ihr Zimmer ist ganz nach ihrem Gusto eingerichtet. An der Wand hängt ihr Idol: Audrey Hepburn. Das Personal im Wohnhaus machen ihr den Lidstrich genau gleich. Mutter Claudia Pfleger ist sehr dankbar für die Unterstützung, die sie von vielen Seiten erhält. So wurde mehrmals bereits für Céline Geld gesammelt. Die beiden Schaffhauser Vanessa Lüthi und Philipp Herzog haben 2015 eine Rockkonzert für Céline organisiert und auf diese Weise rund 13'000 Franken gesammelt. Zusammen mit dem IV-Beitrag kamen so die nötigen 42'000 Franken zusammen, um der 25-jährigen Schaffhauserin einen Elektrorollstuhl kaufen zu können. Claudia Pfleger möchte sich bei allen herzlich, bedanken, die Céline unterstützt haben. Céline nimmt soweit wie möglich an der Tagesstruktur teil. Sie malt im Atelier mit Hilfe und geht in die Physio-Therapie und Logopädie. Am 20.März 2008, kurz nachdem sie begonnen hatte, die Antibabypille Yasmin zu nehmen, bekam die damals 16-jährige Schaffhauserin Céline Pfleger eine Lungenembolie. Seither ist sie schwer behindert, kann nicht mehr gehen, sprechen oder selbständig essen. Céline hat mit der Hilfe ihrer Mutter den Konzern Bayer, der die Verhütungspille Yasmin herstellt, angeklagt und den Prozess verloren. Hier wurde Céline Pfleger nach ihrem Zusammenbruch behandelt. Die Schaffhauser Ärzte hielten in einem Bericht fest, dass Yasmin der einzige Risikofaktor war, der zu Célines Lungenembolie führen konnte.

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Mit dem «Fall Céline» sind die Risiken der Antibabypille in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt. Anfang 2008 erlitt die damals 16-jährige Céline Pfleger nach Einnahme der verschreibungspflichtigen Antibabypille «Yasmin» eine verheerende Lungenembolie. Diese führte zu einem Sauerstoffmangel und zu schweren Hirnschäden – Céline ist heute spastisch gelähmt.

Wie die «Zentralschweiz am Sonntag» schreibt, hat Swissmedic, die Aufsichtsbehörde für Arzneimittel, seither ein Vielfaches an Meldungen wegen unerwünschter Nebenwirkungen bei der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel verzeichnet. Das Meldebewusstsein habe sich deutlich verbessert. Die Aufsichtsbehörde erfasst seit 1990 sogenannte Spontanmeldungen zu unerwünschten Folgen der Antibabypille.

Insgesamt 17 Berichte über tödliche Lungenembolien erhielt Swissmedic seit 1990 – der letzte Fall datiert vom Oktober 2015. Die Frauen waren zwischen 17 und 49 Jahre alt. Laut Bruno Imthurn, Leiter des Kinderwunschzentrums am Universitätsspital Zürich, sei es wichtig, «dass die Pille nur an Frauen ohne Risikofaktoren verschrieben wird und dass sie auch wissen, dass es sich bei der Pille um ein Medikament und nicht ein harmloses Sugus handelt.»

(scl)