Zoll findet Päckli

24. April 2019 11:56; Akt: 24.04.2019 19:41 Print

17-Jährige hat Anzeige am Hals wegen Springmesser

Via Shopping-App bestellte eine 17-Jährige ein illegales Messer für 10 Franken. Der Zoll entdeckte das Päckli und zeigte die Bündnerin an.

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M.B.* muss bei der Jugendanwaltschaft Graubünden antraben. Der Grund: Die 17-Jährige bestellte ohne Wissen ihres Vaters ein Messer auf der Schnäppchen-App Wish. Das Messer mit symmetrischer Klinge kostete 10 Franken und wurde als Camping-Messer angepriesen.

Das Messer ist in der Schweiz allerdings verboten, da es sich automatisch aufklappt. Prompt fing der Flughafenzoll das Päckli Mitte März ab. Der Vater der 17-Jährigen sagt: «Meine Tochter hatte keine Ahnung, dass es sich um eine illegale Waffe handelt.» Trotzdem hat sie nun eine Anzeige wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz am Hals. Am 9. Mai muss sie zum Verhör bei der Jugendanwältin.

«Sie unternimmt gerne Outdoor-Aktivitäten»

Der Vater sagt, seine Tochter sei schockiert gewesen, als das Schreiben gekommen sei. «Sie hat das Messer bestellt, weil es ihr gefällt und weil sie gerne Outdoor-Aktivitäten unternimmt.» Verantwortungslos handelt aus seiner Sicht die Shopping-Plattform: «Das Messer wird unter dem Label ‹Outdoor und Survival› verkauft. Einen Hinweis darauf, dass die Messer verboten sind, gibt es nicht», so A.B.* Auch wenn er nie Ramsch in Fernost bestellen würde, könne man von einer 17-Jährigen nicht erwarten, dass sie die Rechtslage genau kenne.

Am schlimmsten sei nun die Ungewissheit, wie es weitergehe. Der jungen Frau droht ein Verweis, eine persönliche Leistung oder eine Busse.

Zoll findet immer mehr illegale Waffen

Der Fall von M.B. ist kein Einzelfall: 2018 deckten die Zollbehörden 8251 Verstösse gegen das Waffengesetz auf – fast doppelt so viele wie in den Vorjahren. Den grössten Teil machen laut der SRF-Sendung «10vor10» Klapp-, Wurf- und Schmetterlingsmesser, Schlagstöcke und Elektroschockgeräte aus, die in asiatischen Online-Shops zu Billigpreisen angeboten werden.

Seit diesem Jahr hat der Zoll die Kontrollen weiter verschärft. Dabei werden verdächtige Pakete am Flughafen auch gescannt. «Im Januar und Februar 2018 haben wir noch 80 Sendungen beschlagnahmt. Nun, ein Jahr später, sind es bereits 400», sagt Tanja Brunner, Abteilungsleiterin Flughafen Zürich bei der Eidgenössischen Zollverwaltung.

Wish sieht Verantwortung bei den Händlern

Zum Fall der jungen Bündnerin schreibt Glenn Lehrman, Kommunikationschef der Shopping-App Wish: «Händler, die auf Wish Produkte anbieten, sind verpflichtet, das geltende Recht zu befolgen.» Als Marktplatz mit mehr als einer Milliarde Produkte und mehr als einer Million Händler sei es Wish aber nicht möglich, jedes einzelne Produkt zu durchleuchten.

Man sei angewiesen auf Meldungen von Behörden oder Kunden bezüglich Verhaltensweisen, die Recht oder die AGB von Wish verletzten. «Wir untersuchen solche Meldungen und gehen gegen Angebote und Händler vor, wenn es sich herausstellt, dass Recht oder die Geschäftsbedingungen verletzt wurden.»

* Namen der Redaktion bekannt

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MadChengi am 24.04.2019 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Luino hiess das Paradies

    Die kaufte man früher auf dem Markt in Luino, mit dem Töffli ab über (!) den Gotthard und wieder zurück auf den Pausenplatz!

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  • Ben am 24.04.2019 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit schützt vor.....

    ...Strafe nicht. Es ist eine Sache der Erziehungsberechtigten, die Kinder auf den Konsum im Internet vorzubereiten. Gilt für Shops, wie auch Sozial Media.

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  • Lars Herrmann am 24.04.2019 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte...

    das Mädchen ein schweizer Sackmesser gekauft, dann hätte sie keine Probleme gehabt. Selber schuld.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 25.04.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Kontrolle in der Familie...

    Man kann ausser Faustfeuerwaffen mit vielen Gegenstände töten. Küchenmesser, Schere, Hammer oder mit einem Fahrzeug. Solche Messer für eine 17 Jährige sollte aber verboten sein. Die Schuld liegt bei den Eltern, wenn sie das Internet ihrer Sprösslinge nicht überwachen!

  • BigE am 25.04.2019 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was denn nun?

    Lustig, wie sich Jugendliche, wenn es ums Geradestehen für irgendwas geht, hinter dem Alter verstecken. Gleichzeitig wollen sie aber mit 16 abstimmen. Wenn sie mit 17 nicht in der Lage sind, Gesetze zu kennen und sich zu informieren, wie wollen sie dann politisch mitreden und sich informieren? Mitreden ohne Verwantwortung für sein Tun zu übernehmen funktioniert nicht!

  • El perro am 25.04.2019 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmetterlingsmesser

    Kann mir jemand erklären, weshalb ein Schmetterlingsmesser verboten ist? Ich stelle mir das praktisch vor... Für den Transport ist die Klinge "eingepackt" und dadurch viel sicherer als z. B. ein Brotmesser.

  • Mary Jane am 25.04.2019 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Artikel wurde "super" recherchiert^^

    Der Import von Butterflys ist Legal! Habe mich beim kauf darüber informiert es darf aber nur bis zu einer gewissen Klingenlänge haben (10cm). Meins habe ich ebenfalls auf wish bestellt und hatte sogar einen Kleber vom Zoll drauf aber nie sonstige Probleme bekommen.

    • Martial2 am 25.04.2019 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mary Jane

      Für was brauchen Sie ein solches Messer, etwa um das Brot zu streichen?

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  • TheSaint am 25.04.2019 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gemüsemesser

    Ein Gemüsemesser aus der IKEA kann genau so zu einer tödlichen Waffe werden. Die Keramik Messer schneiden wie Rasierklingen, die Klinge ist länger als 18cm und es wird im Handel normal angeboten. Wieso benötigt man dafür keinen Waffenschein?