Bakom-Studie

21. Januar 2020 20:11; Akt: 21.01.2020 20:11 Print

20 Minuten bleibt das einflussreichste Medium

Bei der Meinungsbildung der Schweizer Bevölkerung belegt 20 Minuten gemäss einer Studie des Bundes Spitzenplätze – zusammen mit der SRG.

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Zum zweiten Mal präsentierte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) am Dienstag den «Medienmonitor Schweiz». Darin wird untersucht, welche Medien die Schweizer bei ihrer Meinungsbildung beeinflussen. Erfasst werden gut 170 Medienmarken und acht Medienkonzerne. Auf nationaler Ebene ist 20 Minuten erneut die unbestrittene Nummer eins für Meinungsmacht. Diese setzt sich aus der Reichweite eines Mediums und der Qualität zusammen, die Befragte dem Medium zuschreiben. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2018.

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Schweizweit sieht das Ranking bezüglich der Meinungsmacht so aus:

1. 20 Minuten
2. SRF 1
3. Radio SRF 1
4. Radio SRF 3
5. SRF zwei
6. Blick
7. RTS Un
8. ARD
9. Srf.ch (online)
10. ZDF

Für Gaudenz Looser, Chefredaktor von 20 Minuten, ist die Studie eine Bestätigung des publizistischen Kurses: «Wir gehen von mündigen Bürgern aus, die niemanden brauchen, der ihnen sagt, was sie zu denken haben. 20 Minuten ist deshalb konsequent neutral und bildet alle Standpunkte ab. Die Bakom-Studie bestätigt nun erneut, dass die Bürger fähig sind, sich durch unsere neutralen Informationen selbst eine Meinung bilden. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Demokratie in der Schweiz.»

Auf regionaler Ebene ist die SRG in der stärksten Position und konnte diese im Vergleich zum letzten Jahr noch verbessern. Dazu trug auch Srf.ch bei, der «Aufsteiger des Jahres». Die SRG konnte demnach am meisten vom generellen Erstarken von Onlinemedien profitieren. In der Deutschschweiz hat der TV-Sender SRF 1 die grösste Medienmacht, dicht gefolgt von 20 Minuten.

In der Deutschschweiz sieht die Reihenfolge der meinungsmächtigsten Medien wie folgt aus:

1. SRF 1
2. 20 Minuten
3. Radio SRF 1
4. Radio SRF 3
5. SRF zwei
6. Blick
7. ARD
8. ZDF
9. Srf.ch (online)
10. Tages-Anzeiger

Geringe Meinungsmacht von Social Media

Die Studienautoren halten fest: «2018 zeigt sich erneut eine vielfältige und leistungsfähige Schweizer Medienlandschaft, die ihre gesellschaftliche Funktion zur Meinungsvielfaltssicherung weitgehend erfüllt.» Der Bevölkerung würden genügend Alternativen zur Verfügung gestellt, um ihren Informationsbedarf bei unterschiedlichen Quellen zu decken. Das sei für das Funktionieren der politischen Prozesse und den gesellschaftlichen Zusammenhalt unabdingbar.

Der wichtigste Verbreitungskanal ist TV mit einem Anteil an der Meinungsmacht von 32 Prozent, gefolgt von Radio mit 26 Prozent. Danach folgen Print (23 Prozent) und Online (20 Prozent). Zum ersten Mal befasst sich der «Medienmonitor Schweiz» auch mit der Meinungsmacht von Social Media. Gemäss inoffiziellen Hochrechnungen konzentriert sich landesweit und in der Deutschschweiz 10 Prozent der gesamten Meinungsmacht auf Social Media. «Es gibt keine dringenden Alarmzeichen dafür, dass soziale Netzwerke auf absehbare Zeit die Meinungsmachtstrukturen und damit das Mediensystem grundlegend in Frage stellen würden», heisst es im Bericht.

Überdenken des Förderungssystems

Nichtsdestotrotz seien die Bedingungen auf dem Medienmarkt schwierig. «Potenziell schädliche und beschleunigte Konzentrationstendenzen» könnten dazu führen, dass die ausgewogene Meinungsbildung in der Schweiz in Frage gestellt werden könnte. Insbesondere Printmedien haben Mühe – so wurden etwa die Printausgaben von «Le Matin» oder «Blick am Abend» eingestellt.

Gemäss der Studie erzielt die Zusammenlegung von Medienmarken zwar Synergieeffekte, häufig führe dies aber auch zu einer Reduktion der inhaltlichen Vielfalt bei den überregionalen Informationen. Besonders das Duopol SRG und Tamedia (neu TX Group) gewinnt zunehmend an Einfluss: Im Jahr 2018 vereinen diese beiden Häuser bereits über die Hälfte der nationalen Medienmacht. Die SRG ist mit einem Anteil von 35 Prozent klar marktführend, Tamedia ist 16 Prozent eine weitere massgebliche Stimme. Trotzdem bleibt die Schweiz auch 2018 ohne einen landesweit dominierenden Medienkonzern.

Die Studienautoren erwähnen, dass sich das Schweizer System der Medienförderung über Jahrzehnte bewährt habe und in der Bevölkerung breit akzeptiert sei, wie das Abstimmungsresultat zur No-Billag-Initiative im März 2018 bestätigt hat. Hinsichtlich zunehmender Konzentrationstendenzen müsse das Medienförderungssystem aber überdacht werden.

(les)