Flughafen Zürich

09. Februar 2019 20:06; Akt: 09.02.2019 20:21 Print

200 Passagier-Helfer bangen um ihre Jobs

Der Passagierbetreuungsdienst Careport verliert per Ende 2019 unerwartet seinen langjährigen Auftrag am Flughafen Zürich. Mitarbeiter sind verunsichert.

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Entsetzen bei den Mitarbeitern von Careport: Der Flughafen Zürich vergibt den Auftrag für die Passagierbetreuung nicht mehr an den langjährigen Anbieter Careport, sondern zieht den Neuling Goldwings vor. Sowohl die Mitarbeiter als auch die Careport AG vermuten, dass der neue Anbieter günstiger ist.

Laut Careport, die zum Flugzeugabfertiger Swissport gehört, sind rund 200 Mitarbeiter betroffen. Ihre Arbeitsplätze sind nur noch bis Ende Jahr garantiert. Sie begleiteten 2018 am Flughafen Zürich insgesamt 252’000 Personen auf den Flieger, weil sie etwa nicht gehen können. Entsprechend gross ist der Frust. Ein Mitarbeiter schreibt im Intranet: «Manchmal fragt man sich schon, warum man ständig versucht, sein Bestes zu geben. Da kommt auf einmal so ein Verein, von dem man noch nie etwas gehört hat, und er sticht eine etablierte Firma aus.»

Viele fürchten um ihre Existenz

Ein Swissport-Mitarbeiter sagt zu 20 Minuten: «Für uns kam der Entscheid sehr überraschend. Wir sind vom Flughafen Zürich enttäuscht, da Careport aus unserer Sicht immer qualitativ hochstehende Leistungen erbracht hat. Viele fürchten um ihre Existenz. Am schlimmsten ist die Unsicherheit.» Zwar fänden mit dem neuen Anbieter Goldwings Verhandlungen statt, um Careport-Mitarbeiter dort unterbringen zu können. Jedoch werde befürchtet, dass eine solche Anstellung mit schlechteren Arbeitskonditionen wie tieferer Bezahlung einhergehen. «Es ist halt einfach nicht möglich, dieselbe Qualität zu niedrigeren Preisen zu gewährleisten.»

Careport-Sprecherin Nathalie Berchtold sagt zu 20 Minuten: «Wir nehmen den Entscheid mit grossem Bedauern zur Kenntnis und können den Entscheid der Flughafen Zürich AG nicht nachvollziehen.» Und weiter: «Unsere Mitarbeiter leiden unter Stellenverlust- und Existenzängsten und befürchten die Übernahme des Dienstleistungsvertrags durch einen Tieflohnanbieter.» Die Careport-Mitarbeiter seien vergangenen Mittwoch schriftlich, aber auch in persönlichen Gesprächen informiert und abgeholt worden. Das Unternehmen setze nun alles daran, um eine Anschlusslösung zu finden.

Letztlich habe wohl hauptsächlich der Kostenfaktor über die Vergabe des Auftrags entschieden: «Wie der Konkurrent diese tiefe Kostenbasis erreicht, wissen wir nicht.» Man prüfe die Einleitung von rechtlichen Schritten.» Gegen den Entscheid kann beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürichs Einspruch erhoben werden.

Nachfolger verspricht, Angestellte zu übernehmen

Der Flughafen Zürich musste den Auftrag der Betreuung der Passagiere nach rund neun Jahren öffentlich ausschreiben, weil er auslief. Flughafen-Sprecherin Jasmin Bodmer-Breu sagt, im Rahmen der Neuausschreibung des Dienstleistungsvertrages habe man sich unter Berücksichtigung der gängigen Qualitäts- und Kostenkriterien für Goldwings entschieden. Aktionäre der Firma Goldwings seien die Airline Assistance Switzerland (AAS) und die griechische Goldair Handling. Bodmer-Breu betont weiter: «Wir hatten mit Careport AG eine sehr gute Partnerschaft. Wir sind aber überzeugt, dass auch die neue Partnerschaft gut verlaufen wird.»

Die Vertreter des neu gegründeten Joint Ventures Goldwings AG geben sich ebenfalls optimistisch. So verspricht Dimitris Papamichail, CEO des griechischen Partners: «Gerne möchten wir mit den Careport-Mitarbeitern weiter zusammenarbeiten. Deshalb bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit an, bei der Goldwings AG unter denselben Arbeitsbedingungen wie bisher arbeiten zu können.»

Auch der CEO von AAS, Dieter Streuli, sagt: «Der Markt ist viel zu umkämpft. Wir könnten es uns deshalb gar nicht leisten, tiefere Löhne zu zahlen.» Streuli vermutet die Gründe für den Zuschlag des Flughafen Zürichs in der Kombination aus Innovation und Technologie: «Durch unsere technologischen und operativen Erfahrungen – unter anderem von unserem griechischen Partner – sind wir in der Lage, eine kostenbewusstere Situation zu schaffen als die Konkurrenz.»

(mm)