Ab 1. Januar

29. Dezember 2011 09:29; Akt: 29.12.2011 09:54 Print

2012 steigen die Bussen und sinken die Renten

Im neuen Jahr gelten in der Schweiz hunderte neue Gesetze. Vor allem bei den Sozialversicherungen werden Veränderungen spürbar. Abgeschafft wird die Velovignette.

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Wer künftig ohne Autobahnvignette unterwegs ist, muss nicht mehr 100, sondern 200 Franken Busse bezahlen. (Bild: Keystone)

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Am 1. Januar treten auf eidgenössischer Ebene hunderte neuer Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen in Kraft. Das Gros der Neuerungen hat wenig Auswirkungen auf den Alltag der meisten Menschen. Die gewichtigsten Änderungen - auch finanziell - betreffen die Sozialversicherungen.

Gemäss den Zahlen des Bundesamts für Gesundheit steigen die Krankenkassenprämien auch im neuen Jahr. Obwohl der Aufschlag für Erwachsene mit durchschnittlich 2,2 Prozent moderater ausfällt als auch schon - es ist der zweittiefste Wert seit Einführung des Krankenkassenobligatoriums im Jahr 1996 -, bringt das für das Gros der Versicherten Mehrausgaben von mehreren hundert Franken.

Mit 4,4 Prozent besonders stark ist der Prämienanstieg bei den 19- bis 25-Jährigen.

Krankenkasse zahlt wieder Homöopathie

Für eine leichte finanzielle Entlastung dürfte der Entscheid sorgen, Behandlungen mit alternativen Heilmethoden provisorisch wieder über die Grundversicherung zu finanzieren.

Die Rechnungen für Behandlungen mit Homöopathie, Neural- und Phytotherapie, anthroposophischer oder traditioneller chinesischer Medizin bezahlt nun wieder die Krankenkasse. Wer solche Behandlungen über eine Zusatzversicherung abdecken liess, kann nun wieder auf eine solche Versicherung verzichten.

Noch unbekannt sind die finanziellen Auswirkungen des wichtigsten gesundheitspolitischen Reformvorhabens, welches 2012 seine Wirkungen zu entfalten beginnt - der neuen Spitalfinanzierung. Sie bringt für die Patienten die freie Spitalwahl in der ganzen Schweiz.

Neuer Mindestzinssatz

Erst im Pensionsalter aufs Portemonnaie auswirken wird sich der neue Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge. Angesichts der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten und des allgemeinen Zinstiefs beschloss der Bundesrat, den Mindestzins auf Anfang Jahr von 2 auf 1,5 Prozent zu senken.

Die Pensionskassen müssen damit auf dem bereits angehäuften Alterskapital so wenig Zinserträge erwirtschaften wie noch nie seit Einführung des BVG-Obligatoriums.

In der zweiten Säule kommt es auch wegen des Umwandlungssatzes zu Änderungen. Männer, die im kommenden Jahr in Rente gehen, erhalten nun noch eine Jahresrente von 6,9 Prozent ihres Altersguthabens (bisher 6,95). Bei Frauen sinkt der Satz von 6,9 auf 6,85 Prozent.

Unter finanziellen Druck dürften im neuen Jahr zahlreiche IV-Rentner geraten. Ziel der ersten Etappe der 6. IV-Revision ist es, 12 000 IV-Rentner wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Dazu sollen alle Renten überprüft werden, insbesondere solche, die auf nicht erklärbare Leiden zurückzuführen sind, etwa die Folgen eines Schleudertraumas.

Ende der Velovignette

Das neue Jahr bringt jedoch nicht nur höhere Prämien und Gebühren oder schlechtere Leistungen. Bundesrat und Parlament trafen auch Massnahmen, um das Portemonnaie der Bevölkerung zu schonen. So wird etwa die kalte Progression ausgeglichen, indem die Abzüge erhöht wurden, die bei der Berechnung der direkten Bundessteuer berücksichtigt werden.

Rund 5 Franken weniger ausgeben müssen nächstes Jahr die Velofahrerinnen und Velofahrer: Die Velovignette wird abgeschafft. Nichts mehr bezahlen müssen Autofahrer, wenn sie ihre alte Autobatterie entsorgen wollen. Denn künftig ist diese Gebühr bereits im Kaufpreis enthalten.

Ansonsten drohen im Verkehr vor allem höhere Strafen: So muss künftig 200 statt nur 100 Franken Busse bezahlen, wer ohne Autobahnvignette eine Nationalstrasse befährt. Und wer nie einen Führerausweis erwarb und trotzdem Auto fährt, soll künftig ebenso eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren riskieren, gleich wie ein Autofahrer, der trotz Ausweisentzug am Steuer sitzt.

Gelockerte Bunkerpflicht

Entlastet werden vor allem Bauherren und KMU. Durch die Lockerung der Schutzraumpflicht müssen nur noch in grösseren Überbauungen ab 38 Zimmern Bunker erstellt werden. Bislang galt die Schutzraumpflicht bereits ab acht Zimmern.

Wer ein kleineres Haus baut und keinen Schutzraum erstellen will, muss nach wie vor eine Ersatzabgabe bezahlen. Sie wurde aber gesenkt: Pro Schutzplatz kostet die Abgabe neu 400 bis 800 Franken statt wie bisher rund 1500 Franken.

Von tieferen Kosten profitieren auch all jene, die ihre Geschäfte mit Schuldbriefen unterlegen. Dank der Einführung des papierlosen Schuldbriefs entfallen nämlich die Kosten für die Ausfertigung auf Papier, die sichere Aufbewahrung sowie für die Übermittlung des Wertpapiers zwischen Grundbuchamt, Notariat und Bank.

Einige tausend Franken sparen können zahlreiche KMU auch dank neuen Regeln für die Revisionspflicht. Eine ordentliche Revision müssen nur noch Gesellschaften erstellen, wenn sie in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zwei der drei folgenden Kriterien erfüllen: eine Bilanzsumme von mindestens 20 Millionen Franken, einen Umsatz von mindestens 40 Millionen und 250 oder mehr Vollzeitstellen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rita am 29.12.2011 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Velo

    Die Abschaffung der unsäglichen Velovignette war aber überfällig. Wenigstens eine gute Nachricht aufs neue Jahr...

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  • Franz Müller am 29.12.2011 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gehalt/Renten

    Ich würde gerne mal einen Stände-National- oder Bundesrat sehen der mit Fr. 2300.-- AHV im Monat auskommt, Mit Fr. 400000.--. im Jahr kann ich es auch !!!

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  • Mr. X am 29.12.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Sozial= Assozial

    Das Sozialsystem der Schweiz hat uns nur Assozial gemacht. Junge haben schwierigkeiten einen Job zu bekommen und müsse das ganze Geld für alte Leute bezahlen. Besser das ganze System abschaffen und jeder spart für sich selbst.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Versicherter am 01.01.2012 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffung Velovignette

    Das war ein geschickter Schachzug der Versicherungslobby. Es heisst, Experten gingen davon aus, dass 90% eine private Haftpflichtversicherung hätten. Absoluter Quatsch: Selbst in der bis an die Zähne versicherten Schweiz sind es nicht einmal 50%, die eine private HV haben. Der Sinn der ganzen Aktion ist doch, den Versicherern neue Kunden zuzuspülen. In meinem Bekanntenkreis werden schon munter Offerten studiert. Eins ist dabei klar: Eine private HV ist ganze schön teuer verglichen zu einer Velovignette.

  • Sarkas Mus am 31.12.2011 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Verbesserungsvorschlag

    Hunderte neuer Gesetze. Wow! Kann es der Staat nich wie die andere Mafia machen und einfach so ausrauben? Dadurch lässt sich Bürokratie sparen und noch mehr klauen.

  • Jackman am 29.12.2011 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    100+ neue bitte schön?

    Da oben steht, das HUNDERTE NEUE (!) Gesetzes und Verordnungsbestimmungen in Kraft treten und hier wird nur über Velopflicht, Bussen bei ohne Vignette und gelegentlich wg. PK diskutiert. Wäre es nicht interessant zu wissen, was all diese neuen Bestimmungen für unser Leben bedeutet? Das es angeblich wenig Auswirkung auf unseren Alltag / Leben haben soll, ist wohl relevant, dadie meisten wohl versteckte neue Steuern, Gebühren, etc. sein werden, die einzeln zwar wenig, aber en Masse doch ins Gewicht fallen dürften

    • B.K. am 30.12.2011 07:24 Report Diesen Beitrag melden

      Sie haben es erfasst....

      Sie haben es erfasst! Wir werden überall mehr in die Tasche greifen müssen. Würde man uns genauer aufklären über die hundert neuen Gesetze, würde es sicher einen Aufstand geben. Das verzoggte Geld muss ja irgendwie wieder beschaffen werden um Schuldzinsen zu begleichen und da die Zoggerei nicht aufhört, wird es immer mehr und mehr sein, bis alles kolabiert.

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  • Ingrid, Bern am 29.12.2011 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Füreinander und miteinander!

    Und wenn uns die Luft ausgeht, gibts noch 'ne fette Sauerstoffsteuer mit dazu. Wartets ab, es kommt noch dicker! Wichtig ist: die Moral behalten. Sein Leben leben und sich nicht von dem Bösen beeinflussen oder tragen lassen! Durchhalten! Es kommt wieder gut! Jaa nicht ausflippen! Wir können uns jetzt mal beweisen und beherrschen uns. So könnte es gehen. Zusammenhalten! Für einander dasein. Kommt Zeit, kommt Rat. Und, weniger ist mehr...

  • Adem am 29.12.2011 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht nicht!!!

    Na ja..... Geld regiert die Welt. Sagt schon alles. Spart so viel wie es nur geht, bezahlt dem staat nur das was sein muss. Dann wirds noch mals teurer. Sie können nie genug Geld haben. Die reichen werden beloht wie immer.

    • Ralu am 30.12.2011 11:36 Report Diesen Beitrag melden

      Umverteilung total!

      Adem ist nicht informiert oder irregeleitet : Tatsache ist, dass die obersten 1 % der Reichen gemäss Statistik der Eidg. Steuerverwaltung 41% der Steuern in diesem Lande zahlen; 10% der Steuerzahlenden finanzieren diesen Staat zu 78% % , die Mittelschicht (40% der Bevölk.) zahlt weitere 20% und ganze 50% der Bevölkerung bezahlen lediglich 2 % der Steuern. Von wegen die Reichen "belohnen"; gebe es keine "Reichen" die diese Steuern bezahlen, soll Adem sich mal überlegen wovon der Staat die Sozialleistungen und den Staatsapparat bezahlen würde. Ralu, 30.12.2011

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